Mehr als 1300 Tote durch Coronavirus, Sprunghafter Anstieg bei Neuinfektionen

Zuletzt war die Zahl neuer Coronavirus-Infektionen etwas zurückgegangen, doch plötzlich werden wieder deutlich mehr Fälle in der Statistik erfasst: Die Zahl neuer Infektionen hat sich im Vergleich zu den Tagen versiebenfacht. Hintergrund sind neue Kriterien dafür. Nach Kritik werden zudem zwei lokale Parteichefs abgelöst.

Die Provinz Hubei ist von der Epidemie besonders betroffen.
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Wuhan – Rekordanstieg bei den Fallzahlen und erste größere Quarantäne-Maßnahmen außerhalb Chinas: Im Kampf gegen das neuartige Coronavirus ist ein Ende der Krise noch lange nicht in Sicht. Die Zahl der Infizierten in China stieg am Donnerstag nach Behördenangaben drastisch um mehr als 14.800 auf fast 60.000, mehr als 1.360 Menschen starben bereits.

Die EU-Gesundheitsminister berieten in einer Sondersitzung in Brüssel über Vorkehrungen gegen Covid-19 und den Umgang mit möglichen Medikamentenengpässen. In Österreich hat es bis Donnerstag (10 Uhr) keinen bestätigten Fall einer Coronavirus-Infektion (offiziell nun Covid-19) gegeben. Es wurden landesweit 157 Tests durchgeführt, alle waren negativ, informierte das Gesundheitsministerium auf seiner Homepage.

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Die nun gemeldeten 242 weiteren Toten in der besonders hart getroffenen Provinz Hubei waren der mit Abstand stärkste Anstieg der Todesfälle innerhalb eines Tages seit Ausbruch der Epidemie im Dezember. In Festlandchina wurden damit insgesamt 1.355 Todesopfer gezählt sowie fast 60.000 Infektionen. Nur wenige Stunden vor Bekanntgabe der neuen Toten- und Krankenzahlen hatte Staatschef Xi Jinping die "positiven Ergebnisse" der von den Behörden getroffenen Maßnahmen gegen das Virus gepriesen.

Die jüngste besonders deutliche Zunahme der Toten- und Infektionszahlen hängt nach Behördenangaben damit zusammen, dass das Virus in China mittlerweile nicht mehr unbedingt durch einen Nukleinsäure-Test nachgewiesen werden muss, sondern die Diagnose auch auf Grundlage von Röntgenbildern der Lunge gestellt werden kann. Dadurch sollen Infizierte schneller Zugang zu einer Behandlung erhalten.

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Parteichefs abgelöst

Die weiterhin rasante Ausbreitung des Coronavirus führte zu ersten größeren personellen Konsequenzen im politischen Apparat der Volksrepublik. Die Chefs der Kommunistischen Partei von Hubei und der dortigen Millionenmetropole Wuhan wurden abgelöst, wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete. Die Kritik der chinesischen Bevölkerung am Umgang der Behörden mit der Epidemie war zuletzt wegen des Todes des jungen Augenarztes Li Wenliang in Wuhan lauter geworden, der als einer der Ersten vor dem neuartigen Virus gewarnt hatte und später selbst daran gestorben war.

Auch außerhalb Chinas sorgt das Virus für Beunruhigung. Es gibt inzwischen mehr als 400 Infektionsfälle in rund 25 Ländern. Aus Angst vor einer Ausbreitung von Covid-19 wurden in Vietnam mehrere Dörfer mit insgesamt rund 10.000 Einwohnern für zunächst 20 Tage unter Quarantäne gestellt. Die Behörden ließen die rund 40 Kilometer von der Hauptstadt Hanoi entfernte Kommune Son Loi abriegeln, zu der mehrere Dörfer gehören. Es handelt sich um die erste größere Quarantänezone außerhalb Chinas.

In Japan ist erstmals ein mit dem neuartigen Coronavirus infizierter Mensch gestorben. Eine um die 80 Jahre alte Frau, die sich mit dem Erreger infiziert hatte, sei tot, teilte der japanische Gesundheitsminister Katsunobu Kato am Donnerstag mit. Noch sei aber unklar, ob sie an Covid-19 oder aus anderen Gründen gestorben sei. Bei der Frau war das Virus erst nach ihrem Tod festgestellt worden. Sie lag seit dem 1. Februar im Krankenhaus.

