Startschuss für US-Vorwahlen: Wie der Caucus in Iowa funktioniert

Die Demokraten legen sich im Laufe des Frühjahres darauf fest, wer für sie gegen Donald Trump antreten wird. Das Prozedere ist kompliziert – die Staaten stimmen nacheinander ab. Manchmal gibt es Vorwahlen, manchmal Versammlungen. Den Beginn macht Iowa mit einem Caucus.

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Senatorin Elizabeth Warren bei einem Wahlkampfauftritt in Iowa.
© STEPHEN MATUREN

Von Siegmund Skalar/APA

Des Moines – Der Iowa-Caucus, das erste Wahlereignis des Jahres in den USA, ist ein Medienmagnet und gilt als wichtiges Stimmungsbarometer im Wahlkampf um die US-Präsidentschaft. Das Wahlverfahren des Midwest-Staats ist bei den Demokraten besonders aufwändig und hat eine verhältnismäßig niedrige Wahlbeteiligung. Die Wähler am 3. Februar brauchen eine klare Zweitpräferenz, was für Überraschungen sorgen könnte.

Das Wahlverfahren der Demokraten in Iowa ist ein Caucus und damit nicht vergleichbar mit einer Wahl in der Wahlkabine. Eingetragene demokratische Wähler des US-Staats müssen sich traditionellerweise in öffentlichen Orten wie Schulen, Kirchen, Büchereien einfinden und sich in ihren Wahlsprengeln auf einen Favoriten einigen. Die Wahl am 3. Februar findet zudem am Abend statt. Erst dann dürfen die Bewohner des US-Staats in den 1.681 Wahlbezirken ihre Kandidatenpräferenz öffentlich machen.

Die Vorwahlen der Demokraten beginnen in Iowa.
© APA

Zeitintensive Entscheidungsfindung am Wahlabend

Der Caucus ist ein Beispiel von deliberativer Demokratie („Deliberate Democracy"), was heißt, dass das „Taktieren" und die „Konversation" am Wahlabend großgeschrieben werden, erklärt Politikexperte Patrick Schoettmer von der Seattle University. Der Entscheidungsprozess für einen Sprengel kann sich somit über Stunden ziehen. Das wiederum wirkt sich auf die Wahlbeteiligung aus. „Der Iowa Caucus ist zeitintensiv, und die meisten Wähler haben schlichtweg nicht die Zeit dafür", so Schoettmer. Im letzten Wahljahr 2016 wählten im Rahmen des Caucus der Demokraten etwa 171.000 Menschen, und damit gerade einmal fünf Prozent der Gesamtbevölkerung des US-Staats.

Wie läuft das nun im Detail ab? In einem ersten Wahlgang finden sich in den jeweiligen Wahlräumlichkeiten Präferenzengruppen für bestimmte Kandidaten ein. Das heißt, dass sich Wähler für jeden Kandidaten an einer bestimmten Stelle des Wahllokals sammeln – anschließend werden die Stimmen gezählt. Wenn sich für einen bestimmten Kandidaten weniger als 15 Prozent der Wähler in dem Sprengel entscheiden, wird dieser eliminiert. Die Gruppen der anderen Wähler müssen nun versuchen, die übergebliebenen Wähler von „ihrem" Kandidaten zu überzeugen. Anschließend verteilen sich die verbliebenen Wählerstimmen neu.

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📽 Video | David Kriegleder (ORF) über Vorwahlen in Iowa

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Die Wahlschwelle von 15 Prozent bringt ihre eigenen Dynamiken mit sich. „Man hat besser einen Backup-Kandidaten auf Lager, de man sich ebenfalls vorstellen kann", so Schoettmer. Einer aktuellen YouGov-Umfrage zufolge liegt bei den Zweitpräferenzen derzeit Elizabeth Warren mit 14 Prozent voran. Bernie Sanders folgt mit zehn Prozent der befragten Wähler. In Anbetracht der jüngsten Zwistigkeiten zwischen den beiden Links-Kandidaten Sanders und Warren könnte das aber für Überraschungen sorgen. „Möglicherweise würden dann beide wesentlich schlechter abschneiden", so Schoettmer. Als potenzielle Nutznießer könnten sich damit die moderaten Kandidaten wie Pete Buttigieg oder Joe Biden erweisen.

Kandidaten, die noch kurz vor der Wahl knapp unterhalb der 15-Prozent-Schwelle in den Umfragen liegen, werden in Folge der 15-Prozent-Regel am Wahlabend damit höchstwahrscheinlich signifikant schlechter abschneiden. Den YouGov-Daten zufolge liegen derzeit nur Joe Biden, Bernie Sander und Elizabeth Warren oberhalb dieser Mindestmarke.

Wahlmännersystem auf Parteiebene

In Iowa gilt für den Caucus der Demokraten auch eine Art Wahlmännersystem ("Electoral College") in Kleinform. Wenn das Ergebnis des Wahlabends in den Sprengeln ("Precincts") feststeht, gibt es anschließend Parteitage auf Bezirks- und auf Wahlkreisebene. Zu all diesen Versammlungen werden aliquot zum Ergebnis Wahlmänner entsandt. Bei einem landesweiten Parteitag ("State convention") werden schließlich die Wahlmänner für den US-weiten demokratischen Parteikongress bestimmt. Iowa entsendet dem Wahlergebnis proportional insgesamt 41 Delegierte, lediglich ein Prozent der Gesamtzahl der Parteitagsdelegierten.


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