Klammer: Für den Sieg auf der Streif braucht es „Mut und Brutalität"

Insgesamt vier Mal stand Franz Klammer in Kitzbühel bei der Abfahrt auf dem obersten Podest – zuletzt vor 35 Jahren. Die rot-weiß-rote Ski-Legende erklärt den Mythos Streif.

1975, 1976, 1977 und 1984 führte an Franz Klammer in Kitzbühel kein Weg vorbei.
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Kitzbühel – Franz Klammer hat die Geschichte der Hahnenkamm-Rennen maßgeblich mitgeprägt – und die Streif hat seiner Karriere wichtige Konturen gegeben. In Kitzbühel feierte der Kärntner 1975 einen seiner ersten großen Siege, neun Jahre später stand er hier zum letzten Mal ganz oben. Um auf seiner Lieblingstrecke schnell zu sein, braucht es laut dem Vierfach-Sieger vor allem „Brutalität“, aber eben nicht nur.

1975, 1976, 1977 und 1984 setzte sich Klammer im Mekka des Skisports durch. Die emotionalsten Siege kann er heute sofort benennen. „Der erste und der letzte“, sagte Klammer. Nachdem der damals 21-Jährige die ersten vier Abfahrten der Saison 1974/75 gewonnen hatte, kam er als großer Favorit zum Rennen nach Tirol. Mit dem fünften Sieg en suite würde er einen acht Jahre alten Rekord von Jean-Claude Killy egalisieren. Und Klammer hielt dem Druck vor Heimpublikum stand. In 2:03,22 Minuten stellte er zudem einen neuen Streckenrekord auf.

Streif-Triumph mit Bluterguss und Schmerzen

Dabei waren die Vorzeichen nicht günstig. Schließlich war der Shootingstar am Vortag im Training gestürzt, hatte einen Bluterguss am Unterschenkel und fuhr unter teils heftigen Schmerzen. „Ich musste durchhalten“, berichtete Klammer, der schmerzstillende Mittel verweigerte. Als Erster gestartet, musste er im Ziel dann lange auf die Erlösung warten. Der Südtiroler Gustav Thöni kam noch bis auf eine Hundertstelsekunde heran.

Doch auch sein letzter Weltcup-Sieg 1984 hat sich unauslöschlich ins Gedächtnis gebrannt. „Am Start habe ich gewusst, ich werde das gewinnen. Das habe ich ohne Zögern durchgezogen“, erzählte Klammer. Mit Sprechchören wurde der Nationalheld im Zielraum gefeiert. Er hatte nun genau so oft in der Kitz-Abfahrt triumphiert wie Karl Schranz. „Die Leute sind aus dem Häusl gewesen, ich selber war im siebenten Himmel.“ Etwas mehr als ein Jahr später beendete er im Alter von nur 31 Jahren seine Karriere.

Auch heute noch ist Franz Klammer (r.) ein gern gesehener Gast bei den Hahnenkammrennen.
© GEPA pictures/ Christian Walgram

Die Zutaten für den Erfolg auf dem Kitzbüheler Hausberg sind divers. „Mut, Brutalität“, fiel Klammer zunächst ein. Man müsse wissen, „dass man den Ski hinknallen muss. Dann muss man aber auch gleiten können und Geduld haben. Es gibt unscheinbare Kurven, die muss man erwischen.“

Klammer hat Paris auf der Sieg-Rechnung ganz oben

Eine dieser eher unspektakulären Schlüsselstellen war für ihn immer die Lärchenschuss-Einfahrt. „Diese Rechtskurve, die war bei uns extrem schlagig. Da sind wir mit richtigem Zunder dahergekommen, es war extrem schwierig zum Ansetzen“, erklärte Klammer. Unterm Strich habe sich bis heute eines nicht geändert: „In der Mitte musst du dabei sein, oben und unten gewinnst du es. Besser ist es aber natürlich, wenn du in der Mitte auch der Schnellste bist, dann hast du unten ein bisserl ‚Spazi‘.“

Dass Didier Cuche ihm 2012 seinen Rekord abjagte und als erster fünf Kitzbühel-Abfahrten gewann, wobei dem Schweizer ein Sieg in einer Sprintabfahrt glückte, schmerzte Klammer nicht. Mit Dominik Paris, der schon dreimal die Goldene Gams mit nach Südtirol genommen hat, könnte sowieso bald ein anderer in der Streif-Rekordliste ganz oben stehen. „Paris hat absolut das Zeug dazu. Kitzbühel wird immer extrem eisig hergerichtet, das ist dann sein Terrain.“


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