Shows sollen Kunden in den USA in die Einkaufszentren locken

Der Konkurrenzkampf mit dem Online-Handel ist in den USA hart: Deshalb lassen sich immer mehr Anbieter Ungewöhnliches einfallen, um Kunden anzulocken.

Riesige Einkaufstempel sind in den USA längst an der der Tagesordnung: Damit die Kunden aber auch in Strömen kommen, müssen immer neuere Attraktionen in den Gebäuden untergebracht werden.
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New York – Im Konkurrenzkampf mit den Online-Händlern lässt sich der stationäre Handel in den USA einiges einfallen, um Kunden in die Läden zu locken. So wurde im US-Bundesstaat New Jersey für fünf Milliarden Dollar (4,50 Mrd. Euro) eine neue Mega-Mall gebaut – inklusive Nordamerikas erster Indoor-Skihalle.

Das etwa 30 Kilometer von Manhattan entfernt gelegene Einkaufszentrum "American Dream" will mit einer Mischung aus Las-Vegas-Attraktionen, Luxus-Shops und Restaurants vor allem junge Menschen der Generation Instagram ansprechen.

Achterbahnen und Spaßbad

Die Kunden können im "Nickelodeon Universe"-Vergnügungspark Achterbahn fahren und auf einer Eisbahn Schlittschuh laufen. Zudem sind ein riesiges Spaßbad und ein "Secret Garden" mit Moos, lebenden Kaninchen und einem Koikarpfen-Teich geplant. Auch eine eigens für Promi-Auftritte abgetrennte Fläche ist vorgesehen. Am Ende soll die bereits teilweise eröffnete Mega-Mall zu 55 Prozent Unterhaltung und zu 45 Prozent Shopping-Möglichkeiten anbieten – mit einem Schwerpunkt auf Luxus-Mode.

Einzelhändler, die einen Laden eröffnen wollen, müssten sich vertraglich verpflichten, etwas "extrem Ungewöhnliches oder Erlebnisorientiertes" anzubieten, sagt eine Sprecherin von "American Dream". Die Verantwortlichen rechnen mit 40 bis 50 Millionen Besuchern jährlich, darunter auch viele Touristen aus dem Ausland.

Projekte auch in Saudi-Arabien und Miami geplant

Das Projekt wurde bereits 2004 unter dem Namen "Xanadu" gestartet – lange vor der Finanzkrise und dem Erstarken des Onlinehandels, der viele Einzelhändler und ältere Einkaufszentren die Existenz kostete. Zwischenzeitlich wurden die Bauarbeiten wegen finanzieller Probleme eingestellt. 2011 holte der damalige Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, das Unternehmen Triple Five ins Boot.

Die Firma mit Sitz in Kanada änderte das Konzept des Einkaufszentrums grundlegend, um auf die sich wandelnden Bedürfnisse der Verbraucher zu reagieren. Das Unternehmen habe im ersten Jahr "alles herausgerissen und im Grunde komplett neu angefangen", sagt die Sprecherin von "American Dream". In Saudi-Arabien und Miami sind ähnliche Projekte geplant.

Nach zahlreichen Verzögerungen und mehr als zehn Jahre andauernden Bauarbeiten öffnete das Einkaufszentrum im vergangenen Oktober erstmals zumindest teilweise seine Tore. Die meisten Läden sollen im Frühjahr eröffnen, mehrere Hotels sollen folgen. "Es wird immer noch größer und besser und verrückter", sagt Don Ghermezian von Triple Five.

Umweltschützer sind mehr als kritisch

Allerdings könnte der weiß leuchtende Komplex nahe der Autobahn Anhänger des nachhaltigen Einkaufens abschrecken. "American Dream" werde enorm viel Energie verbrauchen, sagt Jeff Tittel von der Naturschutzorganisation "Sierra Club". Zudem werde sich die Luftverschmutzung wegen des zusätzlichen Verkehrsaufkommens verschlimmern.

Analyst Neil Saunders von GlobalData Retail hält die neuartigen Angebote von "American Dream" zwar für vielversprechend. Der Standort sei jedoch wegen anderer Einkaufszentren in der Umgebung und der häufigen Staus auf den Zubringerstraßen nicht ideal. "Die simple Wahrheit ist, dass es in dieser Gegend bereits mehr als genug Einzelhandelsgeschäfte gibt. Man braucht kein neues Einkaufszentrum, auch wenn es schick und glänzend ist und viele interessante Dinge bietet", sagt Saunders. (APA/AFP)


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