Nahrungsergänzungsmittel für Kinder: Lieber Finger weg

Die Arbeiterkammer Oberösterreich rät von Nahrungsergänzungsmittel für Kinder ab: Diese sind oft überdosiert und enthalten Zucker, Süßungsmittel oder künstliche Süßstoffe.

Kinder sollten keine Nahrungsergänzungsmittel schlucken, sofern diese nicht von einem Arzt verordnet wurden.
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Linz – Viele Eltern wollen mit Vitamin- und Nährstoffpräparaten sicherstellen, dass der Nachwuchs optimal versorgt ist – keine gute Idee, befand die Arbeiterkammer (AK) Oberösterreich nach einer Erhebung. Die Nahrungsergänzungsmittel seien oft überdosiert und enthalten Zucker, Süßungsmittel oder künstliche Süßstoffe. Die AK empfiehlt, einen Arzt zu konsultieren, wenn man Vitamin-Mängel befürchtet.

Die Konsumentenschützer testeten 14 zufällig ausgewählte Nahrungsergänzungsmittel für Kinder und verglichen die angegebenen Nährstoffmengen mit den täglichen Zufuhrempfehlungen für Vier- bis unter Siebenjährige. Elf der 14 Produkte enthalten zumindest von einem Nährstoff mehr als empfohlen wird - besonders ausgeprägt bei Biotin, wo gar bis zu 1.000 Prozent der empfohlenen Tagesdosis erreicht werden. Drei liegen innerhalb der Grenzen, wobei ein Artikel die empfohlene Tageszufuhr bei fast allen enthaltenen Mikronährstoffen bereits zu 100 Prozent ausschöpft. Ein anderes Produkt ist mehr Nascherei als eine sinnvolle Nahrungsergänzung.

Mehr Nascherei als Vitaminpräparat

Derzeit existiert keine – von der AK OÖ geforderte – gesetzlich verbindliche Obergrenze für Nährstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln, die eine sichere Aufnahme gewährleisten würde. Als Orientierungshilfe dienen die vom deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) erarbeiteten Höchstmengenvorschläge für Personen ab 15 Jahren. Selbst diese überschritten drei Produkte im Test für Vitamin A um das eineinhalb bis zweifache. Vier Mittel lagen bei Jod, Folsäure bzw. Vitamin A gerade noch im Grenzbereich, zwei enthielten außerdem Beta-Carotin. Diesen Nährstoff empfiehlt das BfR aus Gründen des vorbeugenden Gesundheitsschutzes nur mit großer Vorsicht einzusetzen.

Nahrungsergänzungsmittel für Kinder

Die Ergebnisse im Detail: Arbeiterkammer Oberösterreich

Etliche Mittel scheinen mehr Nascherei als Vitaminpräparat zu sein: Fünf enthielten Zucker und Glucosesirup sowie Säuerungsmittel, acht Süßungsmittel (Xylit, Sorbit, etc.) oder künstliche Süßstoffe (Aspartam, Acesulfam K). Nur ein Produkt war gänzlich ungesüßt. Die Kosten für die Zusatzstoffe variieren von zwei bis 77 Euro im Monat für ein Kind.

Ob eine Nahrungsergänzung überhaupt notwendig ist, soll man am besten vom Arzt abklären lassen, riet die AK. Grundsätzlich seien Kinder gut mit Nährstoffen versorgt, eine abwechslungsreiche Kost und regelmäßiger Aufenthalt im Freien trügen dazu bei. Zu vorübergehenden Vitamin- und Nährstoffmängeln könne es bei längeren Krankheiten oder in starken Wachstumsphasen kommen. (APA)


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