Ex-Langläufer Dürr: „Blutdoping sollte mir das Comeback ermöglichen"

15 Monate bedingte Haft und 720 Euro Geldstrafe für Doping-Langläufer Dürr. Ein Jahr bedingte Haft und 3120 Euro Geldstrafe für Trainer Heigl.

Johannes Dürr hatte sich teilweise schuldig bekannt.
© Zeitungsfoto.at

Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Zumindest eines haben die Doping-Aktivitäten für Ex-Langläufer und Olympioniken Johannes Dürr bewirkt: Sein Bekanntheitsgrad ist nach dem Auffliegen der Causa rund um das Blutdoping-Netzwerk des deutschen Sportarztes Mark S. nun höher als zu aktiven Zeiten. So wurden Dürr und sein einstiger ÖSV-Trainer Gerald Heigl gestern am Landesgericht von etlichen deutschsprachigen Fernsehteams empfangen – sogar ein russisches TV-Team war extra nach Innsbruck angereist.

Thema des Prozesses rund um Dopingvergehen und schweren (gewerbsmäßigen, Dürr) Betrug waren die Ermittlungsergebnisse der „Operation Aderlass“, die bei der Nordischen Ski-WM in Seefeld vor einem Jahr für Verhaftungen sorgten. Und diesbezüglich war Dürr offenbar nicht nur die Ermittlungen auslösender Hinweisgeber in der ARD-Dokumentation „Die Gier nach Gold“.

So hatten Dürrs Blutdoping-Ambitionen weiter in die Vergangenheit gereicht als bislang angenommen. Dürr war ja bereits 2014 bei den Olympischen Winterspielen in So­tschi als Dopingsünder aufgeflogen. Gestern gab er aber zu, dass er sich schon während der folgenden Sperre Blut abnehmen und dies für ein mögliches Comeback beim Erfurter Mediziner S. einfrieren ließ. Es kommt noch massiver: So hatte es sogar konkrete Überlegungen gegeben, bei einem möglichen Ausstieg des (nun inhaftierten) Arztes aus den Doping-Behandlungen gemeinsam mit anderen Sportlern die bereits eingefrorenen Blutbeutel selbst zu lagern und damit teilweise das Doping-Geschäft selbst zu übernehmen. „Aber nur für uns. Geschäft wollten wir damit keines machen“, beschwor Dürr vor den Schöffen, gestand aber zu, dass er schon am Anfang seiner Sperre vorgehabt hatte, später mittels Blutdoping noch einmal ein Comeback abseits des ÖSV zu versuchen. Erster Ansprechpartner dazu war übrigens der nun ebenso angeklagte Skandaltrainer Walter Mayer. Über den Tiroler Langläufer Harald Wurm (es gilt die Unschuldsvermutung) sei er dann später zum Dopingarzt S. gekommen. „Lucky Luke“, wie der Codename Dürrs lautete, soll darauf weitere Kontakte zu S. hergestellt haben.

Die Frage nach dem Warum beantwortete Dürr ähnlich wie letzte Woche Ex-Radrennprofi Georg Preidler: „Meine Sicht der Dinge ist, dass es ohne Doping nicht geht, ganz vorne mitzulaufen.“

Ex-ÖSV-Trainer Gerald Heigl wollte da nachhelfen. Er hatte Dürr einst aufmerksam gemacht, dass „Walter Mayer helfen könne“. Der ebenso großteils geständige Heigl: „So landet man halt auf Platz 30, mit Doping aber auf Platz 10 oder 15.“ Passend dazu Staatsanwalt Dieter Albert: „Dürr wollte wieder in die Erfolgsspur und wurde dabei schwer straffällig. Auch sein Trainer hatte irgendwann irreversibel die falsche Abzweigung genommen.“

Das rechtskräftige Urteil: Für Dopingvergehen und schweren gewerbsmäßigen Betrug 15 Monate bedingte Haft und 720 Euro Geldstrafe für Dürr, ein Jahr bedingte Haft und 3120 Euro Geldstrafe für Heigl. Dürr verfallen dazu 52.000 Euro an den Bund.

Staatsanwalt Albert: „Die Gier nach Gold macht blind!“


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