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Drogen, Blut und Sex: „To all Tomorrow‘s Parties“ in Bregenz

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Das Vorarlberger Landestheater taucht ein in die 1960er-Jahre - konkret in die Welt Andy Warhols mit seinem Sammelsurium an Künstlern und Models. Die Uraufführung von Niklas Ritters „To all Tomorrow‘s Parties Nico, Andy Warhol und die Factory“ in Bregenz wurde am Donnerstagabend zur erwarteten Orgie mit Drogen, Rausch, Blut und Sex. Doch mit der zeitlichen Distanz wirkte Ritters Inszenierung gar nicht mehr so aufregend, sondern eher als Abhandlung einer vergangenen Zeit.

Die Wirkungsstätte von Warhol und seinem Umfeld war die Factory in New York - ein Ort, der die Kunstwelt nachhaltig verändert hat, zum Beispiel mit den berühmten Bildern der Dosensuppen. Die Factory fand im Bühnenbild von Karoline Bierner im Landestheater seinen verkleinerten Ableger. Zu Beginn steht den Darstellern nur die Vorderbühne zur Verfügung, im Lauf der Geschichte öffnet sich die Bühne mehr und mehr, gewinnt Tiefe. Ein überdimensionales großes pinkes Kissen, ein glänzender Vorhang, der sich eindrucksvoll öffnet, eine riesige Leinwand, über die die Zuschauer die Nahaufnahmen der Darsteller sehen und somit noch näher dran sind am Geschehen.

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Für die Videos zu Beginn und die gesamte Inszenierung zeichnet Niklas Ritter verantwortlich. Er fordert seinem Ensemble einiges ab, vor allem viele Rollenwechsel. Das ist auch einer der Schwachpunkte. Jeder darf ein bisschen mitspielen, jeder darf quasi mal die Sängerin Christa Päffgen alias Nico sein, jeder darf als weitere Figur am Geschehen mitwirken - zum Beispiel als Andy Warhol, Edie Sedgwick, Valerie Solanas oder eben als Nico, die kurze Zeit Frontfrau von Warhols Hausband „The Velvet Underground“ war und die „All Tomorrow‘s Parties“ 1967 der Welt präsentierte. Die Wechsel machen die Geschichte einerseits lebendig und der Zuschauer ist durchaus gefordert, aber die Figuren sind auch weniger tief und greifbar.

Musikalisch hingegen kann man durchaus zufrieden sein. Die fünfköpfige Band bestehend aus Marcel Girardelli (Bass), Martin Grabher (Schlagzeug und Synthesizers), Andreas Paragioudakis (Piano, Kretisch, Laute, Lyra, Hermonium, Melodica), Oliver Rath (Gitarren und Synthesizers) und Yenisey Rodriguez (Cello) hat einiges zu tun, der Geschichte einen fast opulenten Soundtrack zu verpassen. Sie kassiert am Ende für ihren Einsatz auch einen Extra-Applaus. Die Playlist ist lang, und auch wenn sie den perfekten Sound der Zeit liefert, am Ende nach über zwei Stunden muss doch die Frage erlaubt sein: Müssen es wirklich 20 Songs sein? Wäre weniger nicht mehr gewesen?

Besonders spürbar war bei der Premiere, dass die jüngeren Zuschauer nach zwei Jahren Pandemie einer orgiastischen distanzlosen Zusammenkunft von Menschen durchaus etwas abgewinnen konnten - sie belohnten die Produktion mit viel Applaus. Der Rest des Publikums sah das Ganze etwas entspannter und distanziert, durchaus als vertrauten Blick in die Geschichte, dem ein kritisches Element der Betrachtung fehlte. Musikliebhaber und Fans der 1960er-Jahre kommen aber jedenfalls auf ihre Rechnung.

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