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Nitschs 20. Malaktion als leiser Abschied in Venedig

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Es ist gespenstisch still in den beiden Hallen des Oficine 800, einem zum Kulturraum umfunktionierten ehemaligen Warenhaus auf der Insel Giudecca in Venedig. Allein von einem Video der 20. Malaktion von Hermann Nitsch tönt leise sakrale Musik. Der Zeitpunkt der Ausstellung, die am Rande der Biennale ihre Tore öffnet, fiel nun mit dem Tod des österreichischen Künstlers zusammen. Das scheint auch die Besucher, die die Hallen immer wieder still betreten, sichtlich zu berühren.

Die beiden fast zehn Meter hohen, lang gezogenen Hallen mit Ziegelwänden und offenem Dachstuhl wirken selbst sakral. Hier zeigt die italienische Kulturorganisation Zuecca Projects gemeinsam mit der Wiener Galerie Kandlhofer Nitschs Malaktion aus dem Jahr 1987 aus der Secession, die sich im Besitz des Sammlers Helmut Essl befindet. Laut Angaben der Veranstalter handelt es sich dabei um die einzigen Werke einer Malaktion, die in einer Sammlung vereint sind und in ihrer Gesamtheit gezeigt werden können. In Venedig wird sie mit der Ausstellung im Oficine 800 das erste Mal dem italienischen Publikum präsentiert. Die Werke, die auf langen Leinwänden an den Mauern lehnen oder den Boden bedecken, ergeben im Zusammenspiel mit der Video-Dokumentation der Aktion ein eindrucksvolles Zeugnis.

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„Für mich war Hermann Nitsch einer der größten Künstler der Welt, und ich bin dankbar für die tiefe Wirkung, die sein Werk auf mich und so viele andere hatte“, so Essl in einem der APA übermittelten Statement. „Die Tatsache, dass Hermann an dem Tag abreist, an dem ich ihm mit der Eröffnung seiner 20. Malaktion im Rahmen der Biennale von Venedig meine größte Wertschätzung entgegenbringe, veranlasst mich, das zu tun, was ich hier in Venedig gerade begonnen habe, nämlich seine Kunst der Welt noch näher zu bringen.“

Auch der Kurator und Nitsch-Experte Roman Grabner äußerte sich bestürzt: „Hermann Nitsch hat mit seinem ‚Orgien-Mysterien-Theater‘ einen einzigartigen Kosmos geschaffen, eine große Kulturcollage, die Religionen und Mythen übereinanderlegt und alle Künste miteinander verschmilzt, ein wahres Gesamtkunstwerk, das die Zeiten überdauern wird“, wie es in einem Statement heißt. „Die Kunstwelt hat einen ihrer letzten großen Visionäre verloren.“ Die Ausstellung im Oficine 800 ist bis zum 20. Juli zu sehen.

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