Coronavirus: AUA und Lufthansa streichen alle China-Flüge, Weltwirtschaft bedroht

Noch ist der Höhepunkt der Coronavirus-Epedemie noch nicht erreicht, doch schon jetzt hat der Ausbruch der Krankheit weltweit Folgen für die Wirtschaft. Immer mehr Airlines streichen streichen ihre China-Verbindungen.

Symbolfoto.
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Peking, weltweit – Leere Kinosäle, geschlossene Sehenswürdigkeiten, gestrichene Zugverbindungen, eine ganze Provinz unter Quarantäne: Die drastischen Maßnahmen, die China ergriffen hat, um das tödliche Coronavirus einzudämmen, drohen der ohnehin geschwächten Wirtschaft einen Dämpfer zu verpassen.

Nun streichen auch immer mehr Fluglinien ihre Verbindungen nach China. Die AUA (Austrian Airlines) hat – wie die Mutter Lufthansa und die Schwesterairline Swiss – alle China-Flüge ausgesetzt, aus heutiger Sicht für die Dauer bis 9. Februar. Zuvor hatten bereits mehrere andere Airlines wegen des sich ausbreitenden Corona-Virus ihre China-Verbindungen gestrichen.

📽 Video | Angst vor dem Coronavirus

Bei der AUA befand sich am Mittwochnachmittag eine Maschine auf dem Weg nach Shanghai, heute am Mittwochabend (17.45 Uhr) hebt in Wien-Schwechat ein letzter Kurs nach Peking ab. Die Rückflüge finden noch statt, um Passagiere und die Crews zurückzubringen. Dann ist der Verkehr nach und von China gestoppt. Die AUA machte "operative Gründe" für die Streichung geltend.

Das müssen AUA-Passagiere wissen

Für Passagiere mit einem vor/am 23. Jänner ausgestellten Ticket für einen Flug von/nach China zwischen dem 24. Jänner und dem 29. Februar bestehe die Möglichkeit, einmalig kostenfrei auf einen Flug auf der ursprünglichen Strecke umzubuchen oder die Reise zu stornieren. Dies gilt nach Airline-Angaben für Passagiere mit einem Ticket, das von Lufthansa, Swiss oder Austrian ausgestellt wurde und auf Flügen mit einer LH, LX, oder OS-Flugnummer. Die neue Reise muss bis spätestens 30. September 2020 stattfinden.

Die AUA fliegt nach dem regulären Flugplan wöchentlich fünfmal nach Peking und viermal nach Shanghai. Die Lufthansa Group fliegt regulär pro Woche insgesamt 54 Verbindungen von Deutschland, der Schweiz und Österreich Richtung chinesisches Festland an: Diese Ziele sind Nangjing, Peking, Shanghai, Shenyang und Qingdao. Gestrichen werden jetzt alle Flüge auf das Festland, weiterhin bedienen will die Lufthansa die Strecken nach Hongkong. Nähere Informationen finden Sie auf www.austrian.com.

Air France und KLM reduzieren China-Flüge

Auch die die britische Fluggesellschaft British Airways setzt wegen der Ausbreitung des Virus in China alle ihre Flüge in die Volksrepublik und von dort nach Großbritannien aus. Das gelte ab sofort, teilte die Airline am Mittwoch mit. Sie verwies auf die Reisehinweise des britischen Außenministeriums für China.

Kurz zuvor hatte American Airlines bekannt gegeben, die Verbindungen von Los Angeles nach Peking und Shanghai bis Ende März einzustellen. Auch United Airlines, Cathay Pacific, Lion Air, Air Seoul oder Air India entschieden, alle oder bestimmte Flüge ausfallen zu lassen.

Die Gruppe Air France-KLM reduziert wegen des Coronavirus und des damit verbundenen Nachfragerückgangs ihre Flüge nach China deutlich, wie es am Mittwochabend hieß. Air France wird ab Freitag die Zahl der Flüge nach Peking und Shanghai kürzen. Die niederländische KLM streicht ab Freitag Direktflüge nach Chengdou und Hangzhou, die Frequenzen nach Shanghai werden zurückgefahren. Die Maßnahme gilt bei KLM bis 29. Februar. Die Destination Peking ist bei KLM nicht davon betroffen.

