105 Stunden Arbeit pro Woche ohne Lohn: Au-pairs in Tirol ausgebeutet

Mindestens acht junge Frauen lockte ein Paar mit falschen Versprechungen nach Tirol. Ohne Bezahlung ließen sie die Opfer dann fast rund um die Uhr arbeiten.

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Symbolfoto.
© dpa/Ralf Hirschberger

Innsbruck – Über Monate soll ein Paar Au-pair-Mädchen unter falschen Versprechungen nach Tirol gelockt haben. Aber statt als Kindermädchen der gebürtigen Italienerin zu helfen, mussten die jungen Frauen nicht nur deren Haushalt schmeißen, sondern auch – teilweise bis zu 105 Wochenstunden – in der Putzfirma der Frau arbeiten. Ohne Bezahlung.

Das Angebot der 34-Jährigen im Internet klang vielversprechend: Über eine eigene Au-pair-Agentur suchte sie junge Frauen, die bei der Betreuung ihres achtjährigen Sohnes helfen sollten. Maximal 20 Wochenstunden, freie Tage inklusive. Dafür sollte das Au-pair ein angemessenes Taschengeld bekommen, eine passende Unterkunft und einen Gratis-Deutschkurs.

Die Realität sah aber ganz anders aus: Die jungen Frauen – nach Ermittlungen des LKA Tirol mindestens acht Frauen im Alter von 18 bis 27 Jahren aus Togo, Marokko, Madagaskar und Georgien – mussten nicht nur im Haushalt der 34-Jährigen arbeiten. Sie wurden gezwungen, auch in der Putzfirma der Italienerin zu schuften. In Einzelfällen bis zu 105 Stunden in der Woche. Die Opfer bekamen dafür aber keinen Cent. Statt im versprochenen eigenen Zimmer mussten die jungen Frauen auf Matratzen am Boden mit mehreren Personen in einem Raum schlafen.

Auf die Spur der 34-Jährigen und ihres 26 Jahre alten Freundes kam das LKA durch einen Hinweis der Finanzpolizei Innsbruck im Frühjahr 2019. Zu der Zeit war aber nur der Fall einer 22-Jährigen aus Togo bekannt. Gegen die Italienerin wurde ein Ermittlungsverfahren – unter anderem wegen des Verdachts des Menschenhandels –eingeleitet. Im Laufe der Erhebungen stießen die Beamten dann auf immer mehr junge Frauen, die von dem Paar ausgebeutet worden waren.

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Die Beschuldigte und ihr syrischer Freund wurden am 22. Jänner festgenommen, zwei Hausdurchsuchungen wurden durchgeführt. Einen Tag später wurde das Paar wieder auf freien Fuß gesetzt. Anzeige folgt. (TT.com)


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