Bilanz nach Sturmtief „Petra", Rekordböe mit 142 km/h in Innsbruck

Nach dem Sturm am Dienstag kam der Schnee nach Tirol, bis zu 50 Zentimeter fielen auf den Bergen. Wie aus dem Nichts fegte Mittwochfrüh eine der stärksten Windböen über den Innsbrucker Flughafen hinweg.

Seit Dienstagnachmittag wird Tirol in eine Schneedecke gehüllt. Aber schon ab Donnerstag lässt die Sonne die weiße Pracht wieder schmelzen.
© Vanessa Rachlé

Innsbruck – Tirol hat Sturmtief „Petra" am Dienstag weniger heftig zu spüren bekommen als erwartet. „Die Kaltfront war inneralpin nicht so markant ausgeprägt", sagte UBIMET-Meteorologe Steffen Dietz. Turbulent ging es in der Wetterküche dennoch zu. Bis Mittwochfrüh fiel auf den Bergen schon bis zu einem halben Meter Neuschnee. Die Lawinengefahr ist groß, die Experten des Lawinenwarndienstes gaben Stufe 4 der fünfteiligen Skala aus.

Ein außerordentliches Wetterphänomen gab es Mittwochfrüh am Innsbrucker Flughafen: Eine Windböe mit 142,5 km/h fegte praktisch aus dem Nichts durch. Das ist die höchste Windspitze an dieser Wetterstation, die nicht im Zusammenhang mit einem Gewitter aufgetreten ist. Und die vierthöchste Windgeschwindigkeit, die jemals in Innsbruck-Kranebitten gemessen wurde. Ein sogenanntes White Out – das sind massive Schneeverwehungen – legte den Verkehr teilweise lahm, teilte die ZAMG mit.

Orkanartige Böen sogar im Flachland fegten am Dienstag über ganz Österreich hinweg. „Die größten Windgeschwindigkeiten aller offiziellen Wetterstationen wurden dabei auf der Buchbergwarte im Wienerwald gemessen, mit 145 km/h tobte der Sturm hier“, sagt Manfred Spatzierer, Chefmeteorologe der Österreichischen Unwetterzentrale (UWZ). „Mehr als 130 km/h gab es aber beispielsweise auch auf dem Feuerkogel, dem Galzig und auf der Wiener Jubiläumswarte.“ In Innsbruck brachten es die stärksten Böen auf 118 km/h.

Verteilung der Windspitzen am Dienstag.
© UBIMET

Noch extremere Windgeschwindigkeiten wurden von einzelnen Stationen der Lawinenwarndienste gemessen: So registrierte die Station am Wetterkoglerhaus im Wechselgebiet Böen von knapp 200 km/h. Noch darüber lagen die Windspitzen am Gipfel des Schneebergs. Da gab der Windmesser wohl sturmbedingt schließlich den Geist auf.

„Petra" brachte nicht nur Sturm und Regen, sondern auch einige Wintergewitter. Mehr als 200 Blitze zuckten österreichweit über den Himmel, in Tirol wurden aber nur 17 gezählt. Einige Skigebiete – auch in Tirol – waren am Dienstag wegen des Sturms geschlossen. Umgestürzte Bäume, abgedeckte Dächer und Verkehrsunfälle sorgten in ganz Österreich für Hunderte Feuerwehreinsätze.

Die größten Windgeschwindigkeiten inklusive Wetterstationen auf den Bergen.
© UBIMET

Nach dem Sturm kam der Schnee

Die Schneefallgrenze sank am Dienstag rasch, schon zu Mittag schneite es zum Beispiel auch in Innsbruck. Und seither fielen die Flocken ohne Unterlass. Bis Mittwochmorgen wurden am Arlberg rund 40 Zentimeter Neuschnee gemessen, Ischgl meldete rund einen halben Meter. Auch in Innsbruck schloss sich im Laufe des Vormittags die Schneedecke und wuchs auf einige Zentimeter an.

Im Laufe des Mittwochs wird der anhaltende Schneefall im Nordstau der Alpen allmählich weniger und klingt spätestens in den Abendstunden ab. Bis dahin können vor allem in höheren Lagen noch 30 bis 60 Zentimeter Neuschnee zusammenkommen.

Neuschnee-Mengen in Österreich.
© UBIMET

Große Lawinengefahr in Tirol

Der Neuschnee lässt am Mittwoch die Lawinengefahr in Tirol ansteigen. Die Experten des Lawinenwarndienstes stuften die Gefahr als „groß" ein, also Stufe 4 der fünfteiligen Skala. Mit dem Schneefall steige die Auslösebereitschaft von trockenen Lawinen besonders oberhalb der Waldgrenze. Die Verhältnisse seien kritisch, hieß es.

Frischer und älterer Triebschnee birgt die größte Gefahr. An Stellen, wo der Wind stürmisch weht, ist die Lawinengefahr noch höher. Die Gefahrenstellen liegen an Steilhängen aller Expositionen und werden im Laufe des Tages noch mehr.

Die spröden Treibschneeansammlungen werden teilweise überschneit und damit schwierig zu erkennen, warnen die Experten. Schon einzelne Wintersportler können sehr leicht Lawinen auslösen – auch gefährlich große, hieß es. Zudem sind auch spontane Lawinen und immer noch einzelne Gleitschneelawinen möglich.

Frühlingsgefühle am Sonntag

Nach dem Schnee kommt die Sonne wieder: Der Luftdruck steigt in den kommenden Tagen von Westen her. Schon am Donnerstag strahlt die Sonne wieder oft über Tirol. Die Temperaturen steigen spürbar an, bis zu +4 Grad in Nord und sogar +6 Grad in Osttirol sind drin. Sonnig und warm geht es auch ins Wochenende. Mit bis zu +13 Grad können am Sonntag in Westösterreich dann schon wieder Frühlingsgefühle aufkommen. Die nächste stürmische Wetterphase kündigt sich laut derzeitigen Prognosen erst wieder für die kommenden Woche an. (TT.com/smo)


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