📽 Video | So schadet das Coronavirus weltweit der Wirtschaft:

Das neuartige Virus hat die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt zum ungünstigsten Zeitpunkt erwischt, als hunderte Millionen Menschen zum Neujahrsfest ausschwärmten.

Langfristigere Auswirkungen könnten die Maßnahmen für die Industrie haben. Die Provinzhauptstadt Wuhan mit ihren elf Millionen Einwohnern ist ein wichtiges Drehkreuz und Produktionszentrum der Stahl- und Autoindustrie - und wurde vergangene Woche bis auf Weiteres unter Quarantäne gestellt.

"Wenn die Schließungen über die Neujahrsferien hinweg andauern, wird das die Industrieproduktion in Mitleidenschaft ziehen, einen der wichtigsten Wachstumstreiber in China", sagt Raymond Yeung von ANZ Research. Mehrere ausländische Autokonzerne, darunter General Motors und Renault, produzieren mit chinesischen Joint Ventures Fahrzeuge in Wuhan. Bereits jetzt sind die Auswirkungen zum Teil drastisch. Unter anderem setzen immer mehr internationale Airlines setzen ihre Flüge nach China aus.

Starbucks schließt in China über 2000 Filialen

Die Kaffeehauskette Starbucks hat am Dienstag (Ortszeit) als erstes US-Unternehmen vor finanziellen Einbußen durch den Ausbruch des Coronavirus in China gewarnt. Mehr als 2000 Filialen, das ist rund die Hälfte aller Standorte in China, seien geschlossen worden. In den offenen Filialen seien die Öffnungszeiten angepasst worden, hieß es.

Starbucks hat in China vorsorglich über 2000 seiner Filialen geschlossen.
© NOEL CELIS

Weil die finanziellen Folgen des Ausbruchs noch nicht abzusehen seien, müsse die Prognose für das Geschäftsjahr 2020 verschoben werden. Starbucks betreibt 4292 Kaffeehäuser in China. Etwa zehn Prozent des Gesamtumsatzes des Unternehmens wird in China gemacht, das aber ein Wachstumsmarkt für Starbucks ist. Nach der Bekanntgabe der Schließungen gaben die Aktien des Unternehmens um rund ein Prozent nach.

Ikea schließt Hälfte seiner Möbelhäuser in China

Der schwedische Möbelkonzern Ikea schließt wegen des neuartigen Coronavirus vorübergehend rund die Hälfte seiner Warenhäuser in China. Diesen Entschluss habe das Unternehmen nach reichlichen Überlegungen zu der Situation gefasst, teilte der Ikea-Mutterkonzern Ingka am Mittwoch auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit.

Die Gesundheit und Sicherheit von Kunden und Mitarbeiter habe für Ikea immer oberste Priorität. Die betroffenen Angestellten seien gebeten worden, bis auf Weiteres zu Hause zu bleiben.

Die Ingka-Gruppe betreibt 30 Ikea-Möbelhäuser in China. Der Ikea in der Millionenstadt Wuhan war schwedischen Medienberichten zufolge bereits vor knapp einer Woche geschlossen worden. Seitdem hat Ikea demnach auch Geschäftsreisen aus und nach China verboten.

Bangen in der Tourismusbranche

Das Coronavirus hält auch die heimische Tourismusbranche in Atem. Auch wenn Reiseveranstalter und Co. noch keine direkten Auswirkungen spüren, gibt es regelmäßige Krisenbesprechungen. In Wien rechnen die Touristiker mit einem „Knick" bei Reisenden aus China, zumal Peking vorige Woche alle Reiseagenturen angehalten hat, keine Pauschalreisen mehr ins In- und Ausland zu verkaufen.

Auch italienische Hoteliers bangen nach der Verbreitung des neuen Coronavirus um den Tourismus aus China. „Wir haben schon viele Stornierungen und Absagen bekommen, vor allem von Gruppen und Pauschalreisenden", sagte der Präsident des Hotelverbandes Federalberghi, Bernabò Bocca, der Nachrichtenagentur Ansa.

