Urlaube mit Verbandsgeld finanziert: Haft für Ex-Geschäftsführerin der Krippenfreunde

Wegen Veruntreuung (451.000 €) muss
die Krippenfreunde-Geschäftsführerin zwei Jahre in Haft. Als Motiv nannte die dreifache Mutter Depressionen.

Anwalt Martin Wöll mit seiner Mandantin.
© Foto TT/Rudy De Moor

Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Ein Untreue­skandal im eigenen Haus erschütterte den Verband der Krippenfreunde Österreichs bis zu den Pappmaché-Grundmauern – und führte sogar zur Verbandsabspaltung der Tiroler Krippenfreunde.

2014 hatte das Übel mit der Neueinstellung einer heute 44-jährigen Tirolerin als Geschäftsführerin begonnen.

Ungünstige familiäre und vereinsinterne Konstellationen hatten die unbescholtene dreifache Mutter zur Täterin werden lassen. Ein gesundheitlich angeschlagener und deshalb oftmals arbeitsloser Ehemann sorgte gepaart mit einem Schuldenberg aus einem aus dem Ruder gelaufenen Hausbau für die private Schieflage. Im Verband war wiederum der langjährige Buchhalter und Kassier ausgeschieden. Mit der neuen Kassiererin war die Neo-Chefin dann gleich übereingekommen, dass jene sich künftig um die Mitglieder-Agenden kümmern sollte.

Eine Vereinbarung zwischen den beiden Frauen, von der die Verbandsführung nichts wusste, wie auch Ex-Präsidentin LR Beate Palfrader gestern am Landesgericht als Zeugin beim Prozess um Untreue und Urkundenfälschung bestätigte. Auch sonst war kein Verdacht geschöpft worden.

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Wie denn auch, hatte die Angeklagte doch die vorab für den Verband tätige Steuer­beratungskanzlei gekündigt und fortan die Eingaben-

Ausgabenrechnung selbst fabriziert. Ausgesehen hatte für die Prüfer alles weiter wie von der Kanzlei – sogar das fiktiv­e Steuerberaterhonorar hatte die Geschäftsführerin dem Verband in Rechnung gestellt. Erst mit Kündigung der – eigentlichen – Kassierin war 2019 alles aufgeflogen. Nach Rückzahlung von knapp 45.000 Euro blieben bis gestern 451.000 Euro Schaden.

Verteidiger Martin Wöll begründete das Verhalten seiner Mandantin mit einer attestierten Belastungsdepression. Die Sorge um Kinder, Mann und Finanzen habe sie auf die schiefe Bahn gebracht. Die Angeklagte: „Ich hatte zum Schluss drei Jobs um meine Kinder herum angenommen. Ich wollte einfach für sie da sein.“ Eine Notsituation nahm Richterin Heide Maria Paul trotzdem nicht an. So finanzierte die Frau mit Verbandsgeld zum Ausgleich Urlaube in den USA, in Dubai und auf Rhodos. Dazu wurden Luxusgüter angeschafft.

Auf zwei Jahre Gefängnis lautete da schon aus generalpräventiven Gründen das nicht rechtskräftige Urteil – bis zu zehn Jahre drohten.


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