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„Es gibt halt solche und solche“: Harald Darers „Mongo“

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„Mongo“. Der Titel des neuen Romans von Harald Darer stellt einem zunächst einmal die Haare auf. Das knallbunte Cover, so enträtselt man bei der Lektüre der Geschichte, zeigt offenbar eines jener Hawaii-Hemden, die Markus mit Vorliebe zu festlichen Anlässen anzieht. Markus hat Trisomie 21. Down-Syndrom. Er ist der Schwager des Ich-Erzählers Harry und die eigentliche Hauptfigur des Buches, das am Dienstag in Wien präsentiert wird.

Harald Darer, geboren 1975 in Mürzzuschlag, legte 2013 seinen Debütroman „Wer mit Hunden schläft“ vor, es folgten „Herzkörper“ und „Schnitzeltragödie“. Sein „Blaumann“ war 2019 für den Österreichischen Buchpreis nominiert. Sein neuer Roman ist kein sprachliches Meisterwerk, sondern bedient sich eines flotten, mitunter kindlichen Erzähltons. Das ist nicht nur als temporäre Angleichung an den Sprechduktus von Markus zu verstehen - auch Sexszenen wurden in Büchern für Erwachsene wohl noch eher selten mit dem mehrmaligen Hinein- und Hinausschlüpfen „meines Herrn Wurst aus ihrer Mumu“ beschrieben.

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An sich ist die Partnerschaft von Harry und Katja eine glückliche und erfüllte - doch als Katja erfährt, dass sie schwanger ist, bricht sie zunächst in Tränen aus. Harry, der offenbar wenig Vorstellungskraft hat, weiß zunächst gar nicht, um was es geht. Erst dann kapiert er: „Du hast Angst, das Kind könnte werden wie Markus?“ Viel fällt Harry dazu nicht ein außer: „Es wird schon werden.“

Die Angst Katjas ist nur ein Hebel für Darer, ihren Partner über seine „Erfahrungen mit behinderten Menschen“ nachdenken zu lassen. Diese sind erstaunlich vielfältig - und es wundert den Leser, dass es für den Erzähler erst den Trigger braucht, sich dessen bewusst zu werden. Unschöne Szenen aus der Kindheit steigen hoch, als Harry unter den Kindern war, die Albert, „den einzigen Down-Syndrom-Menschen in unserem Dorf“, getriezt und sekkiert hatten und er dafür die einzige schallende Ohrfeige seiner Kindheit ausfasste. Aber auch viele Erinnerungen an seine erste Bekanntschaft mit Markus, die immer intensiver wurde, je enger sich seine Beziehung zu dessen Schwester gestaltete.

So werden in „Mongo“, auch wenn die Untersuchungen Katjas Ängste nicht bestätigen und das Paar zwei gesunde Kinder bekommt, viele Geschichten erzählt, die Markus und Harry gemeinsam erlebt haben, viele ärgerliche, tragische und komische Momente - und am Ende haben Harry und seine Frau doch jene Verantwortung, die sie eigentlich nie haben wollten: Nach dem Tod der Eltern sind sie die einzigen verbliebenen familiären Bezugspersonen für Markus. Und so wird er, zumindest an jenen Tagen, in denen er nicht im Wohnheim ist, doch zum selbstverständlichen Teil der Familie und zum Spielgefährten der Kinder. „Dass Markus behindert sei, sagten sie nie. Wenn sie jemand direkt darauf ansprach, zuckten sie mit den Schultern und sagten: Es gibt halt solche und solche.“

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