ÖSV-Herren ohne Revanche-Gelüste: „Spiel verloren, nicht die Meisterschaft"

Das arg gebeutelte Technik-Team will die Garmisch-Pleite mit guten Ergebnissen in Chamonix abschütteln. Roland Leitinger hat sogar die Chance auf eine Kristallkugel.

Rot-weiß-roter Hoffnungsträger in Chamonix: Marco Schwarz.
© GEPA pictures/ Wolfgang Grebien

Chamonix – Nach dem schlechtesten Riesentorlauf-Auftritt der Weltcup-Geschichte haben Österreichs Skiherren in Chamonix die Chance zur Wiedergutmachung. Platz 28 von Manuel Feller in Garmisch-Partenkirchen hatte hängende Köpfe und mediales Donnerwetter zur Folge gehabt. Allzu große Revanche-Gelüste hegt man im ÖSV vor dem Technik-Wochenende mit Slalom und Parallel-Riesentorlauf aber nicht.

Andreas Puelacher moderiert die durchwachsene Saison weiter mit stoischer Ruhe. Kitzbühel war gut, Schladming unglücklich und Garmisch eben schlecht. Der Ressortleiter des Herren-Teams nahm vor den Aufgaben im Osten Frankreichs Anleihe am Fußball. „Wenn du im Fußball einmal eine drüber kriegst, kriegst du eine drüber. Dann hast du ein Spiel verloren, aber nicht die Meisterschaft.“ Ergänzung: „Wegen einem solchen Rennen werden wir uns nicht rausbringen lassen.“

Puelacher: „Von Spiel zu Spiel“ denken

Zwar will der Tiroler mit einem derartigen Nackenschlag nicht gerechnet haben. „Aber wir wussten, dass es auch Rennen geben wird, die nicht so gut laufen werden.“ Und weil Skifahrer wie Fußballer in öffentlichen Aussagen nur „von Spiel zu Spiel“ denken, war Garmisch Freitagfrüh längst abgehakt. Und statt – wie zuletzt üblich – ein Tandem aus Abfahrt und Kombination, steht in Chamonix erstmals seit 15 Jahren wieder ein Slalom auf dem Programm. Da ist die Chance für rot-weiß-rote Erfolge ungleich höher als im Riesentorlauf.

Für den großen Wurf, sprich den Sieg, reichte es vor dem neunten Saisonbewerb aber nicht. Am knappsten dran war Marco Schwarz als Zweiter in Kitzbühel und natürlich zuletzt in Schladming, als der Kärntner als Halbzeitführender nach wenigen Toren ausschied. Auf Schwarz kommt am Ort der ersten Olympischen Winterspiele (1924) eine besondere mentale Herausforderung zu, die Puelacher aber wenig beunruhigt. „Der weiß, was er kann. Er fährt ja eine Top-Saison.“

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ÖSV-Aufgebot für Chamonix

Slalom am Samstag (10.00/13.00 Uhr, live TT.com): Marco Schwarz, Michael Matt, Manuel Feller, Marc Digruber, Adrian Pertl, Dominik Raschner, Fabio Gstrein, Johannes Strolz

Parallel-Riesentorlauf am Sonntag (09.30/13.15/live TT.com): Schwarz, Matt, Feller, Roland Leitinger, Stefan Brennsteiner, Raschner, Gstrein, Strolz

Dass Schwarz‘ Ausrutscher ausgerechnet im größten Slalomrennen des Winters passierte, soll laut Puelacher die kommende Aufgabe nicht zusätzlich erschweren. „Das sind alle Profis. Pinturault fädelt in Wengen ein und gewinnt in Garmisch.“ Die Geschwindigkeit, mit der Schwarz in seiner Comeback-Saison teamintern wieder die erste Geige spielt und im Stangenwald auf Augenhöhe mit Daniel Yule (3 Siege), Clement Noel (2) und Henrik Kristoffersen (2) agiert, überraschte den Cheftrainer. „Er fährt im Slalom eigentlich über meinen Erwartungen.“

Während Michael Matt indes nicht aus dem Grübeln herauskommt und Manuel Feller aus wenig Training wieder möglichst viele Punkte machen will, drängt sich im Slalom eine zweite Garde auf. Mit Adrian Pertl (23) und Fabio Gstrein (22) klopfen zwei Junge an der Weltelite an, sie haben jeweils eine Top-Ten-Platzierung vorzuweisen. Für sie und alle anderen gilt es laut Puelacher „mit Entschlossenheit und Überzeugung“ zu fahren. Nur so seien Top-Ergebnisse möglich. „Wir haben im Slalom eine Dichte, die unglaublich ist.“

Leitinger mit Chance auf Parallel-Kristall

Tags darauf wird dann ein Parallel-Riesentorlauf gefahren und nach zwei Veranstaltungen der beste Parallel-Fahrer der Saison gekürt. In Alta Badia gewann der Norweger Rasmus Windingstad, Roland Leitinger wurde Dritter – hat also noch die Chance, auf eine kleine Kugel. Legt Elisa Mörzinger im letzten Parallel-Bewerb der Damen nicht eine weitere Überraschung nach, könnte Leitinger für die mit ziemlicher Sicherheit einzige Technik-Kugel des ÖSV in diesem Winter sorgen. Puelacher meinte zur Wertigkeit: „Wenn du eine Kugel gewinnst, ist es super. Sie ist gleich viel wert wie jede andere.“ Als Zeichen der Konstanz, wie sonst üblich, sei diese Auszeichnung aber „natürlich“ nicht zu verstehen.

Im Gesamtweltcup will Alexis Pinturault vor heimischer Kulisse die Führung vom zuletzt an der Schulter angeschlagenen Henrik Kristoffersen erobern. Pinturault fehlen 55 Punkte, in Garmisch war er erstmals auf neuen Head-Ski unterwegs – und gewann. Die bisher letzten Chamonix-Slalomerfolge gingen an den Italiener Giorgio Rocca, der 2005 und 2004 triumphierte. Der letzte österreichische Sieger heißt Thomas Sykora (1997). (APA)


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