Coronavirus: 259 Tote in China, bisher keine bestätigten Fälle in Österreich

Die Zahl der Infizierten mit dem neuartigen Coronavirus in China ist auf knapp 12.000 gestiegen. Mit 46 neuen Todesfällen sind 259 Menschen an der Lungenkrankheit gestorben. In Österreich wurden am Samstag gleich mehrere Verdachtsfälle gemeldet. Bestätigt wurde allerdings kein Fall.

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Die Zahl der Todesopfer durch das neuartige Coronavirus ist zuletzt sprunghaft angestiegen.
© AFP/STR

Peking – Die Zahl der Todesopfer durch das neuartige Coronavirus in China ist um 46 auf insgesamt 259 gestiegen. Die neuen Todesfälle wurden am Samstag (Ortszeit) von den Behörden der am stärksten betroffenen Provinz Hubei gemeldet. In den vergangenen 24 Stunden infizierten sich den Angaben zufolge außerdem 1347 weitere Menschen in Hubei mit dem Virus, so dass dort jetzt 7153 Patienten gezählt wurden.

Insgesamt haben sich 11.791 Menschen nach Angaben der chinesischen Behörden in Festland-China mit dem Erreger infiziert. Außerhalb der Volksrepublik China gibt es in rund 25 Ländern rund 150 Infektionen.

Immer wieder Verdachtsfälle in Österreich

Auch in Österreich gibt es immer wieder Meldungen über Verdachtsfälle, bestätigt wurde bisher allerdings keiner von ihnen:

- Der am Freitagabend in Vorarlberg aufgetretene Corona-Verdachtsfall hat sich nicht bestätigt. Die nach Wien geschickte Probe der jungen Frau sei negativ auf den Coronavirus getestet worden, informierte Landessanitätsdirektor Wolfgang Grabher am Samstagabend. Die Patientin konnte somit aus dem Landeskrankenhaus Hohenems entlassen werden. Es soll sich um eine Reiserückkehrerin aus China gehandelt haben, die über die typischen Symptome klagte.

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Immer mehr Laboruntersuchungen müssen in Österreich wegen des Verdachts auf Corona durchgeführt werden.
© APA/Punz

- In Oberösterreich hat sich bei einem Mann der Verdacht auf das Corona-Virus ergeben. Er war von einer Reise aus Peking zurückgekehrt und wies Anzeichen einer Erkältung auf. Er wurde in einem Linzer Spital abgeschirmt. Die Laborergebnisse fielen negativ aus.

- Auch in Niederösterreich gab es zunächst zwei Corona-Verdachtsfälle. Ein Mann wurde im Landesklinikum Mödling behandelt, nach einem negativen Testergebnis Samstagnachmittag konnte er bereits entlassen werden. Laut Bernhard Jany von der Landeskliniken-Holding wurde eine Frau ebenfalls ins Landesklinikum Mödling eingeliefert. Sie habe nichts mit dem männlichen Patienten zu tun.

- In Wien gab es am Samstag ebenfalls einen weiteren Coronavirus-Verdachtsfall. "Es handelt sich um eine junge Österreicherin, die sich 15. und 30 Jänner in der Nachbarprovinz von Wuhan aufgehalten hat", sagte ein Sprecher von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker gegenüber der APA. Die Frau sei mit grippeähnlichen Symptomen ins Kaiser-Franz-Josef-Spital aufgenommen worden. Die Testergebnisse dürften Samstagabend vorliegen.

Fälle in Deutschland und Spanien

In Deutschland gab es beipielsweise mittlerweile acht Menschen, bei denen der Erreger nachgewiesen wurde. Beim letzten Infizierten, von dem am Samstagabend das bayerische Gesundheitsministerium berichtete, handle es sich um einen 33 Jahre alten Mann. Er ist so wie sechs andere Corona-Kranke Mitarbeiter der Firma Webasto in Stockdorf im Landkreis Starnberg.

Die Gesamtzahl der Fälle in Bayern – und somit auch in Deutschland – ist damit auf acht gestiegen. Außer den nun sieben Mitarbeitern der Firma war ein Kind eines der Erkrankten ebenfalls positiv auf die neuartige Lungenkrankheit getestet worden. Bei der Firma Webasto hatte es in den vergangenen Tagen umfangreiche Tests gegeben, deren Ergebnisse teilweise noch ausstehen.

Ein weiterer deutscher infizierter Staatsbürger war zuvor in Spanien registriert worden. Der Deutsche auf der Kanareninsel La Gomera ist der erste bekannte Fall in Spanien. Er sei mit einem der in Deutschland infizierten Patienten in Kontakt gewesen, teilte die spanische Regierung mit.

📽 Video | Deutscher auf La Gomera betroffen

Er habe zuvor in Deutschland "engen Kontakt" mit einer infizierten Person gehabt. Der Mann hatte mit fünf weiteren Deutschen auf der Kanareninsel La Gomera Urlaub gemacht. Vier seiner Begleiter hätten ebenfalls Symptome gezeigt, bei einem Menschen seien keine Symptome aufgetreten. Insgesamt seien fünf Deutsche auf der Insel wegen Coronavirus-Verdachts unter Beobachtung.

