Tiroler sehen Auswirkung von Zuwanderung positiver als früher

Standen 2017 lediglich 14 Prozent der Tiroler den Auswirkungen von Zuwanderung eher positiv gegenüber, so sind es nun 42 Prozent. Das ist das Ergebnis einer Studie, die das SORA Institut im Auftrag des Landes Tirol durchgeführt hat. Zusätzliche Zuwanderung sehen die Tiroler allerdings skeptisch.

Symbolbild.
© iStock

Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Im Vergleich zu 2017 schätzt die Tiroler Bevölkerung die Auswirkungen der Zuwanderung positiver ein. Das ist ein zentrales Ergebnis des neuen Integrationsmonitors (siehe Factbox), der gestern von Soziallandesrätin Gabriele Fischer (Grün­e) und Meinungsforscher Christoph Hofinger (SORA) präsentiert wurde. Dieser soll sozusagen die Stimmungslage in Tirol gegenüber den Bereichen Flüchtlinge, Asyl und Integratio­n ausloten.

Integrationsmonitor

Umfrage: Der Integrationsmonitor wurde nach 2017 nunmehr 2019 zum zweiten Mal vom Meinungsforschungsinstitut SORA im Auftrag des Landes durchgeführt. Hierzu wurden 701 Personen über 16 Jahr­e telefonisch zwischen 10. November und 4. Dezember 2019 befragt. Der Datensatz ist repräsentativ und wurde auch politisch gewichtet.

42 Prozent beurteilen die Auswirkungen der Zuwanderung auf Gesamt-Tirol mit „eher gut“. 2017 waren es nur 14 Prozent. Auch was den Arbeitsmarkt und das Wirtschaftswachstum betrifft, stehen je 54 Prozent der Zuwanderung positiv gegenüber (+ 29 bzw. + 17 Prozentpunkt­e). Die Einschätzung wandelt sich aber, geht es um das Sozialsystem (28 % positive Zustimmung) oder Pensionssystem (33 % Zustimmung). Hofinge­r erklärt das damit, dass die Bevölkerung hier stark differenziere: „Das Thema ist sehr vielschichtig.“

Soziallandesrätin Gabriele Fischer und Meinungsforscher Christoph Hofinger.
© c

Was das Zusammenleben in Tirol betrifft, so bewerten es 59 Prozent der Befragten mit „sehr gut“ bis „gut“. Ein Wert, der steigt, wenn man selbigen für die jeweilige Heimatgemeinde abfragt. Hier sprechen gar 76 Prozent von einem positiven Zusammenleben. Für Hofinger ein Indiz, dass der dezentrale Ansatz in der Flüchtlingsunterbringung gefruchtet habe: „Da, wo Menschen in Kontakt mit Flüchtlingen kommen, verbessert sich das Bild.“ Fischer sieht sich auf dem richtigen Weg: „Integration und Zuwanderung werden in Tirol positiv gesehen – speziell auf der Gemeindeebene.“ Die Deutschkurse würden funktionieren. Was man aus der Befragung mitnehme, ist der offenkundige Arbeitsmarkt-Wunsch: „Das müssen wir auch auf Bundesebene weiterbringen.“ Immerhin gaben in der Befragung 78 Prozent als Forderung an die Flüchtlingspolitik an, dass Zugewanderte einen schnelleren Zugang auf den Arbeitsmarkt bekommen sollten.

📽 Video | Tiroler offen gegenüber Zugewanderten

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Einstellung zu Flüchtlingen „normalisiert"

Jedoch zeigt die Befragung auch klar einen Unterschied zwischen der Sichtweise und dem Umgang mit jenen Geflüchteten auf, die bereits im Land sind, und jenen, die da noch kommen könnten. Zwar haben immer noch 40 Prozent eine positive Einstellung zu Flüchtlingen, jedoch wuchs der Anteil jener, die hierzu einen ausschließlich negativen Zugang haben, auf 38 Prozent (+ 28 Prozentpunkte). Für Hofinger ist das zwar ein markanter Anstieg, im öster­reichweiten Vergleich aber eher als „Normalisierungsprozess“ im Vergleich zu 2017 zu interpretieren. 22 Prozent weisen in dieser Frage positive wie negative Tendenzen auf. Eine Mehrheit (53 %; +    13) ist der Meinung, dass sich Österreich zuerst um die Probleme im eigenen Land kümmern sollte. Der Parole „Grenzen dicht“ würden 52 Prozent zustimmen. Im Gegensatz dazu hat aber die Furcht vor Fanatismus und religiösem Terror in Zusammenhang mit Flüchtlingen auf 35 Prozent (- 11) abgenommen.


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