Anschober: Nur sehr wenige Krankheitsfälle in EU

Die EU-Gesundheitsminister berieten am Donnerstag in Brüssel über Konsequenzen aus der Epidemie. Das Ziel der Europäischen Union in Hinblick auf den Ausbruch des Corona-Virus ist derzeit, die Situation in Europa aufrechtzuerhalten, sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) am Donnerstag vor dem Sonder-Ministerrat. Im Vergleich zu China gebe es "sehr, sehr wenig" Erkrankungsfälle. Sein deutscher Kollege Jens Spahn schloss nicht aus, "dass aus der bisher regional begrenzten Epidemie in China eine weltweite Pandemie werden" könne.

Die größte bekannte Verbreitung des Virus außerhalb Chinas gibt es bisher auf einem Kreuzfahrtschiff, das seit vergangener Woche in Japan unter Quarantäne steht. Unter den 3.711 Menschen auf der "Diamond Princess" wurden inzwischen 218 positiv auf den Erreger getestet, wie das japanische Gesundheitsministerium mitteilte.

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Nach tagelanger Odyssee durch asiatische Gewässer kam für 2.300 Menschen an Bord der "Westerdam" unterdessen Land in Sicht: Das Kreuzfahrtschiff, das wegen der Sorge vor einer Einschleppung von Covid-19 mehrere asiatischen Häfen nicht anlaufen durfte, ist in Kambodscha eingetroffen. Unterdessen könnte sich die nächste Odyssee eines Kreuzfahrtschiffes anbahnen: Die "Aidavita" der Rostocker Reederei Aida Cruises durfte die vietnamesische Hafenstadt Cai Lan in der Halong Bucht nicht anlaufen. Laut Außenministerium befinden sich auf den betroffenen Kreuzfahrtschiffen keine Österreicher. Dies hat eine Überprüfung der Passagierlisten ergeben, sagte Sprecher Peter Guschelbauer zur APA.

44 weitere Fälle an Bord der „Diamond Princess“

Bei 218 Menschen an Bord der "Diamond Princess" wurde indes mittlerweile eine Infektion mit dem Covid-19-Virus festgestellt – es kamen bis Donnerstag wieder 44 hinzu. Die rund 3600 Passagiere und Crewmitglieder sollen nach derzeitigem Stand mindestens noch bis zum 19. Februar auf dem Schiff bleiben.

Der japanische Gesundheitsminister Katsunobu Kato gab am Donnerstag bekannt, dass die Regierung Senioren mit chronischen Krankheiten früher von Bord gehen lassen werde, sofern sie negativ getestet wurden und das wünschen. Sie müssen allerdings in spezielle vom Staat bereitgestellte Unterkünfte, bis die vorsorgliche Isolation endet. In diplomatischen Kreisen waren zunehmend Zweifel an der Art und Weise aufgekommen, wie die japanische Regierung mit dem Fall des Kreuzfahrtschiffes umgeht.

Mehr als 200 Menschen an Bord der „Diamond Princess“ sind infiziert.
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Bisher wurden Tests vorrangig bei Menschen vorgenommen, bei denen ein erhöhtes Risiko einer Infektion besteht. Alle rund 3600 Passagiere und Crewmitglieder zu testen, sei wegen begrenzter Test-Geräte logistisch schwierig, hatte es zwischenzeitlich geheißen. Wie am Donnerstag verlautete, geht der Staat bei den Untersuchungen jetzt unabhängig von Symptomen gruppenweise vor und testet mehr Personen. Vor dem Parlament sagte Kato laut Medien, man erwäge, alle Menschen an Bord zu testen, wenn sie das Schiff verlassen haben.

Vietnam stellt Dörfer unter Quarantäne

Aus Angst vor einer Ausbreitung des Virus sind unterdessen in Vietnam mehrere Dörfer mit insgesamt rund 10.000 Einwohnern unter Quarantäne gestellt worden. Die Behörden ließen am Donnerstag die rund 40 Kilometer von der Hauptstadt Hanoi entfernte Kommune Son Loi abriegeln, zu der mehrere Dörfer gehören. Die Maßnahme gilt demnach zunächst für 20 Tage.

Bewohner der Kommune Son Loi schützen sich mit Masken vor einer Ansteckung.
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In der ländlichen Gegend wurden bisher sechs Fälle von Covid-19-Infektionen registriert. Die Behörden richteten rund um die Kommune Kontrollpunkte ein, wie Reporter berichteten. Dort sprühten Behördenvertreter in Schutzanzügen durchfahrende Fahrzeuge mit Desinfektionsmittel ein. Die Bewohner waren bereits zuvor aufgefordert worden, Menschenansammlungen zu meiden. Die Quarantänezone in Vietnam ist die erste größere außerhalb Chinas. (APA/dpa/AFP, TT.com)


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