Coronavirus: Erster Todesfall in Frankreich, über 66.000 Fälle in China

Das Coronavirus hat erstmals in Europa ein Todesopfer gefordert. Es handelt sich um einen 80-jährigen Tourist aus China. In China selbst meldete die Gesundheitskommission landesweit 143 neue Todesfälle. Auch in Afrika ist der Virus angekommen.

Eine Befürchtung in vielen Ländern ist, dass vor allem unwissentlich mit dem Virus infizierte Menschen andere anstecken könnten.
© ALISSA ECKERT

Peking/Wuhan/Kairo – Erstmals ist ein an dem Coronavirus erkrankter Mensch in Europa gestorben. Der chinesische Tourist sei in einer Pariser Klinik der Krankheit erlegen, teilte die französische Gesundheitsministerin Agnes Buzyn am Samstag mit. Bei dem Mann handelte es sich demnach um einen 80-Jährigen aus der schwer betroffenen zentralchinesischen Provinz Hubei, in der auch Wuhan liegt.

Der Tourist war Anfang Februar auf die Intensivstation des Krankenhauses Bichat in der französischen Hauptstadt gebracht worden. Sie sei gestern über den Tod des Mannes informiert worden, sagte Buzyn. Der Patient sei mehrere Tage in kritischem Zustand gewesen. In zahlreichen europäischen Ländern wurden in den vergangenen Wochen Menschen gemeldet, die mit dem neuen Coronavirus infiziert sind. Bisher war aber niemand gestorben, bei einigen Patienten verlief die Erkrankung nahezu ohne Symptome.

Zahl der Todesfälle und Infektionen in China erneut gestiegen

Die Zahl der bestätigten Infektionen und Todesfälle durch das Coronavirus in China ist unterdessen erneut gestiegen. Wie Chinas Gesundheitskommission am Samstag mitteilte, wurden landesweit 143 neue Todesfälle bestätigt. Damit sind nun nach offiziellen Angaben 1523 Opfer auf dem chinesischen Festland bestätigt worden.

Die Zahl der neu nachgewiesenen Erkrankungen stieg dort um 2641 auf 66.492 Fälle. Außerhalb des chinesischen Festlands sind im Rest der Welt bisher etwa 600 Erkrankungen bestätigt.

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China verschärft Maßnahmen

Chinas Hauptstadt Peking verschärfte am Freitag seine Maßnahmen im Kampf gegen die Ausbreitung der Krankheit. Menschen, die nach Peking zurückkehren, sollen sich nun für 14 Tage entweder zu Hause oder in speziellen Zentren unter Quarantäne stellen, wie es in einer behördlichen Mitteilung hieß. Es wurden rechtliche Konsequenzen für diejenigen angedroht, die sich nicht an die Vorgabe halten. Dazu, wie die Isolation durchgesetzt werden soll, gab es aber zunächst keine näheren Angaben.

Die Behörden hatten schon zuvor gewarnt, dass sich die auf den Namen COVID-19 getaufte Lungenkrankheit weiter ausbreiten könnte, wenn Migranten in diesen Tagen nach den wegen der Epidemie verlängerten Ferien um das chinesische Neujahrsfest wieder an ihre Arbeitsplätze zurückkehren.

Der chinesische Außenminister Wang Yi sieht große Fortschritte bei der Eindämmung des neuartigen Coronavirus in seinem Land. Als Ergebnis chinesischer Anstrengungen sei bisher nur ein Prozent der Fälle außerhalb der Landesgrenzen aufgetreten, sagte der Minister am Samstag auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Die 1,4 Milliarden Einwohner Chinas führten den Kampf in diesem "Krieg ohne Rauch" entschlossen. Er dankte der internationalen Gemeinschaft für die Hilfe.

Geldscheine in China in Quarantäne

Im Kampf gegen die weitere Ausbreitung des neuartigen Coronavirus stellen Chinas Banken nun auch alte Geldscheine unter Quarantäne: Wie der Vize-Chef der Zentralbank, Fan Yifei, am Samstag mitteilte, desinfizieren die Banken derzeit alle gebrauchten Banknoten, versiegeln sie dann und lagern sie für sieben bis 14 Tage ein - je nach der Schwere des Ausbruchs in ihrer jeweiligen Provinz.