Die WHO hat wegen der rasanten Ausbreitung des Virus den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen.
© AFP/Fong

Sieben Österreicher werden am Sonntag aus Frankreich geholt

Immer mehr Länder flogen ihre Bürger aus dem Seuchengebiet aus. So landete Samstagnachmittag eine Maschine der deutschen Luftwaffe – sie kam aus Wuhan via Helsinki – mit Verzögerung in Frankfurt am Main. Sie hatte 128 Deutsche an Bord, 102 von ihnen sind deutsche Staatsbürger. Nach einer Untersuchung werden die Passagiere nun für eine zweiwöchige Quarantäne in einer Kaserne in Germersheim in Rheinland-Pfalz gebracht. Bisherigen Erkenntnissen zufolge ist von ihnen keiner mit dem Coronavirus infiziert.

Für einen diplomatischen Eklat bezüglich des Fluges sorgte Russland. Das Land verweigerte der Maschine die zwingend benötigte Zwischenlandung in Moskau, weswegen der Flieger auf Helsinki ausweichen musste.

In Frankreich wurden etwa 180 Menschen, zumeist Franzosen, nahe Marseille unter Quarantäne gestellt, die aus Wuhan ausgeflogen worden waren. Ein weiteres Flugzeug überwiegend mit Franzosen wurde in der Nacht auf Sonntag in Frankreich erwartet. An Bord dürften sich dann auch sieben Österreicher befinden. Sie werden mit einer C-130 Hercules-Transportmaschine des Bundesheeres nach einem Zwischenstopp auf dem südfranzösischen Luftwaffenstützpunkt Istres-Le Tube schließlich nach Wien-Schwechat geflogen. Mit der Ankunft der Österreicher in Wien wird am Sonntag gerechnet.

Auf der Militärbasis in Germersheim nahe Stuttgart sollen die aus China zurückgeholten Deutschen vorerst unter Quarantäne gestellt werden.
© AFP/Lohnes

Gesundheitsnotstand in den USA

Die USA riefen wegen des Coronavirus einen öffentlichen Gesundheitsnotstand aus. Ausländern, die sich in den vergangenen zwei Wochen in China aufgehalten haben, werde die Einreise verboten, erklärte US-Gesundheitsminister Alex Azar am Freitag. Ausnahmen gebe es für enge Familienmitglieder von US-Bürgern und Ausländer mit ständiger Aufenthaltsgenehmigung. Die Anweisung gilt ab Sonntag.

Joel Szabat verkündete die strikten Einreisebestimmungen für Reisende aus China in den USA.
© AFP/Caballero-Reynolds

US-Bürger, die sich in der chinesischen Provinz Hubei aufhielten, sollen zudem zwei Wochen lang unter Quarantäne gestellt werden. Reisende aus anderen Teilen Festland-Chinas werden Azar zufolge gebeten, sich freiwillig in Quarantäne zu begeben. Azar betonte, es handle sich dabei um "vorbeugende Maßnahmen", das Risiko in den USA sei gering. Alle Flüge aus China werden an sieben US-Flughäfen umgeleitet und dürfen nur noch am New Yorker JFK-Flughafen, in Chicago, San Francisco, Seattle, Atlanta, Honolulu und Los Angeles landen.

Zuvor hatten bereits mehrere Staaten Abschottungsmaßnahmen gegen China bekanntgegeben. Singapur und die Mongolei gaben bekannt, keine Chinesen oder Reisende aus China mehr ins Land zu lassen. Auch Österreich erhöhte seine Sicherheitsstufe und gab eine partielle Reisewarnung für die Krisenregion in China aus.

Großbritannien zog nach Angaben des Außenministeriums Personal aus diplomatischen Einrichtungen in China ab. Von dem Schritt sind demnach Diplomaten sowie deren Familien betroffen. Zuvor hatten die USA einem Teil ihrer Botschaftsmitarbeiter die Ausreise freigestellt.

📽 Video | TT-Studio: Tiroler Medizinerin Rosa Bellmann-Weiler zum Coronavirus

Angesichts der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus erließ die chinesische Regierung weitere drastische Maßnahmen: Peking forderte Paare auf, ihre Hochzeiten zu verschieben, und bat darum, Trauerfeiern für verstorbene Angehörige klein zu halten. Die Regierung empfahl konkret in einer Erklärung, die für Sonntag geplanten Trauungen abzusagen und die Information an weitere Paare weiterzugeben. Die Provinz Hubei verlängerte die Neujahrsferien bis 13. Februar.

Auch die Wirtschaft wurde zunehmend in Mitleidenschaft gezogen. Der US-IT-Gigant Apple kündigte an, bis zum 9. Februar seine Filialen und Büros in Festland-China vorsichtshalber zu schließen. Der koreanische Autobauer Hyundai setzte seine für dieses Wochenende geplante SUV-Produktion aus. Zur Begründung nannte eine Sprecherin Werksschließungen in China, die zu einer Versorgungsstörung geführt hätten. (APA/AFP/Reuters/dpa, TT.com)

Peking kündigte an, alle ins Ausland gereisten Bürger zurückholen zu wollen.
© AFP/Asfouri

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