Nur fünf ähnliche Fälle weltweit: Italienerin wachsen Haare im Mund

Der Gang zum Zahnarzt ist nicht selten ein schmerzhafter. Mit ganz besonderen Beschwerden hatte eine junge Italienerin zu kämpfen: Ihr wuchsen Haare auf dem Zahnfleisch. Immer noch gibt es keine einheitliche Erklärung für das Phänomen. Bloß Ansätze.

Im Mund einer Patientin machten Ärzte eine äußerst seltene Entdeckung. (Symbolbild)
© pixabay

Rom – Mit 19 Jahren fing es an. Da wuchsen sie plötzlich. Kurze, dunkle, einzelne Härchen, wie Wimpern. Sie sprossen zwischen den Zähnen heraus und waren nicht wegzubekommen. Erst durch einen chirurgischen Eingriff konnten die Zahnfleischhaare entfernt werden. Ärzte verschrieben der jungen Frau die Antibabypille, weil ein ungewohnt hoher Testosteronspiegel ausgemacht werden konnte. Die Hormonbehandlung zeigte schnell Wirkung und die 19-Jährige blieb für die kommenden Jahre verschont.

Als sie die Pille jedoch sechs Jahre später absetzte, begann das Spiel von vorne. Auch an anderen Körperstellen wie Kinn oder Hals war die nun 25-Jährige auffallend behaart. Wieder entfernten Ärzte die Härchen – da die Frau aber nicht wie besprochen zeitnah, sondern erst nach einem Jahr zur Nachuntersuchung wiederkam, wuchsen ihr immer mehr Haare aus dem Zahnfleisch.

📸 Fotos | So sah die Mundgegend der Frau aus

Bei ihrem dritten Arzttermin nahmen die Mediziner dann auch Gewebeproben zur Analyse. Unter dem Mikroskop entdeckten sie einen Haarschaft, der durch ungewöhnlich verdicktes Zahnfleischgewebe drängte. Über den Fall berichtete ein Forscherteam rund um Zahnspezialistin Chrystyna Zhurakivska jüngst im Fachmagazin Oral Surgery, Oral Medicine, Oral Pathology, Oral Radiology. Demnach sind in der medizinischen Fachliteratur nur fünf ähnliche Fälle bekannt. Weltweit. Jedoch traten diese alle bei Männern auf und meist handelte es sich nur um ein einzelnes Haar im Mundraum.

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Sexualhormonspiegel im Ungleichgewicht

Die Ärzte stehen vor einem Rätsel. Was feststeht, ist, dass bei der Frau das sogenannte polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) diagnostiziert wurde. Dabei handelt es sich um eine nicht seltene Hormonstörung, die mit überschüssigem Haarwuchs im Gesicht und am Körper einhergeht und sich unter anderem auch durch unregelmäßige Zyklusblutungen und Akne äußert. Das Syndrom ist nicht heilbar, die Symptome lassen sich jedoch in den meisten Fällen mit der Einnahme von Hormonen behandeln bzw. eindämmen.

Etwa jede fünfte bis sechste Frau lebt mit PCOS. Auch wenn es also relativ weit verbreitet ist, ist das besagte Phänomen mit den Mundhärchen ein äußerst ungewöhnliches und tritt selbst bei Betroffenen so gut wie nicht auf, wie die Fachliteratur beweist. Warum ausgerechnet Haare aus dem Zahnfleischgewebe wachsen, ist unklar. Mediziner haben dafür noch keine einheitliche Erklärung gefunden.

Zusammenhang mit Stammzellen

Bekannt ist, dass während der Embryonalentwicklung das Gewebe, das den Mund bildet, aus derselben Zellschicht stammt, die auch die Haut bildet. Soll heißen: Das Schleimhautgewebe im Mundinneren ist eng mit den Stammzellen verwandt. Daher ist es möglich, dass dieses Gewebe die Haarzellen bildet bzw. einzelne Haarzellen aktiviert. Den Ausführungen der Forscher zufolge haben Menschen auch Talgdrüsen, die oft von Haarfollikeln umgeben sind, im Mund. Die Frage sei also insofern, warum so selten Haare im Mund wachsen, obwohl diese Drüsen dort häufig vorkommen.

Im Fall der Italienerin werden die Härchen bei Nicht-Einnahme von Hormonhemmern jedenfalls immer wieder zurückkehren. (tst)


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