Nach Angaben des stellvertretenden Zentralbank-Gouverneurs sind alle Banken derzeit gehalten, ihre Kunden möglichst nur mit neuen Geldscheinen zu versorgen. In der am schwersten betroffenen Provinz Hubei wurden nach seinen Angaben vor Beginn der Ferien zum chinesischen Neujahr am 25. Jänner zusätzliche Banknoten im Wert von vier Milliarden Yuan (knapp 530 Millionen Euro) gedruckt. Damit solle eine mögliche Ansteckung durch kontaminierte Scheine verhindert werden.

Virus hat Afrika erreicht

Unterdessen hat das neuartige Coronavirus mit Ägypten auch das erste Land Afrikas erreicht. Bei dem Fall handelt es sich nach Angaben der Regierung um eine 33 Jahre alte ausländische Person. Gesundheitsministerin Hala Said machte in einem Fernsehinterview am Freitagabend jedoch keine weiteren Angaben zur Identität des Patienten. Auch die Nationalität blieb unklar. Der Fall sei nach der Ankunft des Patienten in Ägypten durch ein Screeningprogramm entdeckt worden, sagte sie dem Sender MBC Masr.

Die infizierte Person zeige keinerlei Symptome und bleibe 14 Tage auf einer Isolierstation, erklärte die Gesundheitsministerin. Ägypten habe alle erforderlichen Maßnahmen nach den Standards der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ergriffen. Said zufolge lebte der Patient in Ägypten mit drei anderen Menschen zusammen, die dieselbe Nationalität haben. Bei allen, die mit dem Patienten zu tun gehabt hätten, seien die Tests auf den Erreger negativ ausgefallen.

Bill Gates: "Könnte zu sehr schlimmer Lage führen"

Das neuartige Coronavirus könnte die Welt nach Ansicht von Microsoft-Gründer Bill Gates möglicherweise in eine "sehr schlimme Lage" bringen. "Es stellt uns vor eine riesige Herausforderung", sagte Gates am Freitag (Ortszeit) bei der Konferenz des weltgrößten Wissenschaftsverbands AAAS (American Association for the Advancement of Science) in Seattle.

"Es gibt viel, was wir nicht über diese Epidemie wissen, aber es gibt auch viel, was wir wissen, das zeigt, dass sie sehr dramatisch werden könnte - besonders, wenn sie sich in Gegenden wie dem südlichen Afrika oder dem südlichen Asien ausbreitet", sagte Gates weiter. "Diese Krankheit wird, wenn sie nach Afrika kommt, dramatischer sein als in China - und ich will das, was in China passiert, nicht verharmlosen."

Bei dem Fall handelt es sich um die erste Infektion mit dem neuartigen Virus in Afrika. Die WHO arbeitet seit Wochen daran, Länder mit einem schwachen Gesundheitssystem in Afrika und anderswo auf einen möglichen Covid-19-Ausbruch vorzubereiten. Unter anderem schickte die WHO Material für Tests zum Nachweis einer Infektion an zahlreiche Länder, darunter Ägypten, Kongo, Äthiopien, Kenia und Ghana, wie WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus vor kurzem sagte.

Viele Experten haben die Sorge, dass das Virus Länder mit einem schlechten Gesundheitssystem etwa in Afrika oder Asien erreicht, wo es schwer zu kontrollieren wäre. Dann drohe sich die Lungenkrankheit Covid-19 dauerhaft auf der Welt einzunisten.

📽 Video | Coronavirus erreicht Afrika

162 Tests in Österreich durchgeführt: alle negativ

Außerhalb von Festland-China sind in mehr als zwei Dutzend Ländern rund 580 Fälle bestätigt. Auch hier gehen viele Experten von zahlreichen nicht erfassten Infektionen aus. In Österreich hat es bis Freitag (10 Uhr) weiterhin keinen bestätigten Fall einer Coronavirus-Infektion gegeben. Es wurden landesweit 162 Tests durchgeführt, alle waren negativ, informierte das Gesundheitsministerium.

Österreich unterstützt China mit Schutzhandschuhen

Österreich unterstützt China im Kampf gegen das Coronavirus mit konkreten Hilfsleistungen. Das kündigten Bundeskanzler Sebastian Kurz und Außenminister Alexander Schallenberg (beide ÖVP) am Freitagabend nach einem Gespräch mit dem chinesischen Außenminister Wang Yi am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz an.

