VCÖ: Pendeln attraktiver und umweltfreundlicher gestalten

Der Verkehrclub Österreich fordert langfristige Lösungen zum Einsparen von Emissionen. Klimafreundliche Verkehrsmittel sollen gezielt gefördert werden und es sein eine Reform der Pendlerförderung notwendig.

Laut VCÖ braucht es einen guten öffentlichen Verkehr, auch außerhalb der klassischen Pendelzeiten. (Symbolfoto)
© Vanessa Rachlé

Wien - Rund drei Millionen Tonnen CO2 werden jährlich durch Autofahrten zum Arbeitsweg ausgestoßen. Durch konkrete Maßnahmen, wie die Schaffung klimafreundlicher Alternativen und Bonuszahlungen für jene Personen, die öffentlich, zu Fuß oder mit dem Rad anreisen, können große Mengen an Schadstoffen eingespart werden, hieß es bei einer Pressekonferenz des Verkehrclubs Österreich (VCÖ) am Donnerstag.

"Arbeitswege sind in den seltensten Fällen Arbeitszeit, aber eben auch keine Freizeit", sagte VCÖ-Experte Michael Schwendinger. Deshalb sollen diese so attraktiv und angenehm wie möglich gestaltet werden. "Ein umweltfreundlicheres Mobilitätsverhalten am Arbeitsweg ist ein wichtiger Hebel, um die Klimabilanz des Verkehrs zu verbessern", sagte er. In Österreich werden an jedem Werktag rund 98 Millionen Kilometer zum und vom Arbeitsplatz zurückgelegt - 60 Prozent davon hinter dem Lenkrad sitzend.

Betriebliches Mobilitätsmanagement für Unternehmen

Aus diesem Grund müssen laut VCÖ klimafreundliche Verkehrsmittel gezielt gefördert werden. "Es braucht einen guten öffentlichen Verkehr, auch außerhalb der klassischen Pendelzeiten", sagte Schwendinger. Das Potenzial dafür sei jedenfalls gegeben, leben laut einer Studie der Arbeiterkammer allein zwei Drittel der aus den umliegenden Bundesländern nach Wien pendelnden Personen näher als drei Kilometer von einem Bahnhof entfernt.

Außerdem müsse in Zeiten des Booms an Elektrofahrrädern die Infrastruktur für Fahrradfahrer, aber auch für Fußgänger, verbessert oder geschaffen werden. Dazu kommt der Vorschlag, ein betriebliches Mobilitätsmanagement für Unternehmen ab 50 Beschäftigten gesetzlich vorschreiben zu lassen. So würden sich die Unternehmer gezielt Gedanken machen, wie sie Geld einsparen und klimafreundlicher werden könnten, erklärte Schwendinger.

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Eine Reihe von nicht aufeinander abgestimmte Systeme

Ein zentraler Punkt bei diesem Thema ist die Pendlerförderung. "Es ist sehr kompliziert, sehr vielschichtig und es gibt eine Reihe von nicht aufeinander abgestimmten Systemen", sagte Daniela Kletzan-Slamanig vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) zur aktuellen Situation. Die Ökonomin sieht besonders einkommensschwache Fernpendler benachteiligt, was dem Prinzip der Pendlerförderung widerspreche.

Ein Großteil der Arbeitswege ist jedoch kurz. Daten des Verkehrsministeriums zeigen, dass 57 Prozent aller Arbeitswege unter zehn Kilometer betragen. Dagegen sind nur fünf Prozent länger als 50 Kilometer. "Es braucht eine stärkere Fokussierung auf den öffentlichen Verkehr, dort, wo es möglich ist", sagte Kletzan-Slamanig. Zudem sollen laut ihr höhere Absetzbeträge für niedrigere Einkommensklassen geschaffen werden. "Wichtig ist es aber, ein Gesamtkonzept auf den Tisch zu bringen, das eine Dekarbonisierung Österreichs generell weiterbringt", sagte sie.

Eine Entlastung für Pendler forderte auch der ÖAMTC. "Nachdem die Kosten für den Weg in die Arbeit mit jedem Kilometer steigen und jeder - egal ob man mehr oder weniger verdient - in die Arbeit kommen muss, sollten Pendler nicht abhängig von ihrem Einkommen und nach Entfernungsklassen entlastet werden", erklärte Martin Grasslober. Aus der aktuellen Pauschale sollen laut ÖAMTC deshalb individuelle Förderungen geschaffen werden. (APA)


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