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Klimts Werke als „immersive Experience“ in der Marx Halle

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Jugendstil-Star Gustav Klimt soll bis September 80.000 Besucher in die Wiener Marx Halle locken. „Klimt - The Immersive Experience“ wurde am Donnerstagabend eröffnet, und Produzent Oliver Forster stellte im Gespräch mit der APA klar: „Wir sind keine Kunstausstellung.“ Es geht um ein Eintauchen in eine Erlebniswelt, nicht um das Bestaunen von originalen Kunstwerken. Von denen gibt es ja bekanntlich gerade bei Klimt in Wiener Museen reichlich.

„Deswegen haben wir - anders als etwa bei unserer ebenfalls tourenden Van Gogh-Schau - auch auf Repliken verzichtet“, sagte Forster. „Wir sehen uns nicht als Konkurrenz zu den etablierten Museen, sondern als Ergänzung. Wir bieten den Einsteigern ein Erlebnis. Wir wollen Türöffner sein.“ Aus diesem Grund gibt es auch zahlreiche Basis-Infos auf klassischen Text-Tafeln, ehe es in den multimedialen Hauptraum geht. Die Texte wurden vom belgischen Partner Exhibition Hub, der die Schau vor rund einem Jahr in Brüssel entwickelte, übernommen und übersetzt. Exhibition Hub ist nach eigenen Angaben der Weltmarktführer im boomenden Bereich der immersiven Ausstellungen und auch Eigentümer des technischen Equipments, das vor wenigen Tagen noch in Bremen im Einsatz war. Alleine 35 Hochleistungs-Projektoren sind im 30 mal 15 Meter großen Hauptraum mit seiner 1000-Quadratmeter-Projektionsfläche im Einsatz. „Müsste man die Beamer mieten, wäre das unbezahlbar“, so Forster.

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Oliver Forster ist CEO von COFO Entertainment, einer Eventmanagement-Firma mit Sitz in Passau. Lange lag das Hauptgeschäft in der Zusammenstellung von Tourneeproduktionen rund um tote Pop- und Rock-Legenden wie Elvis, Falco oder Frank Sinatra. Mit einer Ausstellung über die chinesische Terrakotta-Armee stieg man 2013 in Linz in das Ausstellungsgeschäft ein. Tutanchamun, Da Vinci oder den Plastinaten von Gunther von Hagens wurden in der Folge Wanderausstellungen ebenso gewidmet wie dem Street Art-Künstler Banksy (derzeit in Graz). Als im Corona-Lockdown die Veranstaltungshallen aufgrund der Konzert-Verbote leer standen, habe man sich vor Hallen-Angeboten für Ausstellungen kaum retten können, erzählte Forster, der den Peak bei immersiven Ausstellungen „noch lange nicht erreicht“ sieht. In Barcelona habe Klimt 100.000 Besucher angelockt, bei Van Gogh in Berlin seien es 85.000 gewesen.

„Klimt - The Immersive Experience“ hat nun in Wien in der Marx-Halle nicht nur die prominentere, sondern auch die größere Location als im Winter „Van Gogh Alive“ des australischen Unternehmens Grande Experiences in der METAStadt, einem ehemaligen Fabriksareal in Wien-Donaustadt. Die Kollegen der Konkurrenz haben COFO damit die Chance vermasselt, ihre eigene tourende Van Gogh-Schau in Wien zu zeigen. In Wien bespielt man nun 2.000 Quadratmeter, bietet in den Einführungsräumen auch dem von Google Arts & Culture betriebenen Forum „Klimt vs. Klimt - The Man of Contradictions“ eine Plattform, bietet Infos und geeignete „Photo-Points“, die für jene Verbreitung in den Sozialen Netzwerken sorgen, mit der die notwendige Mundpropaganda solcher Ausstellungen befördert wird. Da kann man sich etwa in das Gemälde „Der Kuss“ integrieren oder in ein Spiegel-Kabinett mit Gold-Ornamenten eintreten. Es gibt ganz analoge Ausmal-Möglichkeiten („Produzieren Sie Ihr eigenes Meisterwerk!“) und am Ende eine zehnminütige „Virtual Reality Experience“, bei der man mittels VR-Brille sieben berühmte Klimt-Werke aus der goldenen Periode als „360°-Erlebnis“ bestaunen kann.

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Zentrum von „Klimt - The Immersive Experience“ ist aber der mit vielen Sitzgelegenheiten bestückte große Hauptraum, in dem in einer 35-minütigen Dauerschleife aus Musik, Projektionen und Videoanimationen rund 200 Werke „erfahrbar“ gemacht werden sollen. „Es ist eine magische Symbiose aus Musik und Kunst! So bleibt dem Besucher kein Detail der berühmten Kunstwerke verborgen“, wirbt man. „Der Betrachter befindet sich inmitten der Gemälde, er wird Teil der Szenerie, versinkt in Licht und Ton, die Kunstwerke interagieren mit ihm.“ Und anders als in Barcelona, Brüssel, Los Angeles und (parallel zu Wien) in Madrid, wo die Schau bisher insgesamt über 300.000 Besucher gehabt haben soll, wäre es anschließend in vielen Fällen nicht weit zum Vergleich mit dem Original.

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