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Macron kann nach TV-Duell auf Wiederwahl hoffen

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Der französische Staatschef Emmanuel Macron geht nach dem Fernsehduell mit seiner Rivalin Marine Le Pen als klarer Favorit in die Stichwahl um die Präsidentschaft. Auch die fast drei Stunden lange und teil hitzig geführte TV-Debatte mit dem Amtsinhaber konnte die rechte Herausforderin nicht nutzen, um die Stimmung zu drehen. In einer Umfrage des Senders BFM in der Nacht auf Donnerstag fanden 59 Prozent der Zuschauer Macron überzeugender.

Zugleich kam sein Auftritt laut dem Institut Elabe aber bei der Hälfte der Franzosen als arrogant an, während Le Pen volksnäher als Macron wirkte. Laut Demoskopen kann Macron bei der Stichwahl am Sonntag mit seiner Wiederwahl rechnen: Ihm werden bis zu 56 Prozent der Stimmen vorhergesagt. Damit läuft es auf ein weit weniger enges Rennen hinaus als vor der ersten Wahlrunde angenommen.

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In dem TV-Duell warf Macron Le Pen mit Blick auf einen früheren Kredit einer russischen Bank an ihre Partei vor, von Russlands Staatschef Wladimir Putin abhängig zu sein. Sie erwiderte, ihre Unabhängigkeit sei durch den Kredit nicht beeinträchtigt. Zugleich sprach sie sich gegen ein Importverbot für russisches Gas aus, das aus ihrer Sicht wegen verheerender wirtschaftlicher Folgen „Harakiri“ bedeuten würde.

Le Pen präsentierte sich zugleich als Anwältin der Verbraucher, die deren Kaufkraft steigern will. Macron warf der für eine kräftige Mehrwertsteuersenkung auf Energie eintretenden Konkurrentin vor, ihre Vorschläge seien teilweise wirklichkeitsfremd. Dies gelte auch für Lohnsteigerungen, die sie im Falle ihrer Präsidentschaft erreichen wolle.

Le Pen zeigte sich in der Fernsehdebatte besser vorbereitet als 2017, als sie nach Ansicht vieler Beobachter beim damaligen TV-Duell gegen Macron schlechter abschnitt. Sie erlitt bei der Präsidentenwahl damals eine krachende Niederlage gegen Macron - der 66,1 Prozent der Stimmen erhielt. Anders als seinerzeit zog sie nun nicht mehr mit der Forderung nach einem Ausstieg aus der Eurozone in den Wahlkampf. Die EU soll aber nach ihrer Vorstellung durch ein „Europa der Nationen“ ersetzt werden.

Macron warf seiner rechten Rivalin vor, insgeheim strebe sie weiter einen Austritt aus dem Euro an: „Heute wollen sie zwar weiter heraus, aber sie sagen es nicht mehr.“ Der Pro-Europäer betonte zugleich, er setze auf die deutsch-französische Achse. Le Pen erwiderte, sie habe im Europaparlament beobachtet, wie „die Deutschen die Interessen der Deutschen“ verteidigt hätten. Sie wolle die EU zwar verändern, aber nicht aus ihr austreten.

Die Vizepräsidentin des Europaparlaments, Katarina Barley, sagte im Deutschlandfunk, bei einem Sieg Le Pens werde man ein Frankreich erleben, das den gemeinsamen deutsch-französischen Motor „ausgehen“ ließe. Zwar rechne sie damit, dass Amtsinhaber Macron gewinnen werde, erklärte die SPD-Politikerin. Andernfalls aber würden Kräfte gestärkt, die eine Schwächung der EU wollten. Dies sieht auch die Chefin der Berliner Hertie School, Cornelia Woll, so: „Vor den Wahlen in Frankreich hält ganz Europa die Luft an und hofft, am 24. April wieder aufatmen zu können.“


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