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In Innsbruck wird Tirols Filmgeschichte gefeiert

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Von der Erfindung des Stroboskops bis Bollywood: Über ein Jahrhundert analoge Tiroler Film- und Kinogeschichte wird nun im Innsbrucker Zeughaus unter dem Titel „...uuund Schnitt! Film und Kino in Tirol“ ausgestellt. Anhand von Objekten wie einem Schneidetisch, Filmprojektoren und sogar einer alten Kinokasse erwartet die Besucher ein nostalgischer Streifzug durch das filmische Tirol. Die Ausstellung läuft ab 22. April und ist bis 2. Oktober 2022 zu sehen.

„Das Besondere am Film in Tirol war immer die Kulisse“, erklärte Kuratorin Claudia Sporer-Heis am Donnerstag bei einer Presseführung. Filmschaffende nutzten von Beginn der Geschichte des Films bis zum heutigen Tag - etwa für indische Bollywoodproduktionen - die Landschaft Tirols.

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Anfang der 1920er-Jahre zeigte sich dies in den sogenannten „Bergfilmen“. Paradebeispiel dafür ist der 1931 präsentierte Film „Der weiße Rausch“ von Arnold Fanck, bei dem auch Luis Trenker und Leni Riefenstahl mitwirkten. In der Nachkriegszeit wurde mit Erich Kästners „Das doppelte Lottchen“ (1950) oder „Drei Männer im Schnee“ (1955) ein „visuelles Gesamtpaket“ geschnürt, das Tirol als Urlaubsdestination präsentierte. Doch auch jüngere Beispiele, wie der 2015 erschienene James-Bond-Streifen „Spectre“, bediente sich an Tirols Vorzügen: „Diese Szene hat mich nie überzeugt, aber die Kulisse war beeindruckend“, sagte der Direktor der Tiroler Landesmuseen, Peter Assmann.

Viel Raum wird in der Ausstellung dem Thema Krieg und Propaganda eingeräumt. Man wollte den Aspekt „zwischen privat und öffentlich“ herausarbeiten, erklärte Assmann. Wobei man bei der Öffentlichkeit auch gleich bei der politischen Dimension lande, und zwar bei dem „was man sagt und was man nicht sagt“.

Ein ausgestellter Kurzfilm des Tiroler Regisseurs Daniel Pöhacker beschäftigt sich mit der NS-Zeit. Er wollte das aus der Zeit stammende Filmmaterial „nicht ungefiltert“ abspielen, daher ordnete er die Szenen neu. Mit dem Werk wollte er „zeigen, was ist“ - also „marschierende, schießende Mitläufer“. Die Besucher sollen „sehen, wie sehr Tirol gejubelt hat in der NS-Zeit“, so Pöhacker. Für Assmann wählte Pöhacker auch im Lichte des aktuellen Krieges in der Ukraine den richtigen Zugang, in dem er auch die „Folgen des Krieges“ thematisiere, nämlich dass er „psychisch und physisch zerstört“.

Mit „besonderem Nachdruck“ mischte die Kirche bei der Frage des Zeigbaren und des Nicht-Zeigbaren in Tirol mit, erklärte Sporer-Heis. Die „Katholische Filmgilde“ machte es sich zur Aufgabe, die in den Kinos laufenden Filme zu kritisieren und eine Empfehlungen oder eben keine Empfehlungen abzugeben. Diese Kritiken waren im öffentlichen Raum angeschlagen, Ausschnitte davon sind nun ausgestellt.

Ein Teil der Ausstellung widmet sich dem Kino in Tirol, wobei Sporer-Heis meinte, dass diese Entwicklung „recht ähnlich wie überall“ vonstatten ging. Im Jahr 1960 gab es 50 Kinos im Bundesland, darunter zahlreiche Dorfkinos. Mittlerweile gebe es beispielsweise in Innsbruck nur mehr vier Kinos und in Fulpmes im Stubaital werde das einzige, ihr bekannte Dorfkino betrieben.

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