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Von Tanzklubs und Gewalt: Belvedere zeigt Georg Eisler

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Mit Georg Eisler stellt das Wiener Belvedere ab morgen, Freitag, einen „Kaliber der österreichischen Kunst“ - so Generaldirektorin Stella Rollig - in einer Einzelausstellung vor. Bis zum 25. September ist das Werk des 1998 verstorbenen Künstlers, der unbeschwerte Szenen im Tanzklub ebenso mit groben Pinselstrichen festhielt wie militärischer Gewalt an Zivilisten, in drei Räumen des Oberen Belvedere unter dem Titel „Spurensicherung“ zu sehen.

Eisler war zeit seines Lebens erfolgreicher Maler, erhielt 1965 den Österreichischen Staatspreis für Malerei, war von 1968 bis 1972 Präsident der Wiener Secession und nahm 1982 an der Biennale in Venedig teil. Das Belvedere habe im Rahmen der Ausstellung eine Schenkung des Georg und Alice Eisler-Fonds erhalten, womit 14 weitere Gemälde des Künstlers in das Haus einzogen, erzählte Rollig.

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In seinem künstlerischen Schaffen habe Eisler zwei Gegensätze vereint, sagte Kuratorin Kerstin Jesse. Während er sich einer figurativen, realistischen Malerei verschrieben und sich den Avantgarden seiner Zeit stilistisch ferngehalten habe, sei er dem Hier und Jetzt thematisch doch immer treu geblieben. Im Fokus seiner Arbeit seien stets der Mensch und die Gesellschaft gestanden. „Eisler sicherte in seiner Kunst die Spuren des Lebens“, erklärte Jesse den Titel der Ausstellung, die zur Reihe „Im Blick“ gehört.

So vielseitig wie das Leben sind denn auch Eislers Motive: Da gibt es etwa Zusammenkünfte von Menschen, die trotz räumlicher Nähe nicht miteinander interagieren - Eisler malte eine Szene aus dem Wiener Café Sperl, in der Bildmitte stehen leere Tische, vereinzelte Personen verlieren sich auf Bänken an den Bildrändern. In einer Szene in der Metro sind sie hingegen dicht zusammengedrängt und beschäftigen sich doch nur mit sich selbst - Zeitung lesend oder den Blick bewusst in unterschiedliche Richtungen lenkend. Auch malte Jazzliebhaber Eisler, Sohn des bekannten Komponisten Hanns und der Sängerin und Gesangspädagogin Charlotte Eisler, Szenen aus Tanz- und Nachtklubs.

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Diesen Alltagsszenen stehen Sujets von - teilweise politisch motivierter - Gewalt und Konflikten gegenüber, mit denen Eisler das politische Establishment kritisierte. So hielt er etwa Szenen von rassistischer Gewalt in Südafrika fest. Der 1928 in der Zwischenkriegszeit geborene Maler lernte auch selbst früh repressive und ihre Macht missbrauchende politische Systeme kennen. Mit seiner Mutter zog er 1936 nach Moskau, die Rückkehr nach Österreich war ihm wegen des „Anschlusses“ an Deutschland unmöglich. Eislers erste Einzelausstellung fand deshalb im englischen Manchester statt.

In Szenen aus dem Nordirlandkonflikt gehen Frauen in hellen Sommerkleidern in Belfast scheinbar unbeschwert spazieren, während Soldaten lauernd im Dunkeln der Bildecke kauern. Wie hier stellte Eisler die Exekutive oft dar, als - so Jesse - „Phalanx“ mit Helmen, die sich den farblich abgegrenzten Zivilisten entgegenstellt. In diesen Gemälden, die nun in die Sammlung des Belvederes übergegangen sind, wird wie schließlich auch die Gewalt zum Alltag. Verbindungen zu heutigen Konflikten sind da schnell geknüpft.

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