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Mutmaßlicher Attentäter von Tel Aviv erschossen

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Nach dem tödlichen Anschlag im Zentrum der israelischen Küstenmetropole Tel Aviv ist ein weiteres Todesopfer zu beklagen. Ein 35-jähriger Vater von drei Kindern sei trotz der Bemühungen der Ärzte seinen Verletzungen erlegen, teilte das Ichilov-Krankenhaus am Freitag mit. Damit erhöht sich die Opferzahl auf drei. Der Attentäter, ein Palästinenser aus dem Westjordanland, wurde Freitagfrüh in dem arabischen Vorort Jaffa erschossen, teilte der Inlandsgeheimdienst Shin Bet mit.

Dem war eine stundenlange Suche vorausgegangen. Es habe sich um einen 28-jährigen Palästinenser aus Jenin im Westjordanland gehandelt. Ministerpräsident Naftali Bennett warnte am Freitag vor weiteren Anschlägen durch Nachahmungstäter.

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Nach Polizeiangaben hatte ein Angreifer am Donnerstagabend auf der belebten Dizengoff-Straße auf Gäste eines Lokals geschossen. Zwei der Toten seien junge Männer im Alter von 27 und 28 Jahren gewesen. Nach Medienberichten waren sie Freunde seit der Kindheit. Fünf weitere Menschen erlitten laut Polizei schwere oder mittelschwere Schussverletzungen.

Es war der vierte Anschlag in Israel innerhalb von rund zwei Wochen, dabei wurden insgesamt 14 Menschen getötet. Regierungsvertreter und internationale Politiker wie auch Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas verurteilten das erneute Attentat. Das Land befürchtet weitere Gewaltakte während des muslimischen Fastenmonats Ramadan, der vergangenen Samstag begonnen hatte. Das christliche Osterfest und der Beginn des jüdischen Pessachfestes fallen in diesem Jahr mit dem Ramadan zusammen. Dazu werden viele Touristen im Land erwartet.

Bennett schrieb bei Twitter: „Wir bleiben in maximaler Alarmbereitschaft, in Tel Aviv und im ganzen Land, aus Sorge vor weiteren Ereignissen oder Attentaten durch Nachahmer. (...) Unser Krieg gegen den mörderischen Terror ist lang und hart.“

Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) zeigte sich auf Twitter vom Anschlag „schockiert“. Auch Deutschland und die USA verurteilten die Tat. US-Außenminister Antony Blinken teilte mit: „Wir verfolgen die Entwicklungen genau und werden auch weiterhin in regelmäßigem Kontakt mit unseren israelischen Partnern stehen, mit denen wir angesichts von sinnlosem Terrorismus und Gewalt entschlossen zusammenstehen.“ Die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock twitterte, Feiglinge hätten normale israelische Bürger angegriffen.

In Tel Aviv war es in der Vergangenheit wiederholt zu Anschlägen gekommen. Auf der Dizengoff-Straße hatte bereits im Jänner 2016 ein israelischer Araber zwei Menschen erschossen. Im Juni 2016 erschossen zwei Palästinenser im zentralen Sarona-Park vier Israelis und verletzten mehrere.

Der mutmaßliche Täter vom Donnerstag hatte nach Angaben des Shin Bet keine klaren Verbindungen zu Organisationen gehabt und war in der Vergangenheit auch nicht verhaftet worden. Der Mann habe sich ohne Genehmigung in Israel aufgehalten. Der 28-Jährige war demnach am frühen Freitagmorgen nach rund neunstündiger Suche von Hunderten Sicherheitskräften gefunden und nach einem Feuergefecht getötet worden. Er habe sich in Jaffa im Süden der Stadt nahe einer Moschee versteckt.

Bei zwei der drei Attentate vor dem Anschlag vom Donnerstag waren die Angreifer israelische Araber mit Verbindungen zur Terrororganisation Islamischer Staat (IS). Bei einem Anschlag Anfang vergangener Woche war der Attentäter ein Palästinenser.

Israels Regierung verkündete zunächst keine strengeren Auflagen für Palästinenser im besetzten Westjordanland. Assaf Orion vom Institut für Nationale Sicherheitsstudien in Tel Aviv sieht die Behörden in einem Zwiespalt: Auf der einen Seite wolle man die Bewegungsfähigkeit von Einzeltätern einschränken und so Anschläge verhindern. Auf der anderen Seite wolle man weder die allgemeine Bevölkerung im Westjordanland gegen sich aufbringen noch eine Front mit einer der Terrororganisationen aufmachen. „Das ist ein schmaler Grat, auf dem man sich bewegt“, sagte der Brigadegeneral der Reserve.

Allerdings berichteten ältere Palästinenser aus Jenin, dass ihnen am Freitag der Zugang nach Jerusalem verwehrt wurde - entgegen der aktuellen Vorgaben. Sie wollten demnach für das Freitagsgebet zur Al-Aqsa-Moschee auf den Juden und Muslimen heiligen Tempelberg (Al-Haram al-Sharif). Dort waren nach Angaben der zuständigen Wakf-Behörde letztlich schätzungsweise rund 80.000 Muslime - statt der erwarteten rund 200.000.

Ministerpräsident Bennett steht aktuell politisch massiv unter Druck: Am Mittwoch verlor seine Acht-Parteien-Regierung überraschend ihre hauchdünne Mehrheit im Parlament. Eine Abgeordnete seiner Regierungspartei Yamina trat aus dem Bündnis aus, nach Medienberichten wegen eines Streits über religiöse Angelegenheiten. Ex-Regierungschef Benjamin Netanyahu fordert einen Regierungswechsel.

Der Ramadan fällt am kommenden Wochenende zusammen mit dem Osterfest und dem Beginn des jüdischen Pessachfests. Dazu erwartet das Tourismusministerium rund 30.000 Touristen allein in der kommenden Woche. Erst seit März dürfen in der Corona-Pandemie wieder ungeimpfte Touristen ins Land einreisen. Israel hatte mit Beginn der Pandemie vor rund zwei Jahren die Grenzen für Touristen geschlossen.

Das Tourismusministerium zeigte sich am Freitag optimistisch: „Trotz jüngster Terrorattacken sind sich die Büros des Ministeriums keiner signifikanten Zahl an Stornierungen oder einem Einfluss auf Reisen zu Ostern und Pessach bewusst“, hieß es. Den Menschen sei bewusst, dass es Anschläge auch in den USA und Europa geben könne. Israel sei bestens vorbereitet, um auf Sicherheitsvorkommnisse zu reagieren.


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