Akademikerball: Gudenus und Sellner feierten mit FPÖ, Demos blieben friedlich

Etwa 1200 Demonstranten zogen durch Wien, als am Freitagabend der freiheitliche Akademikerball eröffnet wurde. Während Strache der Hofburg fern blieb, trat sein Ibiza-Kumpane Gudenus nach langer Zeit wieder einmal öffentlich auf. Auch Identitären-Chef Sellner ließ sich einen Auftritt nicht nehmen.

FPÖ-Bundesparteichef und Dritter Nationalratspräsident Norbert Hofer während seiner Rede mit Ball-Organisator Udo Guggenbichler.
© MIKE RANZ

Wien – Der FPÖ-Akademikerball in der Wiener Hofburg am Freitag war auch heuer wieder von Protesten begleitet. Rund um den Heldenplatz gab es erneut Platzsperren, gröbere Zwischenfälle blieben laut Polizei aus. Am Ball selbst trat nach dem Ibiza-bedingten Rücktritt von Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache diesmal dessen Nachfolger Norbert Hofer ans Rednerpult – und hob die Bedeutung der Korporationen hervor.

📽 Video | Friedliche Demo gegen Akademikerball

Der Ball, der von Kritikern als internationales Vernetzungstreffen Rechtsextremer gesehen wird, brachte heuer etwas weniger Demonstranten auf die Straße als im Vorjahr. Laut Polizei versammelten sich bei der Schlusskundgebung vor der Oper rund 1200 Personen. Die Demo-Organisatoren der „Offensive gegen Rechts“ schätzten die Teilnehmerzahl letztlich auf 2200. Gegen 20 Uhr lichteten sich die Reihen.

Demonstranten zogen durch die Innenstadt

Die Teilnehmer starteten gegen 18 Uhr, ausgestattet mit Trommeln und einem „No Pasaran“-Transparent („Kein Durchkommen“, Anm.) sowie einem Lkw an der Spitze, von der Wiener Universität zu ihrem Marsch durch die Innenstadt. Dabei ertönten die obligaten Parolen wie „Alerta, Alerta, Antifascista“. Am Karlsplatz wurden Parolen wie „Rassistisch, sexistisch, ekelhaft – das ist die deutsche Burschenschaft!“ von der Menge skandiert oder Plakate mit Slogans wie „Nazis raus aus der Hofburg!“ hochgehalten. Die Demo klang bei der Oper mit musikalischen Darbietungen aus.

Die Demo-Organisatoren der „Offensive gegen Rechts“ schätzten die Teilnehmerzahl auf 2200, laut Polizei waren es etwa 1200.
© HERBERT P. OCZERET

In der Hofburg füllten sich zu diesem Zeitpunkt die Festsäle erst so richtig. Zwar waren weniger Gäste als im Vorjahr gekommen, als die Stimmung angesichts der FPÖ-Regierungsbeteiligung am Hochpunkt war; es fand sich aber wieder zahlreiche freiheitliche Polit-Prominenz am Burschenschafterball ein. Neben Parteichef Hofer zog Wiens FPÖ-Chef und Vizebürgermeister Dominik Nepp an der Spitze der Ehrendelegation ein. In dieser fanden sich u.a. auch der Nationalratsabgeordnete Harald Stefan, Volksanwalt Walter Rosenkranz, Ex-FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker, Wiens FPÖ-Klubobmann Toni Mahdalik und der nicht amtsführende FPÖ-Stadtrat Maximilian Krauss ein.

Die Demonstranten begaben sich von der Wiener Universität zu ihrem Marsch durch die Innenstadt.
© HERBERT P. OCZERET

Auch der Tiroler FPÖ-Chef Markus Abwerzger, die nicht amtsführende FPÖ-Stadträtin Ursula Stenzel, Ex-EU-Mandatar Andreas Mölzer, der ehemalige Dritte Nationalratspräsident Martin Graf und der Nationalratsabgeordnete Phillip Schrangl wurden gesichtet.

Hofer: "Ihr seid der wahre, der harte Kern"

Und auch der nach der Ibiza-Affäre zurückgetretene und aus der FPÖ ausgetretene ehemalige FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus war in die Hofburg gekommen, blieb aber wortkarg: Er erwarte sich einen „schönen Ballabend“, erklärte er lediglich. Dem Ball fern blieb hingegen Strache, der gemeinsam mit Gudenus durch seine Aussagen in dem auf Ibiza heimlich aufgenommenes Video die tiefe Krise der FPÖ ja erst ausgelöst hatte.

📽 Video | Hofer unterstrich bei Rede Bedeutung der Korporationen

Hofer trat bei der Eröffnung ans Rednerpult und strich dabei die Bedeutung der Korporationen für die Partei hervor. „Ihr seid der wahre, der harte Kern, auf den man auch weiter aufbauen kann.“ Auch warnte Hofer vor einem Verlust der Freiheit, den es als burschenschaftlichen Wert zu verteidigen gelte. Denn „man will uns vorschreiben, wie wir zu leben haben“. Das gelte etwa für die Frage der Motorisierung, der Nahrungsmittel, aber auch dafür, „wie wir zu denken und zu formulieren haben“, etwa beim Thema des Gendern bei Diplomarbeiten.

Identitären-Chef Sellner mit ganz selbstverständlichem Auftritt

Im Vorfeld des Balles hatte es scharfe Kritik u.a. von SPÖ und ÖVP am angekündigten Ballbesuch des Identitären-Sprechers Martin Sellner gegeben, dessen Bewegung vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft wird. Auch Guggenbichler betonte zuvor, er werde sich von den Medien nicht zu Diskriminierungen nötigen lassen.

Identitären-Sprecher Martin Sellner ließ sich einen Auftritt nicht nehmen.
© HERBERT PFARRHOFER

Sellner selbst ließ sich den Ballbesuch aber ohnehin nicht nehmen. Bei seinem Eintreffen stellte er sich bereitwillig den Medien und erklärte, es sei gut, dass es einen rechten Ball gebe.

Hofer kritisiert Strache indirekt

Seinen Vorgänger Strache erwähnte Hofer mit keinem Wort. Allerdings verwies der aktuelle FPÖ-Chef auf eine Idee von Ex-FPÖ-Chef Jörg Haider, der 1998 eine „Bürgerbewegung“ ins Leben rufen habe wollen – und spielte damit wohl auf Straches jüngste Aussagen an, wonach es eine „neue Bürgerbewegung“ brauche.

Haiders Idee sei „falsch“ gewesen, betonte Hofer: „Dass wir uns der Ideologie berauben lassen, nur um zu einer Bewegung zu werden, das war damals falsch und es wäre auch heute falsch.“ Die FPÖ brauche die Ideologie als ein „Leuchtfeuer“, „um unseren Weg zu finden“. „Ich glaube, dass wir uns ganz besonders darum bemühen müssen, unsere Ideologie zu vertiefen. Und hier spielen die Korporationen eine wesentliche Rolle“, so Hofer.

Blick in den Ballsaal.
© CHRISTIAN HABERHAUER

Musikalisch wurde der Burschenschafterball nicht nur klassisch begleitet. Auch die „John Otti Band“, die bei zahlreichen traditionellen FPÖ-Veranstaltungen gebucht wird, spielte wie schon im Vorjahr auf. (TT.com, APA)


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