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Kiew holt 100 Zivilisten aus Stahlwerk in Mariupol

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Nach wochenlangem Tauziehen hat am Wochenende die Rettung von Zivilisten aus dem russisch belagerten Asow-Stahlwerk in Mariupol begonnen. Rund 100 Zivilisten seien evakuiert worden und auf dem Weg ins ukrainisch kontrollierte Saporischschja, teilte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Sonntag mit. Sie würden am Montag dort erwartet. Zuvor hatten die Vereinten Nationen vom Beginn der Evakuierungsaktion berichtet.

„Jetzt arbeiten wir zusammen mit den Vereinten Nationen an der Evakuierung von weiteren Zivilisten aus der Anlage“, schrieb Selenskyj auf Twitter. Vom Mariupoler Stadtrat hieß es, die Evakuierungen sollen am Montag um 8 Uhr (7 Uhr MEZ) fortgesetzt werden. Das ukrainische Außenministerium begrüßte die Evakuierung und bedankte sich bei UNO-Generalsekretär António Guterres und dem Präsidenten des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, Peter Maurer. „Hunderte Zivilisten, darunter Dutzende Kinder, warten noch auf die Evakuierung“, betonte das Ministerium nach Angaben der staatlichen Agentur Ukrinform. Außerdem befänden sich Hunderte verletzte Soldaten im Asowstal-Komplex. „Wir verlangen die sofortige Evakuierung von verletzten ukrainischen Soldaten im Einklang mit dem internationalen Völkerrecht“, betonte das Ministerium.

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Das russische Verteidigungsministerium bezifferte die Zahl der am Sonntag evakuierten Personen mit 80. Die Personen seien ins russisch kontrollierte Dorf Besimenne gebracht worden, wo sie versorgt würden. Diejenigen, die ins ukrainisch kontrollierte Gebiet wollten, seien Vertretern von UNO und Rotem Kreuz übergeben worden. Ukrainischen Angaben zufolge sollen in den Bunkeranlagen des Werks noch etwa 1000 Zivilisten eingeschlossen sein. Russland spricht von etwa 2500 Menschen, insbesondere Militärs und „ausländischen Söldnern“.

Wie UNO-Sprecher Jens Laerke sagte, erfolgt die Evakuierung in Koordination mit dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) und den Konfliktparteien Russland und Ukraine. Ein Konvoi zur Rettung der Zivilisten sei am Freitag gestartet und hatte am Samstag in der Früh Mariupol erreicht. Russischen Nachrichtenagenturen zufolge wurden am Sonntag 40 Zivilisten vom Gelände des Asow-Stahlwerks geholt und in von Russland kontrollierte Gebiete gebracht.

Bereits am Samstag waren nach russischen Angaben rund 50 Zivilisten über Fluchtkorridore aus dem Asow-Stahlwerk geholt worden. Das ukrainische Asow-Regiment sprach von rund 20 Zivilisten, die am Samstag evakuiert worden seien. Die Fabrikanlage ist die letzte Bastion des ukrainischen Widerstands in der durch russische Angriffe weitgehend zerstörten Hafenstadt Mariupol. Das Asow-Regiment berichtete von heftigem nächtlichen Artilleriefeuer auf die Anlagen.

Bei einem ukrainischen Angriff auf das Quartier des russischen Armeestabs in der Stadt Isjum wurden indes nach Angaben aus Kiew mehrere Menschen getötet. Darunter seien ranghohe Offiziere, berichtete ein Berater des ukrainischen Innenministers, Anton Heraschtschenko, am Sonntag im Nachrichtenkanal Telegram. Die 50.000-Einwohner-Stadt Isjum liegt im Osten der Ukraine.

Nach ukrainischen Angaben hält sich dort auch der russische Generalstabschef Waleri Gerassimow auf, um die Offensive im Donbass zu befehligen. Der Angriff soll bereits am Samstag erfolgt sein. Aus Russland gab es dafür keine Bestätigung - auch nicht für den Aufenthalt Gerassimows in der Gegend.

Im Westen Russlands geriet unweit der Grenze zur Ukraine eine militärische Einrichtung in Brand. Das Feuer sei im Gebiet Belgorod „auf dem Gebiet eines Objekts des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation“ ausgebrochen, schrieb Gouverneur Wjatscheslaw Gladkow am Sonntag im Nachrichtendienst Telegram. Ein Anrainer sei verletzt worden. Später sagte Gladkow, sieben Gebäude seien beschädigt worden. Um was für eine Art Militärobjekt es sich genau handeln soll, sagte Gladkow nicht. Auch die Brandursache war zunächst unklar. Zudem stürzte im westrussischen Kursk eine Eisenbahnbrücke teilweise ein. Gouverneur Roman Starowoit sprach am Sonntag in einer Videobotschaft von einem Akt der Sabotage. Ein Ermittlungsverfahren sei eingeleitet worden. Den Angaben zufolge wurde niemand verletzt.

In der ukrainischen Hauptstadt Kiew empfing am Samstag Präsident Selenskyj die US-Politikerin Pelosi. Sie wolle den Ukrainern „für ihren Kampf für die Freiheit“ danken, sagte Pelosi in einem von der ukrainischen Präsidentschaft veröffentlichten Video. „Wir versprechen, für Sie da zu sein, bis der Kampf beendet ist.“ Pelosi betonte, „dass weitere US-Hilfe auf dem Weg“ sei. Präsident Joe Biden hatte beim Kongress zusätzliche Unterstützung von 33 Milliarden Dollar (rund 31 Milliarden Euro) für die Ukraine beantragt.

Während US-Außenminister Antony Blinken seinem ukrainischen Kollegen Dmytro Kuleba die baldige Rückkehr von US-Diplomaten nach Kiew ankündigte, begannen die USA mit der Ausbildung ukrainischer Soldaten in Deutschland und anderen Ländern. Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums geht es dabei um den Umgang mit Haubitzen und anderen Waffensystemen.

Russland setzte unterdessen insbesondere in der Ostukraine seine Angriffe mit unverminderter Härte fort. „Es gibt keine klare Frontlinie entlang einer Achse“, sagte die ukrainische Militärsprecherin Iryna Rybakowa. „Es ist ein Dorf für sie, ein Dorf für uns.“ Im Moment seien die Ukrainer nicht in der Lage, die Russen zurückzudrängen. Selenskyj warnte, Russland habe in der nördlich des Donbass gelegenen Region Charkiw Verstärkungstruppen zusammengezogen. Die Großstadt Charkiw in Grenznähe zu Russland konnten die Angreifer bisher nicht einnehmen.

In der Südukraine traf eine russische Rakete den Flughafen von Odessa. Die Landebahn sei dabei zerstört worden, Opfer gebe es nicht, erklärte Gouverneur Maxym Martschenko. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, russische Hochpräzisionsraketen hätten neben der Landebahn einen Hangar „mit Waffen und Munition der USA und der europäischen Ländern“ zerstört.

Die EU-Kommission will den Druck auf Russland mit weiteren Strafmaßnahmen erhöhen. Nach Angaben von Diplomaten wird derzeit ein weiteres Sanktionspaket vorbereitet, das auch Einfuhrverbote für russisches Öl beinhaltet. Es soll am Mittwoch vorgestellt werden. Ungarn bekräftigte jedoch am Sonntag sein Nein.


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