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Albertina modern zeigt begnadeten Zeichner Gustav Klimt

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Denkt man an Gustav Klimt, so erscheinen wohl opulente Jugendstilbilder wie „Der Kuss“ oder „Judith“ vor dem inneren Auge - dass Klimt in allen Schaffensphasen auch ein begnadeter Zeichner war, beweist die Wiener Albertina modern im Rahmen von „Gustav Klimt. Die Zeichnungen“ bis 17. Juli. Aus dem ihm zu rückständigen Künstlerhaus, in dem sich die Albertina modern befindet, zog Klimt vor 125 Jahren aus, um die Wiener Secession zu gründen.

Und auch ein zweites Jubiläum gab Anlass für die Schau: Vor 160 Jahren - im Jahr 1862 - wurde der österreichische Meister geboren. Seit seinem Austritt aus dem Künstlerhaus habe es hier keine Einzelausstellung zu ihm mehr gegeben, berichtete Albertina-Generaldirektor Klaus Albrecht Schröder am Dienstag bei einer Pressekonferenz. Was Klimt - später erster Präsident der Secession - von „Gustav Klimt. Die Zeichnungen“ in diesem Haus wohl gehalten hätte, könne er nicht sagen, meinte Schröder.

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98 Zeichnungen - meist keine autonomen Werke, sondern Vorstudien - hat Kuratorin Elisabeth Dutz ausgewählt, um alle Schaffensphasen des Künstlers darzustellen und einen Spaziergang durch Klimts Leben zu ermöglichen, wie sie es ausdrückte. Den Anfang bilden realistische Zeichnungen aus dem späten 19. Jahrhundert, die Klimt etwa für die Deckengemälde des Burgtheaters anfertigte.

Doch schnell wendet sich die Ausstellung anderen Sujets zu - zumeist sind es junge, schlanke Frauenkörper, manchmal in Schwebe. Schröder sprach von einer „ätherischen Ästhetik“ Klimts, einem Fokus auf die „Femme fragile“ - die zerbrechliche Frau -, die er mit der während Klimts Lebenszeit gefundenen Venus von Willendorf kontrastierte. Nur spärlich vorhanden sind Zeichnungen, in denen Männer oder alte Frauen dargestellt werden.

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Auch Klimts Arbeiten als Präsident der Secession werden präsentiert: So etwa Initialen aus der hauseigenen Kunstzeitschrift „Ver Sacrum“ - im „D“ hat Klimt den griechischen Gott Apoll mit schwarzen Locken und Lorbeerkranz vor einem Lorbeerbaum dargestellt; das Blättermotiv findet sich heute in der goldenen Lorbeerkuppel des Secessionsgebäudes wieder. Auch das von Klimt designte Plakat für die erste Kunstausstellung mit einem durch Baumstämme zensierten Theseus und Studien für Teile des berühmten Beethovenfrieses sind zu sehen. Mit schwarzer Kreide umriss Klimt treffsicher Personifikationen wie die „Unkeuschheit“ - eine Frau mit offenem Haar - oder die nackten Gorgonen für das Beethovens neunte Symphonie darstellende, sich über drei Wände erstreckende Werk.

Porträtserien von Damen in verschiedenen Stellungen, aber auch erotischen Akten wandte sich der Künstler in seinem Spätwerk zu. Zeichnungen, die auf die Vulva liegender Frauen fokussieren oder solche, in denen die Frauen masturbieren, erinnern an Werke von Egon Schiele und Oskar Kokoschka. Ihnen haben Klimts Darstellungen des nackten weiblichen Körpers den Weg geebnet, heißt es im Pressetext.

Fast schwer erkennbar sind die Linien in späteren Schaffensphasen - Grund sei der harte Bleistift, den der Künstler verwendet habe, so Schröder. Besonders deutlich wird hier der Unterschied zu den sonst so bunten Werken Klimts, deren Farben man am Ende ein wenig vermisst.

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