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Jeder vierte Schüler wartet noch auf sein Tablet

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In diesem Schuljahr haben im Rahmen der Digitalisierungsoffensive des Bildungsministeriums erstmals Schüler der 5. und 6. Schulstufe günstige Laptops und Tablets erhalten. Insgesamt sollten 150.000 Geräte um 250 Millionen Euro im Wintersemester ausgeliefert werden. Ein Viertel der Schüler wartet aber immer noch auf ihre Geräte. Grund sind „Funktionsmängel“ bei den Windows-Tablets, dem Vertragspartner A1 Telekom AG wurde eine Nachfrist für Verbesserungen gesetzt.

Je nach Bundesland sind unterschiedlich viele Schüler von den Verzögerungen betroffen, nachdem die Schulen selbst entscheiden konnten, welche Geräte sie im Rahmen der Digitalisierungsoffensive auswählen: So haben in Vorarlberg, wo besonders viele Standorte auf die Windows Tablets gesetzt haben, erst 44 Prozent ihr IT-Gerät erhalten. In Salzburg sind es 68, in Niederösterreich, Kärnten und Tirol 70 Prozent. In Oberösterreich wurden 78 Prozent der Schülerinnen und Schüler bereits beliefert, in der Steiermark 82, in Wien 85 und im Burgenland 97 Prozent. Über alle Bundesländer sind laut Ministerium 75 Prozent der bestellten Geräte bereits ausgeliefert.

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Die Geräte-Initiative des Bildungsministeriums sieht vor, dass alle Schüler der fünften Schulstufe (im ersten Jahr auch der sechsten) mit digitalen Endgeräten ausgestattet werden können, wenn die Schulpartner (Eltern, Lehrern und Schüler) zustimmen und die Schule ein Konzept vorlegt, wie die Geräte im Unterricht eingesetzt werden sollen. 93 Prozent der infrage kommenden Schulen machen im ersten Jahr mit. Die Eltern bezahlen einen Selbstbehalt von 25 Prozent, dafür gehören die Geräte dann den Kindern. Familien mit wenig Geld können vom Selbstbehalt befreit werden.

Dabei konnten die Schulen zwischen Windows Notebooks, Windows Tablets, iPads, Android Tablets und Refurbished-Geräten wählen. Bereits im Sommer war allerdings klar, dass es bei der Auslieferung der Windows-Geräte zu Verzögerungen kommen würde. Nachdem es bei einer europaweiten Ausschreibung kein Angebot mit einem adäquaten Preis gegeben hat, wurde neu ausgeschrieben. Bis Weihnachten sollten aber auch die Windows Tablets verteilt werden.

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Den Zuschlag der BBG erhielt in der wiederholten Ausschreibung die A1 Telekom AG, die laut Bildungsministerium eine Auslieferung der Geräte noch im Sommersemester 2022 zugesagt habe. Während allerdings 132.100 Geräte für Schüler und Lehrer der anderen Anbieter bereits ausgeliefert sind, gibt es bei den Windows-Tablets weiter Probleme: Die ersten der insgesamt 43.622 bestellten Geräte wiesen laut Bildungsressort nämlich „augenscheinliche Funktionsmängel und Leistungsprobleme“ auf, wie sich bei einem ersten Check von IT-Kustoden-Exemplaren noch vor der Auslieferung an die Schulen gezeigt habe. Ein umgehend vom Ministerium beauftragtes unabhängiges Gutachten habe die Funktionsprobleme bestätigt, die Geräte wurden deshalb nicht an die Schülerinnen und Schüler übergeben.

Die Finanzprokuratur hat nun laut Ministerium Mängelrüge gegen die A1 Telekom AG erhoben und eine Nachfrist zur Verbesserung bis 20. April gesetzt. Das Bildungsministerium fordert eine umgehende Behebung sämtlicher Mängel, die Herstellung des vertraglich zugesicherten Zustands und die rasche Auslieferung der Geräte, hieß es gegenüber der APA. „Sollte die A1 Telekom AG ihre vertraglichen Pflichten nicht erfüllen, wird das BMBWF mit der Finanzprokuratur und der BBG unter Ausnutzung aller rechtlich offenstehenden Optionen alles tun, um den Schülerinnen und Schülern möglichst rasch die benötigten Geräte zu verschaffen.“ Das Ministerium setze jedenfalls alles daran, möglichst rasch Klarheit für die Schulen zu schaffen. „Klar ist: Jedes Kind wird sein Gerät bekommen“, wurde versichert.

In Tirol, wo 4.100 Schüler immer noch auf ihre Geräte warten, macht unterdessen die Opposition Druck auf Bildungslandesrätin Beate Palfrader (ÖVP), wie die „Tiroler Tageszeitung“ (Dienstagausgabe) berichtet. Selbst die Grünen, immerhin ÖVP-Regierungspartner, sprechen von einer „Zumutung“. Palfrader selbst bezeichnete die Situation selbst als „nicht erfreulich“ und kündigte Gespräche mit dem Bund an.


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