„Wir bereiten uns auf noch schwerere Schäden vor. Und es werden keine kleinen Verluste sein, das können wir schon sagen."

Für Italien gehört der chinesische Markt zu den wichtigsten im Tourismusbereich. Städte wie Rom oder Venedig sind besonders beliebt. Gruppen aus China bringen vor allem in der Nebensaison um das chinesische Neujahr im Winter viel Geld.

Toyota stoppt vorläufig Produktion in China

Der japanische Autobauer Toyota hat angesichts der Ausbreitung des Coronavirus in China den Betrieb seiner Werke in dem Nachbarland für die nächsten Tage eingestellt. Aufgrund von Faktoren wie den Richtlinien der chinesischen Behörden sowie der derzeitigen Lage bei der Teilezulieferung habe man entschieden, den Betrieb der Fabriken bis 9. Februar auszusetzen.

Das teilte eine Sprecherin des Konzerns in Tokio mit. Man werde die Situation beobachten und entscheiden, wie ab dem 10. Februar weiter vorgegangen werde.

Ölpreise weiter gestiegen

Die Ölpreise sind am Mittwoch weiter gestiegen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete in der Früh 60,19 US-Dollar (54,69 Euro). Das waren 68 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für US-Rohöl der Sorte WTI stieg um 60 Cent auf 54,08 Dollar.

Seit Beginn der Woche sind die Ölpreise nicht mehr gefallen. Sie konnten damit ihre Talfahrt der vergangenen Woche stoppen, als die Ausbreitung des Coronavirus und die damit verbundenen Sorgen vor den Folgen für die chinesische Wirtschaft die Ölpreise auf Talfahrt schickten.

Trotz der aktuellen Stabilisierung bleibt die Ausbreitung der Lungenkrankheit nach Einschätzung von Marktbeobachtern ein bestimmendes Thema beim Ölhandel. Zuletzt hatten mehrere internationale Konzerne ihre geschäftlichen Aktivitäten in China eingeschränkt. Am Ölmarkt werden nach wie vor Vergleiche zwischen der aktuellen Lage und der SARS-Pandemie im Jahr 2003 gezogen. Damals war die Nachfrage nach Kraftstoffen in China massiv gebremst worden.

Unsicherheiten bei Apple

Auch der stark von Produktionsstätten in China abhängige US-Konzern Apple räumte Unsicherheiten ein. Es gebe zwar Alternativen für Zulieferer in Wuhan, die Auswirkungen auf andere Landesteile seien aber „weniger klar", sagte Apple-Chef Tim Cook am Dienstag in einer Telefonkonferenz. Die Unsicherheit rund um das Coronavirus sei der Grund dafür, dass bei der Umsatzprognose für das laufende Quartal eine ungewöhnlich breite Spanne von 63 bis 67 Milliarden Dollar gewählt worden sei, sagte Apple-Finanzchef Luca Maestri.

Home Office für 3500 VW-Mitarbeiter

Volkswagen lässt wegen der Ausbreitung des Virus seine 3500 Mitarbeiter in Peking für zwei Wochen von daheim aus arbeiten. Wie der Autohersteller am Mittwoch mitteilte, werden bis auf weiteres auch alle Geschäftsreisen in China und international ausgesetzt.

Nach dem bisher geplanten Ende der – schon um drei Tage verlängerten – offiziellen Neujahrsferien am kommenden Montag sollen die Mitarbeiter in der Hauptstadt bis 17. Februar zuhause bleiben und von dort arbeiten. „Wir streben an, ein gesundes und sicheres Arbeitsumfeld für unsere Kollegen sicherzustellen."

Autozulieferer Webasto schließt Zentrale in Bayern

In Deutschland schließt der Automobilzulieferer Webasto wegen vier mit dem Virus infizierten Mitarbeitern seinen Stammsitz im oberbayerischen Gauting bis Sonntag. Bis dahin sollen Mitarbeiter der Firmenzentrale auch nicht an nationale und internationale Standorte reisen, wie das Unternehmen am Dienstagabend mitteilte. Für China gelte sogar eine Sperre für zwei Wochen.

