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Sorge in Moldau nach Explosionen in Transnistrien

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Nach mehreren Explosionen in der an die Ukraine grenzenden moldauischen Konfliktregion Transnistrien wächst in der Republik Moldau die Furcht vor einem russischen Angriff auf das kleine Nachbarland. Es soll ein Ministerium angegriffen und Funkmasten in der von pro-russischen Separatisten kontrollierten Region gesprengt worden sein, Moldau berief den Sicherheitsrat ein. Im Anschlag in Transnistrien sehen die Menschen in Moldau eine Provokation Russlands.

Der Flüchtlingskoordinator der Bundesregierung, Michael Takacs, war am Dienstag den zweiten Tag in Moldau und führte am Vormittag Gespräche im Innen- und Arbeitsministerium. Die Spannungen waren auch beim Arbeitsbesuch von Takacs Thema. „Wenn es zu weiteren Eskalationen kommt, werden weitere Flüchtlingswellen nach Moldau einwirken“, sagte der Flüchtlingskoordinator.

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In den Anschlägen in Transnistrien sehen die Menschen in Moldau eine Provokation Russlands. Jener am Montag auf das Ministerium für Staatssicherheit in der transnistrischen Hauptstadt Tiraspol soll amateurhaft durchgeführt worden sein. Das Ministerium soll am orthodoxen Ostermontag von Explosionen erschüttert worden sein. Dabei sollen Waffen verwendet worden sein, die Russland zuzuordnen sind. Außerdem sollen russische Medien bereits eine Stunde vor dem Anschlag darüber berichtet haben. Im Gebäude haben sich aufgrund des Feiertags keine Personen aufgehalten. Auch in Moskau sprachen hochrangige Politiker von Provokationen.

Im Land mehrte sich die Sorge, dass Russland nach dem Einmarsch in der Ukraine auch die Republik Moldau ins Visier nehmen könnte, die an das EU- und NATO-Mitglied Rumänien grenzt. Die Sprengung zweier Radiomasten in der moldauischen Konfliktregion Transnistrien an der Grenze zur Ukraine droht die Lage in der Region weiter zu verschärfen. Moldaus Präsidentin Maia Sandu berief für den Nachmittag ein Treffen des Obersten Sicherheitsrats des Landes ein. Über die gesprengten Antennen wurde von einem Dorf in der Region aus russisches Radio gesendet.

„Die Menschen haben Ängste“, sagte die 30-jährige Moldauerin Anna auf einer Bank im Park rund um die orthodoxe Kirche „Kathedrale der Geburt des Herrn“ im Stadtzentrum von Chisinau. Die junge Frau hat im Ausland studiert und lebt und arbeitet seit mehreren Jahren in Brüssel. Sie selbst sorgt sich um ihre Familie und ihr Heimatland, „nicht um mich selbst“. „Ich hoffe, dass die Situation nicht eskaliert“, sagte sie zur APA. Die moldauischen Streitkräfte verfügen über rund 6.000 aktive Soldaten. „Die Menschen in Moldau tendieren dazu, davonzurennen, die Ukrainer kämpfen“, konstatierte Anna. Transnistrien ist für die junge Frau ein „failed country“. Sie erinnerte daran, dass die abtrünnige Region im Osten von Moldau bereits seit den 90er-Jahren von einem prorussischen Regime regiert und von russischen Truppen gestützt wird.

Moldau steht durch den Krieg in der Ukraine unter besonderem Druck. In Relation zu seinen Einwohnern hat Moldau mehr Geflüchtete aus der Ukraine aufgenommen als jedes andere Land. Zu ihnen gehören die 49-jährige Svitlana, ihre 27-jährige Tochter Elena und ein 15-jähriger Sohn. Elena ist mit Beginn der russischen Invasion nach Moldau geflüchtet, die 27-Jährige hat eine zweijährige Tochter. „Wir fühlen uns auch in Moldau nicht sicher“, erzählten Mutter und Tochter im Stadtzentrum von Chisinau. Die Familie will nach Großbritannien weiterreisen und hat sich schon um Visa beworben.

Die 66-jährige Svetlana betreibt in der Innenstadt von Chisinau einen Kiosk. Auch sie sorgt sich wegen den Spannungen um Transnistrien. Einer ihrer Söhne lebt mit seiner Familie in Russland, hat auch die Staatsbürgerschaft angenommen, der zweite in Moldau. „Ich habe Angst um meine Kinder, ich habe Angst, dass sie einberufen werden“, sagt sie.


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