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Ukraine - Entsetzen über Massaker in Butscha

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Nach dem Massaker in der Stadt Butscha bei Kiew sind ukrainischen Medienberichten zufolge deutlich mehr als 300 Leichen von Zivilisten geborgen worden. Die Leichenfunde nach dem Abzug der russischen Truppen aus der Stadt unweit der Hauptstadt sorgen international für Entsetzen und lösten im Westen den Ruf nach schärferen Sanktionen gegen Moskau aus. Die russische Regierung wies dagegen die Verantwortung dafür zurück und kündigte ihrerseits Ermittlungen gegen die Ukraine an.

Bis Sonntagabend seien in Butscha bereits 330 bis 340 leblose Körper eingesammelt worden, schrieb die Zeitung „Ukrajinska Prawda“ am Montag unter Berufung auf einen Bestattungsdienst. Am Montag wurde die Suche nach weiteren Opfern fortgesetzt. Einige Leichen seien in Hinterhöfen vergraben, hieß es.

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Die Bilder aus der Vorortgemeinde der Hauptstadt, wo nach dem Abzug russischer Truppen zahlreiche Leichen von Bewohnern auf den Straßen gefunden worden waren, sorgten international für Entsetzen. Auch internationale Ermittler sollen eingeschaltet werden. Die Ukraine macht für das Massaker russische Truppen verantwortlich, die die Stadt bis vor kurzem besetzt hatten. Moskau bestreitet das.

Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell verurteilte am Montag in Brüssel „auf das Schärfste die Gräueltaten, die russische Streitkräfte laut Berichten in einer Reihe von besetzten ukrainischen Städten begangen haben“. Die EU werde deshalb „dringend die Arbeit an weiteren Sanktionen gegen Russland vorantreiben“, erklärte Borrell weiter. Brüsseler Diplomaten zufolge will die EU-Kommission in Kürze einen Vorschlag für verschärfte Strafmaßnahmen machen.

Die deutsche Bundesregierung und andere Staaten kündigten neue Sanktionen gegen Russland an. Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz sprach von „Kriegsverbrechen“, während der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Russland einen „Völkermord“ vorwarf.

Die britische Außenministerin Liz Truss will sich bei ihrem am Montag anstehenden Besuch in Polen für schärfere Strafmaßnahmen gegen Russland einsetzen. „Putin muss noch zeigen, dass er es mit der Diplomatie ernst meint“, erklärte Truss. „Ein hartes Vorgehen des Vereinigten Königreichs und unserer Verbündeten ist unerlässlich, um die Ukraine in den Verhandlungen zu stärken.“ Die Londoner Regierung hat ihre Sanktionen mit anderen Ländern abgestimmt und zuletzt wiederholt für härtere Sanktionen geworben.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron forderte nach dem Massaker in Butscha, Russland vor der internationalen Justiz wegen Kriegsverbrechen zur Verantwortung zu ziehen. „Es ist klar, dass es heute ganze klare Hinweise auf Kriegsverbrechen gibt. Es war die russische Armee, die in Butscha war“, sagte Macron am Montag dem Radiosender France Inter. Frankreich habe den ukrainischen Behörden Hilfe bei den Ermittlungen angeboten.

Polen forderte internationale Ermittlungen. „Wir schlagen eine internationale Kommission vor, um dieses Verbrechen des Völkermords zu untersuchen“, sagte Regierungschef Mateusz Morawiecki am Montag in Warschau. „Diese blutigen Massaker, die von Russen, von russischen Soldaten begangen wurden, müssen beim Namen genannt werden. Es ist ein Völkermord und er muss geahndet werden.“ Morawiecki warf zudem der früheren deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel vor, zum Erstarken Russlands beigetragen zu haben

Russland legte nach den Manipulationsvorwürfen gegen die Ukraine im Bezug auf Bilder getöteter Zivilisten in Butscha bei Kiew nach. Der russische Chefermittler Alexander Bastrykin kündigte am Montag offizielle Ermittlungen zu den Vorgängen an, die er als „Provokation“ der Ukraine bezeichnet. Die Ermittlungen sollten auf der Grundlage eingeleitet werden, dass die Ukraine „absichtlich falsche Informationen“ über die russischen Streitkräfte in Butscha verbreitet habe.

Russland wirft den USA und der Nato im Zusammenhang mit den Bilder von Toten in Butscha Manipulation vor. Die unmittelbar auf die Veröffentlichung erfolgten Erklärungen des Westens deuteten darauf hin, dass „die Nachricht bestellt“ worden sei, sagte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa. Damit solle der Ruf Russlands geschädigt werden. „Wer steckt hinter der Provokation? Natürlich die USA und die Nato“, sagte Sacharowa in einem am späten Sonntagabend ausgestrahlten Fernsehinterview.

Am Wochenende waren aus Butscha Videos aufgetaucht, die zahllose getötete Menschen zeigen, die auf den Straßen liegen. Reuters-Reporter sahen einen Mann mit Kopfschuss, dessen Hände hinter dem Rücken zusammengebunden waren. Der stellvertretende Bürgermeister Taras Shapravskyj sagte, dass 50 der 300 gefundenen Toten Opfer von Hinrichtungen der russischen Armee seien. Reuters konnte die Zahlen nicht überprüfen und auch nicht feststellen, wer für die Tötungen verantwortlich ist.

Russische Truppen beschossen nach Angaben aus Moskau in der Nacht auf Montag weitere Kommandopunkte, Munitions- und Treibstofflager der ukrainischen Armee. Dabei seien auch zwei Abschussvorrichtungen von Flugabwehrsystemen des Typs Buk zerstört worden, sagte Generalmajor Igor Konaschenkow. Eines der Systeme stand demnach in Werchnjotorezke im ostukrainischen Gebiet Donezk.

Die russische Luftabwehr habe außerdem sechs ukrainische Drohnen abgeschossen. Konaschenkow nannte dazu Orte im Süden der Ukraine wie Mykolajiw und Cherson. Auf dem Flugplatz Balowne bei Mykolajiw seien drei ukrainische Hubschrauber getroffen worden. Die Angaben waren zunächst nicht unabhängig überprüfbar.


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