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Flüchtling und Sammler Stefan Edlis im Jüdischen Museum Wien

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Vom Flüchtling vor dem Nationalsozialismus zum erfolgreichen Sammler zeitgenössischer Kunst: Diese Geschichte erzählt das Jüdische Museum Wien ab morgen, Mittwoch, unter dem Titel „Eine (un-)erfreuliche Reise. Stefan Edlis‘ Leben nach ihm“. Neben Erinnerungen an Kunstsammler Edlis steht die Figur „Him“ des Italieners Maurizio Cattelan im Fokus: Wirkt sie von hinten wie ein unschuldiger Bub, erkennt man von vorne Adolf Hitler. Die Ausstellung ist bis 2. Oktober zu sehen.

16-Jährig musste Edlis 1941 mit seiner Mutter und seinen Geschwistern aus seiner Heimat Wien-Meidling in die USA fliehen. Doch auch nach der Flucht war Edlis‘ Leben kein ruhiges: Er heuerte bei der Navy an und wurde nach der Schlacht um die japanische Insel Iwojima dort eingesetzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte er in die USA zurück, arbeitete zunächst bei einer Werkzeugfirma und wandte sich mehr oder weniger exzentrischen Hobbys wie dem Zeichnen, Rennfahren und Volkstanzen zu. Als es ihm gelang, Werkzeug aus Plastik herzustellen, gründete er die Plastikfabrik „Apollo Plastics“, die ihm ein Vermögen einbrachte.

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Später förderte und sammelte Edlis zeitgenössische Kunst und baute mit seiner Frau Gael Neeson eine - laut einer Aussendung des Jüdischen Museums - spektakuläre Sammlung inklusive provokanter Kunstwerke auf. Mit „Him“-Schöpfer Cattelan verband ihn eine besondere Freundschaft. Die Figur, von der drei Stücke angefertigt wurden, wird im Rahmen der Ausstellung erstmals in Österreich gezeigt.

Ein Besitzstück Edlis‘, das ebenfalls zu sehen ist, ist sein Pass aus der Zeit des Nationalsozialismus. Dass das Dokument mit dem Stempel „J“ für Jude im Jüdischen Museum aufbewahrt wird, sei einer von Edlis‘ letzten Wünschen gewesen, bevor er im Oktober 2019 mit 94 Jahren starb.

Ausstellungsgestalter Itai Margula machte Edlis‘ Bibliothek zur abstrakten Kulisse, in der die Geschichte seiner Vertreibung laut Aussendung „mit Verweis auf die Wohnung in der Schönbrunnerstrasse 138 raumgreifend erzählt wird.“ Cattelans Hitler-Skulptur spielt darin eine tragende Rolle: In einer Alt-Wiener Fensternische und auf Augenhöhe der Figur befindet sich eine Passvitrine - ein Verweis auf eine Szene aus dem Dokumentarfilm „The Price of Everything“, in der Edlis den Pass aus der Lade nahm und „Him“ dazu aufforderte, sich bei ihm zu entschuldigen.

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