Bank in Innsbruck überfallen: Acht Jahre Haft für Italiener

Im vergangenen Sommer überfiel ein maskierter Mann die Raika-Filiale am Innsbrucker Marktplatz. Der Italiener wurde wenig später in seiner Heimat verhaftet, am Montag musste er sich vor Gericht verantworten.

Der Italiener muss sich vor dem Innsbrucker Schöffensenat verantworten.
© Reinhard Fellner

Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Als „Gianni“ am Montag am Landesgericht den Verhandlungssaal betrat, konnte man fast meinen, es handle sich bei dem 31-Jährigen mit der goldenen Brille um eines seiner Opfer. Ende Juli hatte der Süditaliener die Raika-Filiale am Innsbrucker Marktplatz überfallen. Von der Leutasch aus hatte er sich dazu mit einer Sturmhaube und einem Teppichmesser bewaffnet zum Banküberfall aufgemacht. Die Raika-Filiale traf es, da dem Italiener die Fluchtwege als ideal erschienen waren. Obwohl Gianni im Jahr 2010 mit einem Banküberfall gescheitert war und damals acht Jahre Haft kassiert hatte, versuchte er es in Innsbruck nun noch einmal.

Erst lief es noch gut für den Bankräuber. Zwei nervenstarke Bankmitarbeiter verhielten sich ruhig und händigten 149.102 Euro Beute aus, anstatt ihr Leben zu riskieren. Dies wollte auch ein bekannter Innsbrucker Unternehmer nicht, der während des Überfalls wie angewurzelt und still im Bankfoyer stand.

Mit dem Taxi nach Seefeld, mit dem Bus nach Italien

Handschuhe trug der 31-Jährige jedoch keine. Auf der Flucht entsorgte er dazu noch seine Schildkappe schlampig. Und so stellte die Polizei auf dem Fundstück die DNA des erkennungsdienstlich Behandelten sicher.

Trotz ungewöhnlichen Fluchtplans brauchten die Kollegen in Bari dann eigentlich nur noch auf den bereits neunfach Vorbestraften zu warten. Dieser fuhr erst mit dem Taxi zurück nach Seefeld. Dort gab er dem misstrauischen Lenker dann ein geradezu unvergessliches Trinkgeld. Weiter ging es per Fernbus nach Bologna. Von dort aus bewegte sich Gianni in etlichen Taxis nach Bari. An die 5000 Euro will der Räuber so allein für seine Heimfahrt ausgegeben haben. Zu Hause beglich er dann erst einmal 80.000 Euro an Drogenschulden. Diese und die damit zusammenhängende Angst um die Familie sollen übrigens Grund für den Banküberfall in Innsbruck gewesen sein.

Als die Polizei den 31-Jährigen schließlich nach einer Woche verhaftete, konnten noch 10.000 Euro sichergestellt werden.

Wegen Rückfalls drohten am Montag 20 Jahre Gefängnis. Da nahm Gianni erneute acht Jahre gefasst an. Den tapferen Bankbeamten wurden je 500 Euro Schmerzensgeld zugesprochen.


Schlagworte