Wieder 73 Tote durch Coronavirus, Temperaturchecks am Flughafen Wien

Die Zahl der Todesopfer durch das Coronavirus in China ist erneut deutlich gestiegen. Wie die Behörden der zentralchinesischen Provinz Hubei am Donnerstag mitteilten, starben dort seit dem Vortag weitere 70 Menschen an den Folgen der Infektion.

Auf den internationalen Flughäfen gelten weltweit mittlerweile restriktive Vorschriften, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern.
© AFP/Kisbenedek

Peking - Die Zahl der Toten durch das neuartige Coronavirus in China ist so stark gestiegen wie noch nie. Innerhalb eines Tages waren bis Donnerstag 73 neue Tote zu beklagen, wie die chinesische Gesundheitskommission in Peking berichtete. Damit legte die Zahl der Todesfälle auf insgesamt 563 zu.

Die bestätigten Infektionen mit der Lungenkrankheit kletterten auch wieder stark um 3694 auf 28.018 Fälle. Die Kommission sprach zusätzlich von mehr als 24.000 Verdachtsfällen.

Keine Fälle in Österreich

70 der neuen Todesfälle wurden in der zentralchinesischen Provinz Hubei verzeichnet, dem Zentrum der Epidemie. Von der Millionenmetropole Wuhan in Hubei hatte der Erreger im Dezember seinen Ausgang genommen. Die Provinz ist weitgehend von der Außenwelt abgeriegelt. Auch in anderen Regionen verhängten die chinesischen Behörden Verkehrsbeschränkungen.

Die Zahl der Todesopfer wegen des Coronavirus ist mittlerweile auf 560 angestiegen.
© AFP/Celis

Außerhalb von Festland-China sind in mehr als einem Dutzend Ländern mehr als 240 weitere Fälle bestätigt. In der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong und auf den Philippinen gab es auch zwei Tote. In Österreich gab es bisher keine bestätigten Ansteckungsfälle.

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Seit heute, Donnerstag, werden Passagiere am Flughafen Wien bei Direktflügen aus China Temperaturchecks unterzogen. Die ersten wegen des Coronavirus geplanten Temperaturmessungen werden beim Air China-Flug CA841 durchgeführt werden. Die Maschine hätte um 6.05 Uhr in Schwechat landen sollen, hatte aber mehr als sechs Stunden Verspätung. Die tatsächliche Ankunft war für 12.44 Uhr avisiert.

Kontrollen am Flughafen in Wien

Die Kontrollen sollen "mittels Infrarot-Thermometer" noch direkt im Flugzeug durchgeführt werden, berichtete die niederösterreichische Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ). Personen, die Fieber haben, sollen dann in den Krankenhäusern in Mödling und St. Pölten "weiter untersucht werden, um festzustellen, ob sich ein Verdacht erhärtet". "Wir sind bestens vorbereitet und gerüstet", betonte Königsberger-Ludwig. Die Behörden wollen "damit einen Teil in der Sicherheitskette schließen, damit wir das Sicherheitsgefühl der Menschen in Österreich und natürlich in Niederösterreich stärken", sagte die Gesundheitslandesrätin. Die Amtsärztin und Sanitäter sollen die Temperaturchecks durchführen.

📽 Video | „Temperaturchecks am Flughafen in Wien“

Sollten Passagiere "als Problemfälle identifiziert werden, werden sie schon am Vorfeld von den Sanitätsbehörden in spezielle Fahrzeuge gebracht und von hier weggebracht", sagte Flughafen-Vorstand Günther Ofner. Die Verdachtsfälle würden dann nicht in Kontakt mit anderen Personen kommen. Es müsse "niemand Angst haben", betonte Ofner. So unangenehm die Kontrollen im Einzelfall seien, sie würden "ohne Belastung des Gesamtsystems" durchgeführt werden. Der Flughafen-Vorstand betonte, dass von den Temperaturchecks lediglich "drei Flüge pro Woche betroffen sind, ausschließlich Air China-Flüge aus Peking". In Summe seien das "etwa 400 Passagiere pro Woche", ein sehr geringer Teil der rund 250.000 Passagiere, die momentan wöchentlich am Flughafen abgefertigt werden. Alle notwendigen Vorkehrungen seien getroffen, "damit jeder und jede sich sicher fühlen kann und davon ausgehen kann, dass keine Gefahr einer Infektion besteht", betonte Ofner.

