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Nach „Moskwa“-Untergang nimmt Russland Kiew ins Visier

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Nach dem Untergang ihres Schwarzmeer-Flaggschiffs „Moskwa“ hat das russische Militär am Freitag eine Raketenfabrik im Großraum Kiew unter Beschuss genommen und weitere Angriffe auf die Hauptstadt angekündigt. Da aus der Fabrik auch Anti-Schiffs-Raketen kommen, gehen Beobachter von einer Vergeltungsaktion für den Verlust des Kriegsschiffs aus. Russland weist allerdings die Darstellung der Regierung in Kiew zurück, die „Moskwa“ sei von ukrainischen Raketen getroffen worden.

Vielmehr habe ein Feuer eine Munitionsexplosion ausgelöst. Unterdessen hat Russland nach eigenen Angaben in der Stadt Mariupol am Asowschen Meer mit dem Stahlwerk „Iljitsch“ eine der letzten Bastionen der Verteidiger vollständig unter eigene Kontrolle gebracht.

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Russland kündigte nach dem Angriff auf die Raketenfabrik bei Kiew weitere Attacken auf die ukrainische Hauptstadt an. Dort waren am Freitag so starke Explosionen zu hören, wie kaum seit dem Rückzug russischer Truppen aus der Region um die ukrainische Hauptstadt vor zwei Wochen. Die Attacke in Kiew begründete das russische Verteidigungsministerium mit Vergeltung für angebliche ukrainische Angriffe auf russisches Staatsgebiet, von denen die russischen Behörden am Donnerstag mehrere gemeldet hatten.

Russland hatte der Ukraine zuvor vorgeworfen, am 29. März mindestens drei Raketen auf ein Munitionsdepot in der Stadt Belgorod abgefeuert zu haben. Anfang April wies die Regierung in Kiew russische Vorwürfe zurück, für einen Großbrand in einem Treibstofflager nahe der Stadt verantwortlich zu sein. Dies wäre der erste bekannte ukrainische Angriff auf Ziele in Russland seit dem Beginn des Krieges gewesen. Angaben aus dem Kriegsgebiet lassen sich nicht immer unabhängig überprüfen.

Nach Angaben des Moskauer Verteidigungsministeriums sank die schwerbeschädigte „Moskwa“ bei schwerem Seegang, als es zu einem Hafen geschleppt wurde. Mehr als 500 Seeleute seien in Sicherheit gebracht worden. Der Untergang gilt als einer der schwersten Rückschläge, die Russland bisher hinnehmen musste. Seit rund 40 Jahren ist kein Kriegsschiff vergleichbarer Größe mehr während laufender Kampfhandlungen untergegangen. Zuletzt sank 1982 im Falkland-Krieg die von britischen Torpedos getroffene argentinische „General Belgrano“. Ein Untergang der „Moskwa“ wäre ein Sinnbild für die bisherige russische Kriegsführung, schrieb der Experte für das russische Militär, Michael Kofman, auf Twitter. Die „Moskwa“ wäre ein bedeutender Verlust für die russische Marine.

Die „Moskwa“ hat neben ihrer militärischen auch symbolische Bedeutung. Gleich am ersten Tag der Invasion hatte die Marine auf der „Moskwa“ ukrainische Soldaten auf einer Schwarzmeer-Insel zur Aufgabe aufgefordert und als Antwort einen trotzigen, mit einem Schimpfwort gespickten Funkspruch bekommen. Diesen Vorgang hat die Ukraine mit einer eigenen Briefmarke gewürdigt. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj würdigte in einer nächtlichen Ansprache „diejenigen, die gezeigt haben, dass russische Schiffe ... nur auf den Boden sinken können“.

Nach dem Rückzug aus der Region Kiew konzentriert sich Russland nach eigenen Angaben darauf, die Region Donbass unter ihre Kontrolle zu bringen. Dort beherrschen prorussische Separatisten bereits seit 2014 die Gebiete um die Städte Luhansk und Donezk. Nördlich der besonders umkämpften Stadt Mariupol am Asowschen Meer meldete die Ukraine Erfolge, die nicht unabhängig überprüft werden konnten.

Russland hat sich die vollständige Eroberung von Mariupol zum Ziel gesetzt. Bisher hat Russland keine Großstadt eingenommen. Nach sieben Wochen Bombardement und Belagerung liegt Mariupol weitgehend in Trümmern. Tausende Zivilisten wurden dort getötet, Zehntausende sind eingeschlossen.

Russland verlangte unterdessen einem Zeitungsbericht zufolge ein Ende von Waffenlieferungen an die Ukraine. „Wir fordern die USA und ihre Verbündeten auf, die unverantwortliche Militarisierung der Ukraine zu unterlassen, die unvorhersehbare Konsequenzen für die regionale und internationale Sicherheit impliziert“, hieß es laut der „Washington Post“ in einer diplomatischen Note an die Vereinigten Staaten.


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