Österreicher auf dem Heimweg, erster Coronavirus-Todesfall außerhalb Chinas

Auf den Philippinen ist ein Mensch an den Folgen der Viruserkrankung gestorben. Aus China werden täglich immer höhere Patientenzahlen und Todesfälle gemeldet.

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Aus China ausgeflogene Menschen landeten in Indonesien.
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Manila/Peking - Erstmals seit Ausbruch des neuartigen Coronavirus ist auch außerhalb Chinas ein Mensch an den Folgen seiner Erkrankung gestorben. Das philippinische Gesundheitsministerium teilte am Sonntag mit, auf dem pazifischen Inselstaat sei ein 44-Jähriger aus der Stadt Wuhan am Samstag ums Leben gekommen, nachdem er eine schwere Lungenentzündung bekommen habe.

Der philippinische Gesundheitsminister Francisco Duque teilte mit, der Patient sei in einem Krankenhaus in Manila gestorben. Der Mann sei mit einer Chinesin ins Land gekommen, die ebenfalls positiv auf das Virus getestet worden sei. Sie erhole sich derzeit im Krankenhaus von der Infektion.

In China stieg die Zahl der Toten unterdessen bis einschließlich Samstag nach staatlichen Angaben auf 304. Die in der Volksrepublik erfassten Krankheitsfälle schnellten auf 14.380, wie das Staatsfernsehen unter Berufung auf die Gesundheitsbehörde NHC berichtete. Allein am Samstag seien 2.590 Neuerkrankungen registriert worden, so viele wie nie zuvor an einem einzigen Tag.

Alle neuen Todesfälle in China und die meisten Neuinfektionen wurden den Angaben zufolge aus der praktisch unter Quarantäne stehenden Provinz Hubei gemeldet. Dort liegt auch die Millionen-Metropole Wuhan, von wo aus die Epidemie ihren Ausgang nahm.

Österreicher auf dem Weg nach Europa

Etwa zwei Dutzend weitere Länder und Regionen haben zusammen mehr als 130 Infektionen erfasst. Die meisten Betroffenen waren kürzlich in Hubei oder kamen von dort. Einige Länder haben damit begonnen, ihre Staatsbürger aus Hubei auszufliegen.

Knapp drei Stunden später als geplant ist am Sonntag um 8.45 Uhr eine Bundesheer-Transportmaschine von Linz-Hörsching nach Frankreich gestartet, um sieben Österreicher, die aus dem chinesischen Epidemiegebiet ausgeflogen worden waren, zu übernehmen. Mit an Bord der Hercules C-130 sind ein Sanitätsteam und zwei Experten des ABC-Abwehrzentrums. Die Maschine soll am Nachmittag in Wien-Schwechat landen.

Rund zwei Stunden dauere der Flug zum Zielort, der französischen Luftwaffenbasis Istres-Le Tube, informierte der Kommandant der Luftunterstützung im Fliegerhorst Vogler in Hörsching, Wolfgang Wagner, Sonntagfrüh über die bevorstehende Rückholaktion. Die sieben Österreicher gelten als gesund und zeigten bisher keine Symptome einer Coronavirus-Erkrankung, so sein Wissensstand. Die vierköpfige Crew der Hercules, eine Ärztin, ein Sanitärunteroffizier sowie zwei Experten des ABC Abwehrzentrums werden aber ebenso wie die sieben Passagiere als "Vorsichtsmaßnahme Atemschutz tragen". Ob noch weitere Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden müssen, werde an Ort und Stelle in Absprache mit der französischen Gesundheitsbehörde entschieden.

Nähere Angaben zu den ausgeflogenen Österreichern wollte Wagner aus Datenschutzgründen nicht machen. Sie seien jedenfalls mit 282 weiteren Europäern, darunter Franzosen, Polen, Bulgaren, Briten, Schweden und Belgier, mit einer zivilen Maschine von China nach Südfrankreich geflogen worden. Das Flugzeug habe jedoch verspätet abgehoben, weshalb sich auch die Rückholaktion des österreichischen Bundesheeres um knapp drei Stunden nach hinten verschoben hat.

Auf der Luftwaffenbasis Istres werden alle Passagiere zunächst ihren jeweiligen Heimatländern übergeben. Dazu hat jede Nation einen eigenen Time-Slot erhalten, führte Wagner aus. Die C-130 werde voraussichtlich am frühen Nachmittag den Heimflug antreten. Die sieben Österreicher sollen dann, falls es zu keinen weiteren Verzögerungen kommt, am Sonntag um 17.30 Uhr in Wien-Schwechat landen, sagte Außenamtssprecher Peter Guschelbauer der APA. Hier werden sie von den Gesundheitsbehörden übernommen werden. Laut Flughafen wird die Abfertigung dabei nicht über ein Terminal, sondern abseits vom normalen Betrieb ablaufen. Wie es mit den Heimkehrern weitergeht, darüber sollte noch informiert werden, war auf Nachfrage zu erfahren.

Am Samstag landete ein Flugzeug der Bundeswehr mit mehr als 120 Deutschen an Bord in Frankfurt. Die deutschen Staatsbürger und Familienangehörige wurden in der Nacht zum Sonntag mit Bussen in eine Kaserne in Rheinland-Pfalz gebracht. Sie sollen mindestens 14 Tage in der Südpfalz-Kaserne in Germersheim bleiben - so lange dauert die maximale Inkubationszeit, also die Frist von der befürchteten Ansteckung bis zum möglichen Krankheitsausbruch. An dem Standort eines Luftwaffenausbildungsbataillons stehen für sie 128 Zimmer in einem 2018 fertiggestellten Gebäude bereit.

Großbritannien evakuiert einem Medienbericht zufolge diesen Sonntag weitere britische Staatsbürger aus Wuhan. Es werde eine zusätzliche Gruppe erwartet, zitiert die Zeitung "Liverpool Echo" aus einer internen E-Mail der Leitung des Krankenhauses Arrowe Park im Nordwesten Englands, in dem bereits 83 Ausgeflogene unter Quarantäne gestellt wurden.

Neuseeland lässt ab Montag keine Ausländer mehr von China aus einreisen. Zur Begründung verweist das Außenministerium auf die gestiegene Bedrohung durch das Coronavirus. Zugleich verschärfte es seinen Reisehinweis: Nach China solle nicht gereist werden.

Die Börse in Shanghai verlängerte für Unternehmen die Frist zur Veröffentlichung von Jahresgeschäftsberichten bis zum 30. April. Wer auch diese Frist nicht einhalten könne, solle sich bei den zuständigen Aufsichtsbehörden melden. Viele Firmen schränken wegen des Coronavirus-Ausbruchs ihre normalen Tätigkeiten ein. (APA/Reuters/AFP/dpa)


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