Ab sofort werden Passagiere am Flughafen Wien bei Direktflügen aus China Temperaturchecks unterzogen.
© AFP/Kisbenedek

In Österreich gibt es "keinen einzigen Erkrankungsfall bisher", betonte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne). Allerdings gab es in den vergangenen Tagen eine Reihe von Verdachtsfällen. Aktuell seien "drei konkrete Verdachtsfälle in Untersuchung". Dabei handle es sich um eine "Routinesituation". Bisher wurden bereits 74 Testungen, die alle negativ verlaufen sind, durchgeführt, sagte der Minister. "Ja, das Coronavirus ist in Europa angekommen, aber auf eine sehr, sehr, sehr überschaubare Art und Weise, bislang zumindest. Das ist kein Grund zur Panik", sagte Anschober. Laut dem Minister soll es auch im Flugzeug auf dem Weg von China nach Wien bereits Kontrollen geben. "Es wird auch ein Gesundheitsfragebogen im Flugzeug ausgeteilt und den österreichischen Behörden übermittelt", kündigte Anschober an. Damit seien für einen Anlassfall etwa auch die Sitznachbarn bekannt.

Die Lage in Österreich ist derzeit stabil, betonte auch Innenminister Karl Nehammer (ÖVP). Die Kontrollen der Gesundheitsbehörden am Flughafen erfolge in Zusammenarbeit mit der Polizei, "notfalls auch mit Zwangsmaßnahmen", kündigte Nehammer an. Er erinnerte an den Fall einer Patientin in Salzburg, bei der ein Coronavirusverdacht bestand und die am Mittwoch aus der Quarantäne flüchtete. Sie wurde von der Polizei zurück ins Spital gebracht.

Verdachtsfälle in Kärnten erhärteten sich nicht

Zwei Verdachtsfälle auf eine mögliche Infektion mit dem Coronavirus im Bezirk Klagenfurt-Land haben sich nicht erhärtet. Wie das Land Kärnten am Donnerstag in einer Aussendung mitteilte, hätten beide Tests ein negatives Ergebnis gebracht. Damit gibt es derzeit im südlichsten Bundesland keine Verdachtsfälle.

Die beiden Personen hatten nach einem China-Aufenthalt Atemwegsprobleme gehabt und deshalb eine Ärztin aufgesucht. In diesem Zusammenhang rufen die Behörden neuerlich dazu auf, bei einem Verdacht auf Ansteckung mit dem Coronavirus nicht Ordination oder Spitalsambulanz aufzusuchen, sondern sich telefonisch zu melden.

Weitere Infizierte auf Kreuzfahrtschiff

Mehr als 3700 Passagiere müssen auf dem Kreuzfahrtschiff in Quarantäne bleiben.
© AFP/Nogi

An Bord eines unter Quarantäne gestellten Kreuzfahrtschiffes in Japan wurden indes zehn weitere Fälle des Coronavirus festgestellt worden. Damit erhöht sich die Zahl der Infizierten an Bord des Schiffes auf 20, wie das japanische Gesundheitsministerium bekanntgab. Die Betroffenen würden in örtliche Krankenhäuser gebracht, berichteten örtliche Medien weiter. Von den insgesamt 2666 Passagieren sind etwa die Hälfte Japaner. Gemeinsam mit dem 1045 Crew-Mitgliedern sollen sie nach Angaben des japanischen Gesundheitsministeriums zunächst für weitere 14 Tage an Bord bleiben, da die Untersuchungen auf den Erreger weitergehen.

📽 Video | „Urlauber auf japanischem Kreuzfahrtschiff festgehalten“

Die Sterblichkeitsrate bei Ansteckungen mit dem neuartigen Virus liegt nach Angaben von Experten bisher bei zwei Prozent. Sie liegt damit weit unter den zehn Prozent der SARS-Epidemie der Jahre 2002 und 2003.

China erwägt Verschiebung der Parlamentssitzung

China erwägt eine Verschiebung seiner jährlichen Parlamentssitzung. Man prüfe angesichts der Verbreitung des Coronavirus mehrere Optionen, verlautet aus Regierungskreisen. "Eine Verschiebung ist eine dieser Möglichkeiten."

Der Nationale Volkskongress mit seinen rund 3000 Delegierten kommt üblicherweise für mindestens zehn Tage in Peking zusammen, um Gesetze zu verabschieden. Dabei werden auch wichtige wirtschaftliche Ziele für das gesamte Jahr bekanntgegeben. Der Beginn der Sitzung ist für den 5. März geplant. (APA/dpa/AFP)


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