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„Dschabber“ im Burgtheater-Vestibül: Mit Kopftuch und Kapuze

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In grauer Vorzeit diskutierte man über Vermummungsverbote. Dann drehte sich die Situation: In der Pandemie wurde das Tragen von Mund-Nasen-Schutz Pflicht. Auch die Diskussion über das Kopftuchverbot wurde schon mal leidenschaftlicher geführt. Im Vestibül des Burgtheaters wird man nun daran erinnert, dass diese Frage keineswegs vom Tisch ist. Das Burgtheaterstudio brachte am Freitag das Stück „Dschabber“ des kanadischen Autors Marcus Youssef zur Österreichische Erstaufführung.

„Dschabber“ nennt sich die Clique von den Hidschab tragenden jungen Muslimas rund um die selbstbewusste Fatima. Nach einem rassistischen Graffiti geben ihre Eltern sie allein in eine neue Schule. Die nicht immer überzeugende Bearbeitung für Wiener Verhältnisse siedelt sie in der Rahlgasse an. Dort ist sie die einzige Kopftuchträgerin und freundet sich mit Jonas an, einem Schüler, der im Unterricht nicht gerade durch besondere Sensibilität in Rassismus-Fragen auffällt und von dem man munkelt, sein Vater sei wegen fortgesetzter häuslicher Gewalt im Gefängnis.

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Anja Sczilinski, die Leiterin des Burgtheaterstudios, hat ihre Inszenierung, deren Premiere mehrfach verschoben werden musste, mit mehreren Mädchen und Burschen erarbeitet und ihnen Ensemblemitglied Dunja Sowinetz als Lehrerin gegenübergestellt. Mehrfach-Besetzungen machen deutlich, dass es sich um kein Privatproblem handelt und dass es verschiedene Sichtweisen und Facetten gibt, suggerieren allerdings ein Gruppending, wo es eigentlich vor allem um die Annäherung und Auseinandersetzung eines einzigen jungen Paares geht: Fatima und Jonas.

Lukas Coleselli und Kevin Koller sind zwei sehr unterschiedliche und jeder auf seine Weise gut passende Jonasse, Miriam Bahri und Jihen Djemai die jungen Frauen, die sich dauernd für ihr Kopftuchtragen rechtfertigen müssen und die Zuhause die ärgsten Schwierigkeiten bekommen, als ein Video-Chat-Mitschnitt kursiert, auf dem sie ihr Kopftuch abnehmen und ihre Haare zeigen. Emilia Mihellyes mit und Johanna Singer ohne Kopftuch sind mehr in kommentierenden Funktionen eingesetzt, wobei das in Zusammenarbeit mit Muslimas entstandene Stück weniger die Gründe des Hidschab-Tragens (und den dabei möglicherweise ausgeübten Druck) diskutiert als die Unfähigkeit der Gesellschaft, sich offen und informiert darüber auszutauschen.

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Mit „Dschabber“ stellt sich das Burgtheater jedenfalls einem jungen und diversen Publikum und seinen Problemen, die in einer diversen Gesellschaft bekanntlich uns alle etwas angehen. Schönster Moment der am Ende bejubelten 70-minütigen Aufführung, die für Menschen ab 13 Jahren empfohlen ist: Nicht nur die jungen Frauen tragen Kopftücher, auch die Burschen haben Kapuzen über den Kopf gezogen. Und der Augenblick, an dem sie auf Fatimas Bitte ihre Haare zeigen, ist genauso prickelnd und aufgeladen wie auf der Gegenseite.

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