Die Champions League neu: Bei radikalen Plänen ist kein Platz für Romantik

Die Champions League ist längst ein Milliardengeschäft mit unglaublichen Ausschüttungen. Weil die Gier groß ist, aus dem Fußball immer mehr zu lukrieren, sind Reformen geplant.

Der Star ist der Fußball – zumindest scheint vorerst noch der Sport bei der Champions League im Vordergrund zu stehen. Hinter den Kulissen ist die Jagd nach dem maximalen Gewinn eine scheinbar endlose.
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Von Wolfgang Müller

Innsbruck – Glitzer und Glamour, Stars und Tore, Titel und Pokale – und alles unter der Prämisse, die Gewinnmaximierung in schwindelerregende Höhen zu treiben: Willkommen in der Champions League, der perfekten Marketingmaschine des europäischen Fußballs! Nach Abschluss der Gruppenphase sind ab morgen die Branchenleader beim Abkassieren praktisch unter sich. Die „Großen“ werden immer mächtiger, die „Kleinen“ bzw. die Mittelschicht kämpft zeitgleich ums Überleben. Immer neue Wege finden, um Geld in großen Mengen zu erlösen, ist das Credo der großen Verbände, dem europäischen Verband UEFA und dem Weltverband FIFA. Darin sind die handelnden Personen wahre Meister ihres Faches. Das belegen die Zahlen der aktuellen Saison:

In der „Königsklasse“ wird der Rahm kaiserlich abgeschöpft. Insgesamt 1,95 Milliarden Euro zahlt die UEFA an jene Clubs aus, die es geschafft haben, bei der großen Verteilung dabei zu sein. Beispiel FC Bayern: Der deutsche Rekordmeister erhielt als ungeschlagener Gruppensieger bislang allein 82 Millionen Euro an festen Prämien. Ein Vorstoß ins Viertelfinale würde aus der Zentralvermarktung des Wettbewerbes mit weiteren 10,5 Millionen Euro honoriert. Dazu kommen eine erst am Saisonende feststehende Millionenzahlung aus dem so genannten Marktpool sowie die Einnahmen aus weiteren Heimspielen.

34 Millionen Euro für Meister Salzburg

Der Krösus der deutschen Bundesliga wird damit in dieser Spielzeit über 100 Millionen Euro aus der Champions League lukrieren. Weitere sechs Vereine haben bereits mehr als 75 Millionen Euro eingenommen. Keine Überraschung: Es sind durchwegs Teams aus den Top-fünf-Ligen Europas. Hinter den Bayern folgen der FC Barcelona (81 Mio. Euro), Juventus Turin (80), Manchester City (78), FC Liverpool (76) und Paris Saint-Germain sowie Real Madrid (beide 75).

Champions League – Achtelfinale, Hinspiele

Dienstag, 21.00 Uhr: Dortmund - PSG (DAZN), Atletico - Liverpool (Sky)

Mittwoch, 21.00 Uhr: Bergamo - Valencia (Sky), Tottenham - Leipzig (DAZN)

Dienstag, 25.2. - 21.00 Uhr: Chelsea - Bayern, Napoli - Barcelona

Mittwoch, 26.2. - 21.00 Uhr: Real - ManCity, Lyon - Juventus

Rückspiele: 10./11. und 17./18. März

Auch wenn es letztlich nicht für den Einzug in das Achtelfinale reichte, hat sich für Österreichs Serienmeister FC Salzburg das erste Antreten in der Champions League ausgezahlt. Mit immerhin 34 Millionen Euro Gewinn rangieren die Bullen aus Österreich laut einem Bericht der Swiss Ramble an 23. Stelle aller Gruppenteilnehmer. Und als Gruppen-Dritter sind die Salzburger im Sechzehntelfinale der Europa League auch noch im Rennen.

