„111 Insekten, die täglich unsere Welt retten“: Aber wie lange noch?

Die Brüder Holger und Rolando Grumt Suárez widmen sich einer Auswahl der rund 1,5 Millionen bekannten Insektenarten. Was sie so wichtig für die Erde macht - und warum sie so bedroht sind wie nie.

Insekten tragen erheblich dazu bei, dass die Erde überhaupt bewohnbar ist. Im Bild: eine Gottesanbeterin
© APA/zb/Büttner

Von Jan-Nikolas Picker, dpa

Hamburg – Wer sich schon immer gefragt hat, welche Daseinsberechtigung Kakerlaken haben und wie alt eigentlich Eintagsfliegen werden, findet diese und 109 weitere Antworten in „111 Insekten, die täglich unsere Welt retten“. Das Autoren- und Geschwisterpaar Holger und Rolando Grumt Suárez hat es sich zur Aufgabe gemacht, den „wahren Herrschern der Natur“ mit diesem Buch eine gebührende Plattform zu bieten.

In diesem unterhaltsamen Insektenführer bekommen nicht nur Klassiker der Insektenwelt wie die Gottesanbeterin oder die Feldgrille ihr eigenes Kapitel, sondern auch Exoten wie Chans Megastab – das längste Insekt der Welt – und die Dicke-Po-Ameise – die für neidische Blicke unter den Hautflüglern sorgt.

Beim Durchblättern stößt man auch auf Tierchen, die einem schon im Alltag im wahrsten Sinne über den Weg gelaufen sind – ohne, dass ihnen jemand Beachtung schenkt. Den Gemeinen Ohrwurm etwa dürften die meisten Deutschen schon mal gesehen haben. Aber dass die kleinen viel lieber als Ohren massenhaft Schädlinge vertilgen und früher gemahlen als Pulver gegen Ohrenkrankheiten verabreicht wurden, hatte wohl kaum einer auf dem Zettel.

Statt trockenen, seitenfüllenden Insekten-Fakten darf sich jedes Tier hier nur auf einer Doppelseite präsentieren. Zum Glück gibt es Nahaufnahmen, auch von den kuriosesten Vertretern. Das erspart das parallele recherchieren im Internet nach dem Aussehen. Das 230 Seiten lange Buch ist sicher kein Nachschlagwerk für Biologen, dafür ein vielseitiger Einstieg für junge und alte Insekten-Fans.

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Auf Insektenschrumpfen aufmerksam machen

Mit ihrem Buch wollen die Brüder ihre Leser auf der einen Seite über die Welt der Insekten informieren, noch wichtiger ist ihnen aber auf den bedrohlichen Zustand der Insektenwelt aufmerksam machen. So schrumpft die Insektenbiomasse jedes Jahr um 2,5 Prozent – die Gründe sind menschengemacht: Klimawandel, Insektizide, Lebensraumzerstörung sind nur eine Auswahl.

Wer denkt, auf diese teils winzigen und oft übersehenen Tiere kann man verzichten, irrt sich gewaltig. Insekten tragen erheblich dazu bei, dass die Erde überhaupt bewohnbar ist. Sie sind die erfolgreichsten Organismen dieses Planeten, es gibt sie seit mehr als 400 Millionen Jahren. Das Bienensterben hat bereits das Bewusstsein vieler Menschen erreicht, doch nicht nur sie sind bedroht.

Die 111 ausgewählten Insekten von A wie Ackerhummel bis Z wie Zweiundzwanzigpunkt stehen exemplarisch für die 1,5 Millionen bekannten Arten: Es sind nicht die „besten“ oder „bedrohtesten“, sondern normale und gleichzeitig faszinierende, die auf ihre Weise „unsere Welt retten“, ohne, dass wir es mitbekommen.


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