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Romeo Castellucci kritisiert Umgang mit russischen Künstlern

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Von russischen Künstlern angesichts des Krieges gegen die Ukraine zu verlangen, sich gegen Wladimir Putin auszusprechen, ist für den italienischen Opern- und Theaterregisseur Romeo Castellucci „völlig unverständlich und wirklich absurd“. Das Beharren auf eine Distanzierung „ist unfair und Nötigung. Wir müssen von diesen Künstlern vielmehr verlangen, dass sie weiterhin kreativ sind“, sagte er dem „Kurier“ (Sonntag-Ausgabe). Immerhin hätten diese Verbindungen in die Heimat.

Ein „Kultur-Embargo“ empfinde er als „Schande“, so der Künstler, dessen Inszenierung von Mozarts „Requiem“ am Freitagabend eine umjubelte Österreichische Erstaufführung im Wiener Museumsquartier als Prolog zu den im Mai anstehenden Wiener Festwochen erfuhr. „Ein solches Embargo ist in der Kultur verrückt und kontraproduktiv. Denn gerade die Kunst bringt die Menschen zum Nachdenken. Sie ist das Gewissen - für die Politik. Gerade jetzt wäre es wichtig, den Künstlern zu erlauben, sich frei auszudrücken. Denn dieser schreckliche Krieg ist nicht nur eine humane Katastrophe, er kann auch eine große kulturelle Katastrophe werden“, warnte Castellucci im „Kurier“-Interview.

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Angesicht der aktuellen Ereignisse hoffe er auch, seine für die Salzburger Festspiele geplante Produktion mit dem griechisch-russischen Stardirigenten Teodor Currentzis durchführen zu können. „Ich hoffe wirklich, dass Teodor und sein Orchester musicAeterna weiterhin in Europa arbeiten dürfen“, sagte Castellucci. Currenzis will am 12. April mit einem Benefizkonzert im Wiener Konzerthaus ein Zeichen für Hoffnung und Frieden setzen. Das Ensemble musicAeterna wird unter anderem von der russischen Bank VTB finanziert, die sich auf einer westlichen Sanktionsliste findet.

Wie schwierig es für russische Künstler aktuell ist, sich rund um den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine zu positionieren, zeigte sich zuletzt auch bei der russisch-österreichischen Sopranistin Anna Netrebko. Sie geriet von mehreren Seiten aus in Bedrängnis, nachdem sie zunächst zahlreiche Engagements verlor, weil sie sich nicht explizit vom russischen Einmarsch in die Ukraine distanziert hatte. „Ich verurteile den Krieg gegen die Ukraine ausdrücklich und meine Gedanken sind bei den Opfern dieses Krieges und ihren Familien“, heißt es dann in einer Erklärung am Mittwoch. Das kostete sie wiederum einen Auftritt im Opernhaus im sibirischen Nowosibirsk. Der russische Parlamentspräsident Wjatscheslaw Wolodin übte überdies heftige Kritik an der Sängerin: „Die Stimme ist vorhanden, aber kein Gewissen.“

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