Studie ergab: Kinderkriegen ist ansteckend

Wissenschafter haben die Auswirkungen sozialer Kontakte auf die Gebärfreudigkeit untersucht. Fazit: Wenn im eigenen Umfeld Menschen Kinder bekommen, ist es wahrscheinlicher, selbst eines zu kriegen.

Symbolfoto.
© Julian Stratenschulte

Bamberg – Es ist wahrscheinlicher, ein Kind zu bekommen, wenn Geschwister, Kolleginnen und Kollegen eines bekommen. Zu diesem Schluss kommt jedenfalls die Wissenschafterin Henriette Engelhardt-Wölfler von der Universität Bamberg in der aktuellen Forschungsarbeit „Familie, Firmen und Fertilität: Eine Studie über soziale Interaktionseffekte“. Details wurden nun in der Fachzeitschrift Demography veröffentlicht.

Gemeinsam mit Kollegen aus Berlin und Amsterdam haben die Wissenschafter Daten aus dem „System of Social Statistical Datasets“ ausgewertet. Dabei handelt es sich um eine Datenquelle, in der verschiedene Registerdaten aller Einwohner der Niederlande verknüpft sind. Der Datensatz enthält Angaben über Geschwister und über Arbeitgeber, sodass die Forscher beide Bereiche miteinander in Zusammenhang bringen konnte.

„Spillover-Effekte“ nachgewiesen

„Wir konnten erstmals sogenannte Spillover-Effekte über Netzwerkgrenzen hinweg nachweisen“, so Engelhardt-Wölfler. Damit sei eine Art Kettenreaktion gemeint: Werde eine Person von Kolleginnen oder Kollegen mit dem Kinderwunsch „angesteckt“, beeinflusse sie wiederum ihre Geschwister. Und diese hätten dann Einfluss auf ihre eigenen Kolleginnen und Kollegen. „Umgekehrt bekommen Personen im gebärfähigen Alter, die kaum Geburten in ihrem Umfeld miterleben, mit niedrigerer Wahrscheinlichkeit Kinder“, heißt es.

Die Experten schränken jedoch ein, dass die Mechanismen, die der „Ansteckung“ zugrunde liegen, mit den vorliegenden Daten nicht detailliert untersucht werden konnten. Die Studie wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit rund 100.000 Euro gefördert. Sie ist angesiedelt am Staatsinstitut für Familienforschung an der Universität Bamberg und veranschaulicht dessen Schwerpunkt. (pte, TT.com)

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