US-Vorwahlen beginnen: Wird bereits Iowa den Trump-Herausforderer küren?

Wer in Iowa gewinnt, darf sich große Hoffnungen machen, im November auf dem Wahlzettel zu stehen. Umgekehrt müssen sich Kandidaten, die schlecht abschneiden, fast schon verabschieden.

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Senatorin Elizabeth Warren und Ex-Vizepräsident Joe Biden sind zwei Favoriten auf die Nominierung zur Präsidentschaftswahl.
© FREDERIC J. BROWN

Von Siegmund Skalar/APA

Des Moines – Am Montag eröffnet der US-Staat Iowa die Vorwahlsaison. Iowa gilt als wichtigstes Stimmungsbarometer im Kampf um die US-Präsidentschaft. Für schwächere Kandidaten könnte er das Aus bedeuten, an der Spitze die Karten neu mischen. Wer bei den Demokraten erster wird, hat das Ticket, um im Herbst gegen Donald Trump anzutreten zum Greifen nahe. Vier Kandidaten haben realistische Chancen.

Der Drei-Mio.-Einwohner-Staat Iowa rüstet sich zur Vorwahl – als erster Staat in den USA. In insgesamt 1.681 Wahlbezirken wird am Abend des 3. Februar dann gewählt. Viele der führenden Kandidaten der Demokraten touren bereits seit Monaten regelmäßig durch den US-Staat und haben ihre Wahlunterstützer losgeschickt um für den Caucus-Tag die Wähler zu mobilisieren.

Drei Tickets aus Iowa

In den USA gilt das Sprichwort „Drei Tickets aus Iowa". Praktisch jedoch sind für den Drittplatzierten die Chancen um das Präsidentschaftsticket verschwindend gering. Die Favoritenrolle geht derzeit an Ex-Vizepräsident Joe Biden, der in den Umfragen voran liegt.

„Iowa ist jedoch notorisch schwer zu prognostizieren", erklärt Patrick Schoettmer, Politikwissenschaftler an der Seattle University. Einer jüngsten Umfrage des Fernsehsenders CNN zufolge zeigten sich 45 Prozent der Bewohner noch unentschlossen und bereit den Kandidaten zu wechseln. Aufgrund seines zeitaufwändigen Wahlsystems ist der Gang in die Wahllokale auch nicht unbedingt populär. „Die durchschnittliche Wahlbeteiligung liegt bei ungefähr zehn Prozent", bestätigt Schoettmer.

Der jüngsten YouGov-Umfrage zufolge liegt derzeit Joe Biden mit 27 Prozent der befragten Wählerstimmen vor Senator Bernie Sanders aus Vermont mit 20 Prozent. Senatorin Elizabeth Warren aus dem US-Staat Massachusetts kommt aktuell auf 19 Prozent der befragten demokratischen Caucus-Wähler. „Mayor Pete" Buttigieg, der noch Anfang Dezember manche Umfragen in Iowa angeführt hatte, hält in der Studie sieben Prozent der Stimmen.

Entwicklung in den Umfragen der beliebtesten demokratischen Kandidaten.
© APA

Iowa als Königsmacher

Iowa dient im US-Wahlkampf trotz seiner Unberechenbarkeit als Königsmacher. "Iowa hat vor allem für die Demokraten einen guten Track Record", so Politikexperte Schoettmer. 2016 setzte sich Hillary Clinton im Iowa-Caucus gegen Bernie Sanders durch und holte in Folge das Ticket für ihre Nominierung der Demokraten. Im Jahr 2008 überraschte Barack Obama seine Parteikollegen John Edwards und Hillary Clinton in Iowa und eroberte die Nominierung und danach die Präsidentschaft. 2004 konnte sich John Kerry mit seinem Wahlsieg in Iowa ebenfalls das Ticket des demokratischen Präsidentschaftsanwärters sichern.

Auf republikanischer Seite ist Iowa ein weniger starkes Prognosewerkzeug. Eine Ausnahme war der Caucus-Sieg George W. Bushs im Jahr 2000. Zum Nachteil von Senator John McCain erhielt Bush die Nominierung seiner Partei und gewann anschließend das Rennen um das Weiße Haus. Donald Trump im Gegenzug verlor 2016 Iowa an seinen texanischen Kontrahenten Ted Cruz, entschied aber die kommenden drei Vorwahlen in New Hampshire, South Carolina und Nevada für sich.

Kandidaten aus dem mittleren Westen mit guten Karten

Der Staat Iowa ist für die USA demografisch wenig repräsentativ, was immer wieder für Kritik sorgt. Iowa ist katholisch und hat nahezu keine afroamerikanische sowie latinoamerikanische Bevölkerung. „Die Demografie hat ihre Rolle aber bereits gespielt", meint Politikexperte Schoettmer. „Wenn Kalifornien zuerst wählen würde, wäre vielleicht Kamala Harris noch im Rennen". Die Senatorin aus Kalifornien hatte aber bereits am Anfang Dezember ihre Kandidatur zurückgezogen. Im Vorteil sind in Iowa „Midwesterner" wie Amy Klobuchar oder Pete Buttigieg, wie Schoettmer bestätigt.

Iowa war nicht immer der erste US-Staat, der die Vorwahlen abgehalten hat. Überhaupt wurden bis Ender der 60er Jahre nur in einigen US-Staaten „Primaries" abgehalten. Erst die Unruhen in Folge der 1968er-Bewegung führten zu einer Änderung des US-Vorwahlsystems bei den Demokraten. Der Vorwurf lautete, dass der Auswahlprozess der Kandidaten zu wenig transparent wäre und die Parteigranden über die Entsendung von Delegierten undemokratisch entscheiden könnten. Seit dem Jahr 1972 ist der Caucus in Iowa das allererste Vorwahlereignis im US-Präsidentschaftswahlkampf.

Carter-Kampagne setzte Iowa auf politische Landkarte

Entscheidend für die Bedeutung von Iowa als Königsmacher war die Kampagne von Präsidentschaftsanwärter Jimmy Carter im Jahr 1976. Damals konnte sich der Iowa-Caucus seine Position als Meilenstein im Wahlkampf etablieren. Carters Team hatte weder die Mittel noch die Bekanntheit, um einen bundesweiten Wahlkampf zu führen und konzentrierte sich auf den bis dato strategisch unwichtigen Staat Iowa – mit Erfolg. Carter, bis dorthin als Gouverneur von Georgia nur eine Regionalgröße, gewann Iowa und später den Wahlkampf um das höchste US-Amt.

Am Wahlkalender der Vorwahlsaison stehen darüber hinaus am 11. Februar die Vorwahlen in New Hampshire, gefolgt von dem Nevada-Caucus am 22. Februar und dem Primary in South Carolina am 29. Februar. Am 3. März ist dann der Super Tuesday, wo in insgesamt 14 US-Staaten Vorwahlen abgehalten werden. Im Juli wird der Parteikongress der Demokraten den offiziellen Kandidaten um das höchste US-Amt bekannt geben. Bei den Republikanern, deren Vorwahlen mangels ernstzunehmender Herausforderer von Amtsinhaber Trump nur Formsache sind, ist dieser Termin im August.


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