Megxit nach Kanada: Trudeau sieht viel Klärungsbedarf wegen Kosten

Prinz Harry, Meghan und Archie zieht es nach Kanada. Doch wer bezahlt die Kosten für die Schutzmaßnahmen für die royale Familie?

Nach ihrem Weihnachtsurlaub auf Vancouver Island bedankten sich Harry und Meghan in der kanadischen Botschaft in London für die Gastfreundschaft. Es war der bislang letzte offizielle Auftritt des Paares.
© DANIEL LEAL-OLIVAS

London, Montreal – Nach der Entscheidung des britischen Prinzen Harry und seiner Frau Meghan, künftig einen Teil ihrer Zeit in Kanada zu verbringen, denkt die kanadische Regierung noch darüber nach, ob sie den Schutz des prominenten Paares übernimmt. „Ich denke, das ist Teil der Überlegungen, die nötig sind, und dazu laufen Gespräche", sagte Premierminister Justin Trudeau dem kanadischen Fernsehsender Global.

Noch ist demnach völlig offen, ob Kanada die Kosten für die Schutzmaßnahmen für Harry und Meghan übernimmt. „Wir sind nicht völlig sicher, wie die endgültige Entscheidung aussehen wird", sagte Trudeau. Es seien noch „viele Gespräche nötig". Grundsätzlich unterstützten die Kanadier es aber sehr, dass das Paar teils in ihrem Land leben wolle.

Zuvor hatte der kanadische Finanzminister Boll Morneau britische Presseberichte zurückgewiesen, wonach Trudeau der britischen Königin Elizabeth II. zugesagt habe, dass Kanada die Sicherheitskosten für Harry und Meghan übernehmen könne. "Wir haben keine Zeit damit verbracht, über dieses Thema nachzudenken", sagte Morneau. Als Mitglied des von der Queen angeführten Commonwealth wolle Kanada allerdings „eine Rolle spielen". Als Commonwealth-Mitglied hat auch Kanada die Queen als Staatsoberhaupt.

Kanadischen Medien zufolge dürfte der Schutz von Harry, Meghan und ihres Sohns Archie jährlich rund 1,7 Millionen kanadische Dollar (eine Million Euro) kosten. Den britischen Medienberichten zufolge will sich Kanada mit umgerechnet 584.000 Euro pro Jahr daran beteiligen. Bei den bisherigen Besuchen von Mitgliedern des britischen Königshauses haben sich traditionell immer auch die kanadischen Steuerzahler an den Kosten der Sicherheitsmaßnahmen beteiligt.

Harry und Meghan hatten am vergangenen Mittwoch überraschend verkündet, dass sie sich weitgehend von ihren royalen Verpflichtungen zurückziehen und unabhängiger leben zu wollen. Am Montag fand dazu ein Krisengipfel der britischen Königsfamilie auf dem Landsitz Sandringham statt. Die Queen erklärte anschließend, sie unterstütze „voll und ganz" den Wunsch des Paares, „ein neues Leben als junge Familie aufzubauen". Sie verwies aber auf die Klärung "komplexer" Fragen in den kommenden Tagen.

Bei der Zusammenkunft der Royals wurde Harry und Meghan vorerst eine „Übergangsperiode" von der Queen gewährt, in der sie in Großbritannien und Kanada leben dürfen. Vor ihrer Ehe mit Harry hatte Meghan als US-Schauspielerin eine Weile in Kanada gelebt.

Viel Kritik von britischen Medien

Nach einem Krisengipfel zum Abschied von Prinz Harry und Meghan aus der ersten Reihe der Royals reißt die Kritik an dem prominenten Paar nicht ab. Mehrere Zeitungen werteten am Dienstag das Ergebnis des Treffens vom Vortag als Erfolg rücksichtsloser Forderungen von Harry und Meghan an Königin Elizabeth II.

„Sie haben ihr bildlich gesprochen die Pistole an den Kopf gehalten, und sie hat nachgegeben", hieß es im Daily Express. „Das bedeutet nur eins – Harry und Meghan haben gewonnen", schrieb der Royals-Experte und Kommentator des Daily Express, Philip Dampier, weiter.

Das Boulevardblatt Sun kommentierte: „Die Kapitulation unserer Königin gegenüber den launischen, selbstsüchtigen Forderungen von Harry und Meghan könnte sich als größter Fehler ihrer Regentschaft erweisen."

In die selbe Kerbe schlug der Daily Mirror: Die 93-jährige Queen habe „Selbstlosigkeit" bewiesen, während ihr Enkel und dessen Frau die Monarchin „respektlos" behandelt hätten. „

„Der widerstrebende Abschied der Queen", kommentierte der Daily Telegraph Elizabeths Zustimmung zu einer neuen, unabhängigeren Rolle von Harry und Meghan. In britischen Medien wurde am Mittwoch aber auch diskutiert, ob rassistische Töne gegen Meghan, die afroamerikanische Wurzeln hat, den Rückzug des Paares bewirkten. (APA/AFP)


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