Die vier ersten in Deutschland bestätigten Fälle der neuen Lungenkrankheit sind allesamt Mitarbeiter des Unternehmens. Eine Kollegin aus China war vergangene Woche zu einer Schulungsmaßnahme im Gautinger Ortsteil Stockdorf. Dort hatten sich die vier Mitarbeiter nach bisherigen Erkenntnissen angesteckt.

Japan fürchtet um China-Geschäft

Japan befürchtet negative Folgen für seine exportabhängige Wirtschaft durch den Ausbruch des Coronavirus in China. Wenn es länger dauere, bis die Situation sich beruhige, könnten „die japanischen Exporte, die Produktion und die Unternehmensgewinne beeinträchtigt werden", warnte Wirtschaftsminister Yasutoshi Nishimura.

Der Autohersteller Honda, der drei Werke im chinesischen Wuhan betreibt, dem Epizentrum des Ausbruchs, plant die Evakuierung einiger Mitarbeiter. Fast Retailing, wozu die beliebte Bekleidungskette Uniqlo gehört, hat in China etwa 100 Geschäfte vorübergehend geschlossen. Der japanische Einzelhandelsriese Aeon gab an, dass er seine fünf Supermärkte in Wuhan offenhalte, nachdem die lokalen Behörden um die Fortsetzung des Betriebs gebeten hatten.

Bosch-Zulieferketten gefährdet

Dass China die Neujahrsferien für die Unternehmen bis Anfang Februar verlängert, wirke sich nicht auf die Geschäftsentwicklung aus, so Bosch-Chef Volkmar Denner. „Geht diese Phase länger, werden dann insbesondere Zulieferketten gestört, kann sich das natürlich sehr schnell ändern." Bosch beschäftigt in dem Land mehr als 60.000 Leute und hat zwei Werke in Wuhan, wo der Erreger erstmals auftrat.

Bisher gebe es zwar keine Krankheitsfälle in der Belegschaft, doch für Bosch sei die Situation Grund zur Sorge, erklärte Denner. In China wurden die Neujahrsferien für die Unternehmen bis Anfang Februar verlängert. Das werde sich nicht auf die Geschäftsentwicklung auswirken. „Geht diese Phase länger, werden dann insbesondere Zulieferketten gestört, kann sich das natürlich sehr schnell ändern."

Franken auf höchsten Stand seit fast drei Jahren

Die mit dem Coronavirus-Ausbruch einhergehende Verunsicherung der Investoren hat auch zu einer kräftigen Aufwertung des Schweizer Frankens geführt. Ein Euro war am Montag für 1,0690 Franken zu haben. Weniger als 1,07 Euro kostete die Schweizer Hauptexportwährung zuletzt im April 2017.

„Dies könnte darauf zurückzuführen sein, dass aufgrund der mit dem Coronavirus verbundenen Risiken Geld in sichere Häfen wie den Franken fließt", sagte Maxime Botteron, Ökonom bei der Großbank Credit Suisse.

Milliardenkosten

Der Coronavirus-Ausbruch in China wird nach Einschätzung eines führenden chinesischen Lungenexperten erst in sieben bis zehn Tagen seinen Höhepunkt erreichen. Doch schon jetzt beginnt sich der Ausbruch der Krankheit auch wirtschaftlich auszuwirken.

Für eine seriöse Prognose, was das Coronavirus wirtschaftlich anrichten kann, ist es zwar noch zu früh. Doch der aktuelle Ausbruch weckt Erinnerungen an frühere Pandemien, bei denen die ökonomischen Kosten heute klar sind.

So schätzen Ökonomen, dass die SARS-Pandemie 2003 die Weltwirtschaft rund 40 Milliarden Dollar gekostet hat, allein China büßte damals den Schätzungen zufolge 17,5 Milliarden Dollar seines Bruttoinlandsprodukts ein.

Die ökonomischen Kosten der Influenza-Epidemie 2009 durch das Virus H1N1, besser bekannt als sogenannte „Schweinegrippe", werden heute auf 45 bis 55 Milliarden Dollar beziffert. (APA, TT.com)


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