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111 Jahre Haft durch „Operation Achilles“ bisher

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111 Jahre Gefängnis bei 25 rechtskräftigen Verurteilungen, eine Dreivierteltonne Drogen beschlagnahmt, und ein Ende ist nicht in Sicht: Das ist das Fazit einer Zwischenbilanz der Operation „Achilles“, bei der im Juni des Vorjahres mehr als 80 Verdächtige festgenommen und knapp 70 Hausdurchsuchungen in Österreich durchgeführt worden waren. Die Ermittlungen der „Arbeitsgemeinschaft (AG) Achilles“ gehen weiter, sie wurden sogar auf einen weiteren Messengerdienst ausgeweitet.

Es begann im März des Vorjahres, als US-Strafverfolgungsbehörden - FBI und die Drug Enforcement Agency (DEA) - an das BK herantraten, das aufgrund dessen die „AG Achilles“ mit Spezialisten für Organisierte Kriminalität und Suchtgiftschmuggel gründete. Ausgangspunkt waren entschlüsselte Chats des verschlüsselten Krypto-Messengerdienstes „Anom“, zu dem nun auch der Dienst „Sky ECC“ hinzukam. Ein Großteil dieser insgesamt rund 700 Millionen Chats hatte Bezug zur Organisierten Kriminalität in und aus Westbalkan-Anrainerstaaten. Diese Tätergruppen sind auch in Österreich sehr stark präsent.

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Im April 2021 begannen die Auswertungen der Chats, an denen derzeit 20 Ermittler bei der AG arbeiten. Im Juni gab es die internationale Großaktion, die weltweit unter dem Namen „Trojan Shield“ lief. Global geht es um rund 3.500 teils bekannte Verdächtige. In Österreich gab es nach der Razzia im vergangenen Juni zahlreiche weitere Festnahmen. Bis März 2022 waren es 138 Festnahmen. Die Ermittler stellten hierzulande 50 Kilogramm Kokain, 33 Kilogramm Heroin, 667 Kilogramm Cannabis, 22.000 Cannabispflanzen und 0,6 Kilogramm synthetisches Suchtgift sicher. Dazu beschlagnahmten sie 51 Schusswaffen, mehr als 1.000 Patronen sowie rund eine Million Euro Bargeld.

Unterdessen geht auch die justizielle Aufarbeitung des Falles weiter: So bekam ein 47-jähriger serbischer Staatsbürger, Komplize des Hauptverdächtigen „Dexter“, der ebenfalls in Österreich einsitzt, am 17. März im Wiener Landesgericht rechtskräftig neun Jahre Haft aufgebrummt. Der Mann übernahm Drogenlieferungen und transportierte das Suchtgift zu den Bunkerwohnungen, wo der Stoff von anderen Mittätern übernommen und verteilt wurde. Die AG-Fahnder gehen aufgrund der Auswertung der Chats davon aus, dass auf das Konto des 47-Jährigen die Übernahme und Weitergabe von 65 Kilo Kokain und 41 Kilo Heroin gehen. Der Mann soll auch Wohnungen für die Mittäter organisiert und angemietet haben.

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Der Verurteilte übernahm am 24. März des Vorjahres in Wien-Floridsdorf von einem Kurier zehn Kilo Heroin - laut Fahnder im Auftrag von „Dexter“ - und brachte sie in eine Bunkerwohnung. Am 17. Mai - also noch vor der konzertierten globalen Razzia - stellten die Ermittler 23 Kilo Kokain und 250.000 Euro in Bar sicher. Zuvor hatte der 47-Jährige zehn Kilo Kokain von zwei Kurieren übernommen und in eine Bunkerwohnung gebracht. Dort erfolgte auch die Sicherstellung.

Ein weiterer Mittäter übernahm eine kleinere Menge Kokain und wurde am Ort des Geschehens mit den Kurieren festgenommen. Im Lkw fanden die Ermittler weitere zehn Kilogramm Kokain und 170.000 Euro Bargeld.

Die Staatsanwaltschaft Wien bildete in Zusammenhang mit der „Operation Achilles“ ebenfalls ein Team aus vier Vertreterinnen und Vertretern der Anklagebehörde. Andere Staatsanwälte wurden mit ausgelagerten Fällen der Operation betraut. Die 25 Verurteilungen bisher betrafen laut BK aber noch nicht die Köpfe der kriminellen Organisation.

Laut einem Bericht der „Kronen Zeitung“ (Donnerstagsausgabe) könnte der Hauptverdächtige „Dexter“ sogar noch aus dem Gefängnis heraus aktiv sein. Ein 41-Jähriger, der ebenfalls wegen Drogenhandels in Wien eine Strafe absaß, wurde nach seiner Entlassung in der serbischen Stadt Obrenovac erschossen. Der „Krone“ zufolge soll den Auftrag zu der Bluttat „Dexter“ gegeben haben. Das Bundeskriminalamt bestätigte dies allerdings am Donnerstag nicht.


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