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Prozess um toten Fernfahrer in Tirol

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Ein 33-jähriger Lkw-Fahrer hat sich am Mittwoch am Landesgericht Innsbruck vor einem Schöffengericht wegen des Verbrechens der Körperverletzung mit tödlichem Ausgang verantworten müssen. Der Weißrusse soll am 22. Juni 2019 im Streit einem anderen Fernfahrer auf einem Parkplatz im Gewerbegebiet Kufstein-Süd einen Stoß versetzt haben, wodurch dieser zu Sturz kam und schließlich an seinen schweren Kopfverletzungen verstarb.

Der Angeklagte bekannte sich nicht schuldig und betonte, das Opfer - ein 55-jähriger Ukrainer - nicht gestoßen zu haben. Ebenso dementierte er, ihn geschlagen zu haben. Gemäß Richterin Helga Moser wies das Opfer frische Verletzungen im Gesicht auf. Niemand habe den ukrainischen Fernfahrerkollegen in seiner Anwesenheit geschlagen, entgegnete der Angeklagte. Vielmehr habe er das spätere Opfer nur dazu aufgefordert, sich schlafen zu legen, denn dieser sei stark alkoholisiert gewesen, gab er zu Protokoll. Daraufhin habe ihn der Ukrainer an einem Schlüsselbund gepackt, den er um den Hals getragen habe. Er habe sich dann aus dem Griff des Ukrainers befreit und seine Hand weggeschlagen. Der Ukrainer sei dann selbstständig zu seinem Lkw gegangen und offenbar gestürzt. Der Angeklagte war aber nicht sicher, diesen Sturz gesehen zu habe. Er habe dann aber bemerkt, dass sein Kontrahent am Boden lag.

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Der Verteidiger betonte die Unschuld seines Mandaten und bezog sich ebenso auf die Tatsache, dass das Opfer zum Tatzeitpunkt stark alkoholisiert war. Er habe „in betrunkenem Zustand das Gleichgewicht verloren“ und sei deshalb gestürzt. Außerdem führte er ins Treffen, dass ein vorliegendes Gutachten kein Verschulden am Tod des Ukrainers durch seinen Mandaten attestiere. Der Angeklagte habe das Opfer weder misshandelt noch einen heftigen Schlag versetzt.

Der Staatsanwalt führte in seinem Eröffnungsplädoyer dagegen aus, dass nach es nach einem verbalen Streit zu einer „Rangelei“ gekommen sei. Ein „finaler Schlag“ habe schließlich dazu geführt, dass der Ukrainer das Gleichgewicht verlor und hart mit dem Hinterkopf auf den Asphalt aufschlug. Dadurch habe er eine „massive Kopfverletzung“ davongetragen an der er schließlich „ein paar Minuten später“ verstarb.

Eine Obduktion des Opfers ergab, dass der Mann an den Folgen einer stumpfen Gewalteinwirkung gegen den Kopf verstarb. Zudem hatte das Opfer demnach lediglich 0,1 Promille im Blut.

Zunächst stand der Verdacht im Raum, dass der ukrainische Fernfahrer mehreren Schlägen ausgesetzt gewesen war. Der tatverdächtige Weißrusse war Ende August 2019 zum ersten Mal mit internationalem Haftbefehl gesucht und schließlich in Lettland festgenommen worden. Zuerst wurde gegen ihn ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts des Mordes eingeleitet. Nun muss er sich des Verbrechens der Körperverletzung mit tödlichem Ausgang verantworten. Im Falle einer Verurteilung drohen dem 33-Jährigen bis zu zehn Jahre Haft.


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