In Russland hängen die WM-Trauben noch ein Stückchen höher

Nach der erfolgreichen Weltmeisterschaft 2019 ist Österreichs Kunstbahnrodel-Nationalteam bei den Titelkämpfen in Sotschi nur in der Außenseiterrolle.

Olympiasieger David Gleirscher präsentierte sich zuletzt in ausgezeichneter Form.
© kristen-images.com / Michael Kristen

Von Günter Almberger

Sotschi – Träumen darf erlaubt sein – auch im Spitzensport. Doch im Österreichischen Rodelverband (ÖRV) sind die Träume dem Realismus gewichen. Vor einem Jahr rasten Jonas Müller und Co. bei der Kunstbahnrodel-WM in Winterberg noch zu fünf Medaillen (1x Gold, 2x Silber, 2x Bronze). Bei den 49. FIL-Titelkämpfen am kommenden Wochenende im Olypmia-Eiskanal von Sotschi hängen die Trauben hoch, sehr hoch sogar. Denn nach dem verletzungsbedingten Ausfall des Top-Duos Thomas Steu

Ohne „Medaillenbank“ in Sotschi am Start

Lorenz Koller, fehlt dem ÖRV in den Doppelsitzerbewerben sowie in der Team-Staffel eine „Medaillenbank“. „Wenn wir mit zwei Medaillen heimkommen, wäre ich sehr zufrieden. Wir werden uns so teuer wie möglich verkaufen“, verspricht ÖRV-Sportdirektor Rene Friedl.

Das WM-Abenteuer in Russland begann bei der Anreise mit einem Tohuwabohu: Der Abflug der gecharterten Maschine verzögerte sich um Stunden, das Material wurde nur teilweise pünktlich geliefert, die ersten Trainingsläufe mussten gestrichen werden. „Wir wollen da jetzt kein großes Fass aufmachen. Inzwischen haben alle die gleiche Anzahl an Fahrten. Die Gastgeber haben sich sehr bemüht, dass Chancengleichheit besteht“, betont Friedl.

Kunstbahnrodel-WM in Sotschi 2020

Programm:

Freitag: Sprint-Bewerbe (11.30 Uhr).

Samstag: Doppelsitzer (11.40 Uhr) und Damen (14.15 Uhr).

Sonntag: Herren-Einsitzer (11.15 Uhr) und Team-Staffel (15.50 Uhr).

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Österreichs WM-Kader:

Herren: David Gleirscher, Wolfgang Kindl, Reinhard Egger, Jonas Müller. Ersatzmann: Nico Gleirscher.

Damen: Madeleine Egle, Lisa Schulte, Hannah Prock.

Doppelsitzer: Yannick Müller/Armin Frauscher.

Trotzdem sind die Russen auf ihrer Heimbahn die Top-Favoriten. Bei der WM-Generalprobe im Vorjahr triumphierte der Gastgeber in sechs von sieben Entscheidungen. „Die Russen sind extrem stark. Sie haben eineinhalb Monate hier trainiert, kennen die Bahn in- und auswendig und können einige Passagen blind fahren“, weiß der ÖRV-Sportdirektor, wen es zu schlagen gilt.

Das heißeste Eisen aus heimischer Sicht ist wohl David Gleirscher. Der Olympiasieger, der vor einem Monat in Altenberg seinen ersten Weltcupsieg feierte, fährt seit Wochen in bestechender Form. „Ich komme ganz gut zurecht. Wir werden noch ein paar Materialtests durchführen. Aber ich glaube schon, dass es mit zwei guten Läufen möglich ist, um die Medaillen mitzufahren“, lässt sich der Stubaier nicht in die Karten blicken.

Debütanten sollen WM-Luft schnuppern

Der noch amtierende Vizeweltmeister Reinhard Egger und Ex-Weltmeister Wolfgang Kindl kämpften im Training indes noch mit Startproblemen. „Momentan habe ich noch nicht alle Puzzleteile zusammengefügt. Ich hadere noch am Start, aber das bekomme ich noch hin“, ist der Langkampfener Egger zuversichtlich. Der angeschlagene Natterer Kindl (Knochenmarksödem im Handgelenk) hofft, dass er im Sprint „überraschen“ kann. Sprint-Weltmeister Jonas Müller fehlt noch die Konstanz.

Für die WM-Debütanten Yannick Müller/Armin Frauscher steht der Lernfaktor im Vordergrund. Gleiches gilt für die Juniorinnen Hannah Prock und Lisa Schulte. Hoffnungen auf einen Top-Ten-Platz darf sich die Rinnerin Madeleine Egle machen. „Wenn Madeleine ihren Aufwärtstrend bestätigt, wäre das eine feine Sache. Und für den Rest gilt es WM-Luft zu schnuppern“, so Friedl.


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