Schallenberg sagte, es würden unter anderem "2,4 Millionen Stück Schutzhandschuhe" und "100.000 Stück chirurgische Masken" zur Verfügung gestellt. Es gehe also "um ganz konkrete" Hilfsleistungen. "Die Europäische Union hat uns gebeten, unsere Hilfsleistungen mit denen anderer Mitgliedstaaten zu poolen, und das wird dann geschlossen nach China gebracht", erläuterte der Außenminister in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Kurz. "Genau in solchen Situationen zeigt sich auch, was Partnerschaften wert sind, dass man schnell, unbürokratisch anderen zur Seite steht."

Der Bundeskanzler sprach von einem "guten Gespräch" mit dem chinesischen Außenminister, "dem wir unsere Unterstützung zugesagt haben im Kampf gegen das Coronavirus. Wir haben bisher schon einen Beitrag geleistet und stehen auch bei Bedarf bereit, diesen Beitrag noch weiter auszuweiten."

Eine Befürchtung in vielen Ländern ist, dass vor allem unwissentlich mit dem Virus infizierte Menschen etwa bei der Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln andere anstecken könnten. In London hatte sich kürzlich eine Frau entgegen den Anweisungen direkt in einer Notaufnahme vorgestellt, wie das Krankenhaus im Stadtteil Lewisham mitteilte. Bei ihr wurde das Virus nachgewiesen. Angereist war sie mit einem Uber-Taxi. Ein weiterer Betroffener soll an einer Konferenz in London teilgenommen haben. Rund 200 Teilnehmer des Treffens wurden aufgefordert, ihre Wohnungen nicht zu verlassen, sollten sie Symptome wie Fieber oder Husten entwickeln.

Menschen, die nach Peking zurückkehren, müssen sich nun für 14 Tage entweder zu Hause oder in speziellen Zentren unter Quarantäne stellen.
© AFP/Celis

In China wurde bei einem Mitglied der Reinigungskräfte in einem Hochgeschwindigkeitszug eine Infektion festgestellt, was Befürchtungen über Ansteckungen auslöste. Zur Registrierung solcher Vorkommnisse fährt das Land inzwischen seine ganze Überwachungstechnologie auf. So sollen Bürger mit einer Handy-App feststellen können, ob sie in engem Kontakt mit jemandem waren, der mit dem Virus infiziert ist oder als Verdachtsfall gilt. Wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, lässt sich damit sogar feststellen, ob man in einem Flugzeug in derselben Reihe mit einem Infizierten oder drei Reihen davor oder dahinter gesessen hat.

Erster infizierter Mensch in Japan gestorben

In Japan war am Donnerstag erstmals ein mit Sars-CoV-2 infizierter Mensch gestorben: eine Frau in ihren 80ern in der Provinz Kanagawa nahe Tokio. Zudem wurde ein Arzt in der 400 Kilometer entfernten Präfektur Wakayama positiv auf das Virus getestet. Das Krankenhaus Saiseikai Arida, in dem er arbeite, nehme vorerst keine Patienten mehr auf, hieß es.

Immer stärkere Auswirkungen hat Covid-19 auf die Wirtschaft. Fluggesellschaften müssen sich auf Umsatzeinbußen in Milliardenhöhe einrichten. Die Internationale Zivilluftfahrtbehörde ICAO geht in einer ersten Schätzung von vier bis fünf Milliarden Dollar (3,7 bis 4,6 Mrd Euro) für das erste Quartal aus.

Mit regelmäßiger Desinfektion versucht man, die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Der Erfolg ist mäßig.
© STR/AFP

In Singapur sagte Premier Lee Hsien Loong, dass die wirtschaftlichen Folgen von Covid-19 wahrscheinlich die der Sars-Epidemie von 2002/2003 übertreffen werden. Die Interimschefin des französischen Autobauers Renault, Clotilde Delbos, warnte ebenfalls vor Risiken. Der Konzern habe ein Krisenmanagement eingesetzt. Aus der besonders betroffenen Provinz Hubei in Zentralchina kommen viele Autoteile. (APA/dpa)


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