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Hitziges Fernsehduell von Macron und Le Pen

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Der französische Präsident Emmanuel Macron und seine rechte Rivalin Marine Le Pen haben sich im einzigen TV-Duell vor der Wahl am Sonntag ein hitziges Wortgefecht geliefert. Die Kontrahenten fielen einander am Mittwochabend mehrfach ins Wort. Heftig stritten sie über den Umgang mit Russland und die Europapolitik. Le Pen präsentierte sich als Anwältin der Verbraucher, die deren Kaufkraft steigern wolle. Macron machte einen aktiveren Eindruck und räumte auch Fehler ein.

Anders als bei ihrem TV-Duell vor fünf Jahren waren Le Pen und Macron um eine sachliche Debatte bemüht. Im Verlauf der mehr als zweieinhalbstündigen Sendung nahmen die gegenseitigen Angriffe aber zu. Die Rechtspopulistin war um einen sympathischen Auftritt bemüht, während Macron bewusst auf die Argumente seiner Kontrahentin einging, um sie dann zu zerpflücken.

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„Ich werde die Präsidentin der Lebenshaltungskosten sein“, betonte Le Pen. Macron warf der für eine kräftige Mehrwertsteuersenkung auf Energie eintretenden Konkurrentin vor, ihre Vorschläge seien teilweise wirklichkeitsfremd. Dies gelte auch für Lohnsteigerungen, die sie im Falle ihrer Präsidentschaft erreichen wolle. Macron verteidigte auch seinen von Le Pen als „absolute Ungerechtigkeit“ kritisierten Plan, das Pensionsalter von 62 auf 65 Jahre anheben zu wollen und argumentierte diesbezüglich mit der gestiegenen Lebenserwartung.

Macron attackierte seine Konkurrentin auch mit Blick auf ihre früher offen zur Schau getragene Nähe zu Russland. Er warf ihr vor, von dessen Präsidenten Wladimir Putin abhängig zu sein. Le Pens Partei erhielt 2014 einen Kredit von einer russischen Bank. „Sie hängen von der russischen Macht und sie hängen von Herrn Putin ab“, sagte Macron. Kurz vor den Wahlen 2017 wurde Le Pen zudem von Putin in Moskau empfangen. Die Chefin des Rassemblement National (RN) verteidigte den Kredit aus Russland, da in Frankreich damals kein Darlehen zu erhalten gewesen sei. Zudem habe diese Transaktion ihre Unabhängigkeit in keiner Weise beeinträchtigt. „Ich bin eine absolut und total freie Frau“, versicherte sie.

Den Einmarsch Russlands in die Ukraine hat die 53-Jährige als klare Verletzung internationalen Rechts verurteilt. Zugleich will sie sich für eine Annäherung zwischen der NATO und Russland einsetzen, falls der Ukraine-Krieg beendet ist und ein Friedensvertrag steht. Die Rüstungskooperation mit Deutschland will die rechte Kandidatin aufkündigen, die Macron in der Vergangenheit „Blindheit gegenüber Berlin“ vorgeworfen hat.

In der TV-Debatte kritisierte sie zudem Deutschland wegen einer Energiepolitik, die sie als verfehlt bezeichnete, da sie das Land „sehr abhängig von russischem Gas“ gemacht habe. Mit den gegen Russland verhängten Sanktionen stimme sie zwar überein. Doch ein Gasimportstopp komme für sie nicht infrage. Dies sei nicht die richtige Methode: „Wir können nicht Harakiri betreiben in der Hoffnung, damit Russland zu schaden.“

Die in den vergangenen Jahren auf eine weniger radikale Linie umgeschwenkte rechte Immigrationsgegnerin betonte zudem, sie sei nicht gegen den Islam, der seinen Platz in Frankreich habe. Sie kämpfe allerdings gegen radikalen Islamismus. Zugleich müsse das Problem der „massiven und anarchischen Einwanderung“ gelöst werden. In einem Referendum solle über diese Fage entschieden werden.

Le Pen zeigte sich in der Fernsehdebatte besser vorbereitet als 2017, als sie nach Ansicht vieler Beobachter beim damaligen TV-Duell gegen Macron schlechter abschnitt. Sie erlitt bei der Präsidentenwahl damals eine krachende Niederlage gegen Macron. Anders als seinerzeit zog sie nun nicht mehr mit der Forderung nach einem Ausstieg aus der Eurozone in den Wahlkampf. Die EU soll aber nach ihrer Vorstellung durch ein „Europa der Nationen“ ersetzt werden.

Macron warf seiner rechten Rivalin vor, insgeheim strebe sie weiter einen Austritt aus dem Euro an: „Heute wolle sie zwar weiter heraus, aber sie sagen es nicht mehr.“ Der Pro-Europäer betonte zugleich, er setze auf die deutsch-französische Achse. Le Pen erwiderte, sie sehe Frankreich als Welt- und nicht nur als europäische Macht. Sie habe im Europaparlament auch beobachtet, dass „die Deutschen die Interessen der Deutschen“ verteidigt hätten. Sie wolle die EU zwar verändern, aber nicht aus ihr austreten.

In Befragungen vor der Stichwahl lag Macron in der Wählergunst zuletzt klar vorn, wobei er laut Umfragen für die Stichwahl am Sonntag mit 55,5 bis 56,5 Prozent rechnen kann. Damit zeichnet sich ein weit weniger enges Rennen ab, als es vor der ersten Runde der Präsidentenwahl laut Umfragen zu erwarten war. Die Fernsehdebatte galt als letzte große Chance für Le Pen, die Stimmung zu ihren Gunsten zu drehen.

Beide Kandidaten werben um die Wähler des Linkspopulisten Jean-Luc Mélenchon, der in der ersten Runde mit knapp 22 Prozent auf den dritten Platz gekommen war. Er ruft dazu auf, „keine Stimme für Le Pen“ abzugeben, aber verzichtet darauf, Macron zu unterstützen. Mélenchon hofft auf ein gutes Ergebnis seiner Bewegung La France Insoumise (Unbeugsames Frankreich) bei der Parlamentswahl im Juni und hat sich bereits als Premierminister ins Gespräch gebracht.

Für die letzten beiden Tage des Wahlkampfs plant Le Pen noch mehrere Besuche im Norden des Landes, wo sie in der ersten Runde gut abgeschnitten hat. Macron wird seinen Wahlkampf im südfranzösischen Nizza beschließen. Am Freitag um Mitternacht beginnt die politische Funkstille, in der weder die Veröffentlichung von Umfragen noch von Interviews erlaubt ist. Die Wahllokale sind am Sonntag von 8.00 bis 19.00 Uhr geöffnet, in Großstädten auch bis 20.00 Uhr. Erste Hochrechnungen werden um 20.00 Uhr veröffentlicht.


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