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Österreich-Pavillon in Venedig „inmitten einer Dystopie“

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Die Entbehrungen der nunmehr abflauenden Coronapandemie und der seit Wochen flammende Krieg in der Ukraine waren die bestimmenden Themen rund um die Eröffnung des österreichischen Pavillons auf der 59. Kunstbiennale von Venedig. Sowohl die Künstler*innen Jakob Lena Knebl und Ashley Hans Scheirl als auch Kuratorin Karola Kraus thematisierten die dystopischen Umstände der Gegenwart, die frappant an jene der 1970er Jahre erinnerten, die im Pavillon verhandelt werden.

„Wir träumen derzeit nicht von einer besseren Welt“, hielt Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) anlässlich der Pressekonferenz am Donnerstag in Hinblick auf das Biennale-Motto „The Milk of Dreams“ fest. Vielmehr gelte es nun mehr als in den vergangenen Jahren, die Freiheit der Kunst und der Meinungsäußerung in Teilen Europas wieder herzustellen. Umso mehr freue sich Mayer, dass die Ausstellung „Invitation of the Soft Machine and Her Angry Body Parts“ von Knebl und Scheirl „den Horizont der Betrachter erweitert“. Kuratorin Karola Kraus, die gemeinsam mit den Künstler*innen die erstmals durchgeführte Ausschreibung zur Kuratierung des Pavillons gewann, zeigte sich angetan von der im Pavillon geschaffenen Welt, „wo jeder sich ändern und eine neue Richtung einschlagen kann“.

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„Um ehrlich zu sein, es war immer mein Traum, diesen Pavillon zu kuratieren“, so Kraus, die sich freute, die „explosiven Arbeiten“ der beiden Künstler*innen auf der großen Bühne der Biennale zu präsentieren. „Diese offene Bühne lädt die Besucher ein, ihre Welt des Begehrens zu erkunden. Sie zeigen uns die Möglichkeiten neuer Formen von Koexistenz auf.“ Knebl und Scheirl spielten in ihren Arbeiten „humorvoll mit dem menschlichen Körper“. Und so bedankte sich auch Ashley Hans Scheirl für „die Möglichkeit hier zu machen, was immer wir wollen“, wie sie in Richtung der Staatssekretärin meinte. Das Kulturressort hat die Ausstellung mit 535.000 Euro unterstützt.

„Die 1970er Jahre haben immer noch großen Einfluss auf unsere Gegenwart“, so Knebl. Damals seien Themen von Identitätspolitiken über Bürgerrechte bis hin zu Spiritualismus aufgeflammt. „In unserer Recherche haben wir uns auf die Suche nach Utopien und Dystopien dieser Zeit gemacht“, erläuterte sie die Herangehensweise der beiden. „Und dann haben wir uns gefragt, welche dieser Utopien und Dystopien wir hier kreieren wollen.“ Auch Scheirl unterstrich Parallelen zur heutigen Zeit. „Jetzt sind wir mitten in der Dystopie. Und es geht darum, diese ambivalenten Gefühle zuzulassen.“

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Die gespiegelte Architektur des Pavillons nutzen die beiden für zwei zwar für getrennte Präsentationen, verweisen in ihren Arbeiten aber auch immer wieder aufeinander. Scheirl bespielt den linken Hauptraum mit einem begehbaren Proszenium und führt den Besucher durch die flachen, hintereinander in den Raum gesetzten Kulissen immer tiefer in den Kosmos der Künstler*in ein. So findet sich hier etwa ein mit flauschigem Fell überzogener Panzer, der Pillen in den Raum schleudert, an der Decke prangt ein goldener Anus, an den Wänden finden sich großformatige Gemälde, in denen sich beide Künstler*innen wiederfinden. Thematisch orientieren sich die Arbeiten ironische an Voyeurismus, Exhibitionismus und Fetischismus, der bis zu einer eigens geprägten Goldmünze mit Scheirls Konterfei reicht.

Mehrere in 3D-Druck gefertigte quietschbunte Skulpturen begrüßen die Besucher auf der rechten Seite des Pavillons, den Knebl gestaltet hat. Auch hier steht das Begehren im Vordergrund, wenn Mensch und Ding miteinander verschmelzen. Aber auch die erneute Zusammenführung der Sparten Kunst und Design ist der Künstler*in ein Anliegen. In den beiden hinteren Räumen, die ebenfalls gespiegelt sind, präsentieren die beiden idente, aber gespiegelte Tapeten, auf denen 70er-Interieurs von Küchen und Wohnzimmern zu sehen sind. Auf die Frage, wie wichtig es ihnen sei, gemeinsam zu arbeiten, hieß es knapp. „Wir sind sehr froh, nicht ohne einander hier zu sein.“

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