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Sieben Fluchtkorridore für ukrainische Bevölkerung

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Für die bedrängte Zivilbevölkerung in umkämpften Städten der Ukraine sind am Samstag sieben Fluchtkorridore eingerichtet worden. Aus der besonders schwer von Gefechten betroffenen Stadt Mariupol im Süden soll ein Weg für Privatfahrzeuge in Richtung der Stadt Saporischschja führen, wie Vizeregierungschefin Irina Wereschtschuk in Kiew mitteilte. Aus der Stadt Berdjansk sollten Zivilisten mit Bussen abgeholt werden, aber auch mit Autos Richtung Saporischschja fliehen können.

Aus umkämpften Gebieten im Osten des Landes führten fünf Korridore in die Stadt Bachmut, schrieb Wereschtschuk in ihrem Nachrichtenkanal bei Telegram. Die Routen werden für jeden Tag neu angekündigt.

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Nach Angaben von Staatschef Wolodymyr Selenskyj wurden aus Mariupol am Freitag mehr als 3.000 Menschen in Sicherheit gebracht. „Es gabe in drei Regionen humanitäre Korridore: Donezk, Luhansk und Saporischschja“, sagte Selenskyj in einer in der Nacht auf Samstag veröffentlichten Video-Ansprache. „Uns ist es gelungen, 6.266 Menschen zu retten, darunter 3.071 Menschen aus Mariupol.“

Dutzende Busse mit Zivilisten aus der belagerten ukrainischen Hafenstadt Mariupol sowie anderen Vertriebenen an Bord trafen am Freitagabend im 220 Kilometer entfernten Saporischschja ein. In den Bussen saßen zahlreiche Einwohner Mariupols, die es geschafft hatten, in die von der russischen Armee besetzte Stadt Berdiansk zu gelangen, wo sie von dem Konvoi abgeholt wurden, wie Geflohene und Behördenvertreter der Nachrichtenagentur AFP sagten.

Wereschtschuk sagte in einem Video im Messengerdienst Telegram, es hätten sich 42 Busse auf den Weg gemacht, um Zivilisten aus Mariupol in Sicherheit zu bringen. Ein AFP-Reporter in Saporischschja sah dort rund 30 Busse. Wereschtschuk versprach den vielen anderen in Mariupol festsitzenden Zivilisten zugleich, sich weiter mit aller Kraft um ihre Rettung zu bemühen. „Wir wissen, wie sehr ihr gerettet werden wollt“, sagte die Vize-Regierungschefin. „Jeden Tag werden wir es immer wieder versuchen durchzukommen, bis ihr eine Chance bekommt, die Stadt zu verlassen, und vor allem, ein Leben in Frieden zu führen.“

Mariupol steht seit Wochen unter massivem Beschuss der russischen Streitkräfte. Nach ukrainischen Angaben wurden in der Stadt seit Kriegsbeginn mindestens 5.000 Menschen getötet, etwa 160.000 Zivilisten sollen in der weitgehend zerstörten Stadt noch festsitzen. Die humanitäre Situation in der Stadt ist verheerend; die Menschen haben kaum Zugang zu Wasser, Lebensmitteln und Strom.

Auch ein Konvoi des Internationalen Roten Kreuzes (IKRK) wird am Samstag einen erneuten Versuch unternehmen, Zivilisten aus Mariupol zu evakuieren. Am Freitag musste das IKRK-Team eine Rettungsaktion abbrechen, bei der ein Konvoi mit 54 ukrainischen Bussen und Privatfahrzeugen aus der Stadt geleitet werden sollte. Die Evakuierung aus Mariupol sei von beiden Seiten genehmigt worden, so das IKRK in einer Erklärung. Wichtige Details, wie der genaue Zeitplan und der Bestimmungsort des Konvois, müssten noch ausgearbeitet werden.

Selenskyj ermahnte unterdessen Menschen im russisch kontrollierten Süden des Landes, keine Posten in dem Besatzungsregime anzunehmen. In seiner Videoansprache bezeichnete er solche Leute als Gauleiter wie bei den Nationalsozialisten. „Meine Botschaft an sie ist einfach: Die Verantwortung für die Kollaboration ist unausweichlich“, sagte Selenskyj in Kiew. Nach ukrainischen Angaben versucht Russland, in den besetzten Gebieten moskautreue Verwaltungen aufzubauen.

Auf Russisch wandte sich Selenskyj an die Eltern der jungen Männer in Russland, die dort am 1. April zum Wehrdienst eingezogen wurden. „Schützen Sie ihre Kinder!“, sagte er. Die Eltern sollten alles tun, um ihre Söhne vor der Armee zu bewahren. Das Risiko sei hoch, dass sie in den Krieg in der Ukraine geschickt würden. „Das ist der garantierte Tod für viele ganz junge Kerle.“


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