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„Taktik“: Marion Mitterhammer ist stolz auf ihr Großprojekt

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Marion Mitterhammer hat gemeinsam mit ihrem Ehemann Hans-Günther Bücking mit „Taktik“ den ersten Spielfilm realisiert, bei dem die beiden tatsächlich in die volle Verantwortung gegangen sind. Herausgekommen ist ein psychologischer Machtkampf zwischen einem Polizisten und einem Geiselnehmer, der am 6. Mai in den Kinos anläuft.

Aus diesem Anlass sprach die 56-jährige Schauspielerin, die in Bruck an der Mur geboren wurde, mit der APA über die Chance auf unglamouröse Rollen, Schauspieler als Material und ihre Zukunftspläne mit einem Seeräuber.

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APA: Sie zeichnen nun erstmals als Co-Regisseurin, Co-Drehbuchautorin, Co-Produzentin und Co-Darstellerin mit „Taktik“ voll und ganz für ein Projekt verantwortlich. Wie geht es Ihnen mit Ihrem Baby?

Marion Mitterhammer: Mich macht das schon stolz, dass der Film jetzt nach zehn Jahren fertig geworden ist! Aber ich habe ja gewusst, mit wem ich das Unternehmen angehe: Mit meinem Mann. Der ist so lange im Geschäft und ein so leidenschaftlicher Mensch, da habe ich gewusst, dass nichts schief gehen kann.

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APA: Und dennoch hat die Realisierung des Projekts zehn Jahre gedauert?

Mitterhammer: Damals hatten wir die erste Begegnung mit Eduard Hamedl, dem Verhandler bei dem Fall, der für uns die Inspiration war. Ich fand die Idee toll, dass man seine Gesprächsprotokolle als Gerüst, als Rückgrat für einen Film nimmt. Rund um das Gespräch haben wir dann die anderen Figuren lebendig gemacht. Und zugleich habe ich als Produzentin jetzt den mühsamen Weg hinter mir, Förderanstalten anzuschreiben, das Projekt vorzustellen. Ich wusste gar nicht, wie viel Arbeit das ist! Eigentlich sollte das jede Schauspielerin einmal machen, um zu sehen, wie viel vorher notwendig ist, damit ein Film entsteht.

APA: Ist diese Doppelrolle der Schauspielerin und Regisseurin am Set selbst nicht eine Belastung?

Mitterhammer: Ich bin nicht die Schauspielerin, der es gefällt, selbst zu spielen und dabei auch immer noch andere zu beobachten. Ich kenne meine Kollegen schon alle so lange, dass ich gar nicht weiß, ob das funktioniert hätte. Deshalb war klar, dass ich mich am Set selbst zurückhalte, aber in der Pre- und Postproduction war ich voll involviert. Letztendlich hat mein Mann keine Entscheidungen ohne mich getroffen und meint, ich hätte immer das letzte Wort gehabt. Ich will es mal hoffen!

APA: Viele Paare sind ja nur noch deshalb zusammen, weil sie sich während der Arbeitszeit nicht sehen müssen. Bei Ihnen funktioniert das offenbar anders...

Mitterhammer: Es ist am Set nicht so, dass Hans durch die Kamera schaut und seine Frau sieht. Da ist man als Schauspielerin - entschuldigen Sie den Ausdruck - Material. Das klingt schrecklich, man ist aber nicht mehr Mann und Frau, sondern Kameramann und Schauspielerin.

APA: Dass Ihr Mann Sie beim Blick durch die Kamera nicht erkannt hat, ist auch kein Wunder, ist Ihre Rolle doch untypisch für Ihr Image gänzlich unglamourös ...

Mitterhammer: Das bin ich mir schuldig. Ich bin ja jetzt schon ewig dabei, und ich liebe nach wie vor die Verwandlung. Insofern musste ich die Gelegenheit ausnutzen! Ich will schon wirklich als ernsthafte Schauspielerin, die sich nichts scheißt, wahrgenommen werden.

APA: Sind Sie völlig uneitel vor der Kamera?

Mitterhammer: Ich habe ja nichts ausgelassen. Aber jetzt schaue ich schon, dass meine Rollen sich decken mit dem, was man auch selbst erlebt hat. Das heißt nicht, dass ich nie wieder einen Film unter Palmen mache. Aber es muss sich die Waage halten.

APA: Der Zweite, der in „Taktik“ gegen den Typ besetzt wurde, ist Harald Krassnitzer. Sie haben den ultimativen Mr Nice Guy als Bösewicht gecastet. Warum?

Mitterhammer: Ich kenne Harald als Kollegen natürlich ewig, aber auch mein Mann hat immer wieder das Gefühl gehabt, dass es da noch etwas anderes gäbe, und dass es schön wäre, das auch vor der Kamera zu sehen. Harald hat auch etwas Gebrochenes, und ich finde sehr schön, dass er das jetzt bei uns zeigen konnte.

APA: Bei aller Diabolik hat „Taktik“ auch immer wieder humorvolle Momente. War das Ihre dezidierte Absicht?

Mitterhammer: Wir haben die Gedächtnisprotokolle gelesen und selbst immer wieder gedacht, dass einzelne Passagen wirklich komisch sind. Aber unsere Aufgabe war, das Ganze ernst zu nehmen. Das Lachen ist dabei ein Ventil in einer atemlosen Situation. Denn so schlimm alles ist, ist es manchmal komisch. Wir wollen auch unterhalten. Langweilen, dass möchten wir auf keinen Fall!

APA: Haben Sie denn nun Lunte gerochen als allumfassend verantwortliche Filmemacherin oder soll „Taktik“ ein einmaliger Ausflug bleiben?

Mitterhammer: Ich möchte gerne mit meinem Mann noch ein Projekt angehen, einen Kinderfilm über den Seeräuber „Buckelbert Hansen“ nach den Büchern von Leuw von Katzenstein. Da würden wir wieder Harald Krassnitzer mit an Bord haben. Das basiert dann auch auf der persönlichen Geschichte meines Mannes, der aussieht wie ein Seeräuber und auch alle Eigenschaften dieses Buckelbert Hansens hat. (lacht) Und bei diesem Seeräuber-Film wäre ich wirklich gerne durchgängig am Set mit meinem Mann, aber ohne eine Filmrolle. Und ich wüsste schon genau, wie ich all meine Kollegen, die ich so liebe, inszenieren würde. Das möchte ich auch einmal machen.

(Das Gespräch führte Martin Fichter-Wöß/APA)


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