Das Spitzen-Produkt des europäischen Fußballs läuft wie geschmiert, dennoch plant UEFA-Präsident Aleksander Ceferin umfassende Reformen. Grob skizziert: eine dreiklassige Champions League mit 128 Mannschaften statt wie bisher 32 in der Königsklasse und 48 in der Europa League. Natürlich geht’s um Geld: Bisher schüttet die UEFA 2,5 Milliarden Euro an die Clubs aus. Die Hoffnung: In fünf Jahren soll es das Doppelte sein.

Kompromiss zwischen Arm und Reich

Dem Chef der European Club Association (ECA), Andrea Agnelli, gleichzeitig Präsident von Juventus Turin, gehen die Reformpläne nicht weit genug. Serientitel in der italienischen Meisterschaft sind eben nicht das Gelbe vom Ei. Seine Idee von einer Super League füttert Urängste aller Fußballromantiker. Agnelli will Radikales: nur die Besten aus Europa und das ganze Geld für die Elite. Ceferin hingegen schmiedet erstens einen Kompromiss zwischen Arm und Reich und fördert zweitens die europäische Einheit – mehr „Kleine“ sollen am Geldregen partizipieren.

Die Pläne für eine radikale Champions-­League-Reform stoßen bei Karl-Heinz-Rummenigge auf wenig Gegenliebe. „Es gibt auch keinen Bedarf für Veränderungen. Der Radikalismus geht mir mittlerweile zu weit. Mir fehlt auch der Sinn: Es soll etwas repariert werden, was nicht kaputt ist“, sagte Bayerns Vorstandsboss und legt auch noch entschieden nach: „Man muss sich mittlerweile fragen, ob das alles noch gut für den Fußball oder nur noch für die Kasse ist.“

Und genau das wird der Punkt sein – wenn die Kasse stimmt und der Rubel entsprechend rollt, dann werden derartige Vorschläge auch abgenickt. Die Sozialromantik rund um das runde Leder ist nämlich schon längst ein Auslaufmodell.

50 Millionen Dollar Antrittsgeld bei Klub-WM

Im Bestreben, Geldquellen mit neuen Formaten anzuzapfen, reformiert FIFA-Präsident Gianni Infantino das bisherige „Stiefkind“ Klub-WM. Die Premiere mit 24 Mannschaften findet in zwei Jahren in China statt. Das Land des Lächelns gilt als aufstrebende Macht im Weltfußball und als möglicher Kandidat bei der Vergabe der WM 2030. Der chinesische Konzern Wanda Group ist zudem zu einem der wichtigsten FIFA-Geldgeber geworden.

Bei der neuen Klub-WM, die ab 2021 im Sommer statt wie bisher im Winter ausgetragen werden soll, sind acht Vertreter aus Europa vorgesehen. Die letzten vier Champions-League-Sieger sowie mindestens zwei, wenn nicht sogar vier Vereine der UEFA-Klubrangliste. Und die Millionen fließen in Strömen: 50 Millionen Dollar Antrittsgeld soll es geben, gar 115 Millionen soll der Sieger einstreichen. Und der FIFA wird auch etwas bleiben ...

Gutes Geld in der Europa League

Im Vergleich zur Champions League ist der Geldfluss in der Europa League zwar stark gedrosselt, aber auch im zweitklassigen europäischen Clubformat ist gutes Geld zu verdienen. Das lässt sich am Beispiel des österreichischen Vizemeisters LASK belegen: Siegprämien und Gruppensieg-Bonus bescherten den Linzern immerhin 11,4 Millionen Euro. Und die Reise ist noch nicht beendet.

Im Sechzehntelfinale haben die Athletiker gegen den niederländischen Erstdivisionär AZ Alkmaar nämlich durchaus Chancen weiterzukommen. Die Heimspiel-Einnahmen und 1,1 Millionen Euro kämen dazu, womit das gesamte Jahresbudget (13,5 Millionen Euro) allein mit der Europa League abgedeckt wäre. Von wegen „Cup der Verlierer“ – für die so genannten „Kleinen“ des europäischen Fußballs ist auch die Europa League ein Segen.


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