Equal Pay Day: Ruf nach Maßnahmen zum Schließen der Einkommensschere

Die bereinigte Lücke im Grundgehalt zwischen Männern und Frauen in Österreich liegt durchschnittlich bei 6,6 Prozent – das darf nicht sein, sind sich Politikerinnen aller Parteien einig.

Symbolbild.
© BAGNG

Wien – Anlässlich des heutigen Equal Pay Days haben sich Politikerinnen aller Parteien mit frauenpolitischen Forderungen zu Wort gemeldet. Sie kritisieren, dass nach wie vor große Unterschiede zwischen den Einkommen von Frauen und Männern bestehen.

Der Equal Pay Day macht darauf aufmerksam, dass Frauen noch immer um 15,2 Prozent weniger verdienen als Männer. Das darf nicht sein und wir müssen gesamtgesellschaftlich alles daran setzen, diese Unterschiede zu beseitigen und die Einkommensschere zu schließen", wurden Frauenministerin Susanne Raab und Arbeitsministerin Christine Aschbacher (beide ÖVP) in einer gemeinsamen Aussendung am Dienstag zitiert. Sie verwiesen darauf, dass die Bundesregierung die Einkommensberichte besser zugänglich machen und ein Equal-Pay-Siegel für Unternehmen einführen will.

„Die Themen gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit, wirtschaftliche Unabhängigkeit für Frauen in jedem Alter und damit verbunden auch die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf stehen ganz oben auf unserer Agenda", versicherte ÖVP-Frauensprecherin Elisabeth Pfurtscheller. Die Präsidentin des ÖVP-Seniorenbunds, Ingrid Korosec, forderte im Rahmen eines breit angelegten Aktionsplans stärkere Aufklärung von Frauen über die Folgen von Teilzeitarbeit sowie eine Förderung ihres beruflichen Wiedereinstiegs.

Auch die Frauensprecherin der Grünen, Meri Disoski, betonte in einer Aussendung, dass Maßnahmen für Einkommensgerechtigkeit zügig umgesetzt werden müssten. „Denn weniger Lohn für Frauen und die daraus resultierenden ökonomischen Nachteile begleiten Frauen ihr Leben lang und führen nicht selten in die Altersarmut. Die für die Umsetzung der Maßnahmen zuständigen MinisterInnen können sich auf meine Unterstützung verlassen", so Disoski.

„Wir müssen die Lohnschere endlich schließen", stellte auch SPÖ-Frauenvorsitzende Gabriele Heinisch-Hosek fest. Zentrale Forderungen der SPÖ seien ein kollektivvertraglicher Mindestlohn von 1.700 Euro steuerfrei, ein Lohngesetz nach dem Vorbild Islands, Arbeitszeitverkürzung, eine bessere Bezahlung von frauentypischen Branchen und ein Rechtsanspruch auf einen ganztägigen und kostenfreien Kinderbetreuungsplatz.

„Sanktionen und Zwang zur Lohntransparenz sind der einzige Weg, um die Gehaltsschere zwischen Männern und Frauen schneller zu schließen", zeigte sich Evelyn Regner, Vorsitzende des Ausschusses für Frauen und Gleichstellung im Europaparlament, überzeugt. Ein solcher Vorstoß müsse das Herzstück der neuen EU-Gleichbehandlungsstrategie sein.

NEOS-Frauensprecherin Henrike Brandstötter forderte unter anderem die Umsetzung "gleichberechtigter, individueller Karenzansprüche" sowie einen Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz für jedes Kind ab dem ersten Geburtstag. „Es kann nicht sein, dass im Jahr 2020 Frauen im Schnitt immer noch deutlich weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen. Im Hinblick auf die höhere Altersarmut bei Frauen ist das eine Katastrophe", so Brandstötter.

„Geht es in diesem Schneckentempo weiter, dann dauert es noch Jahrzehnte, bis die Unterschiede endlich der Vergangenheit angehören", beklagte auch die freiheitliche Frauensprecherin Rosa Ecker. „Wir müssen es endlich schaffen, dass Frauen nicht nur gleichen Lohn für gleiche Arbeit erhalten, sondern auch die Pensionen für Frauen nicht länger nur 50 Prozent ausmachen im Vergleich zu jenen von Männern", so Ecker.

Heute ist Equal Pay Day

Der heutige Equal Pay Day basiert auf Berechnungen des Frauennetzwerks Business and Professional Women (BPW). In Österreich werden zwei Tage der Lohngerechtigkeit begangen, was auf die Berechnungsmethode zurückzuführen ist. Neben dem Frühjahrstermin gibt es auch einen Tag im Herbst - in diesem Fall wird vom Jahresende „zurückgerechnet".

Laut Berechnungen der Unternehmensberatung Mercer liegt die bereinigte Lücke im Grundgehalt zwischen Männern und Frauen in Österreich durchschnittlich bei 6,6 Prozent, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Dabei betrage der Unterschied im Bereich der Facharbeiter und Spezialisten durchschnittlich 3,7 Prozent und steige mit zunehmendem Hierarchielevel an. Die unbereinigte Lücke, mit auf Vollzeit hochgerechneten Werten ungeachtet der Position im Unternehmen, liege demnach bei 17 Prozent. Die Mercer-Analyse basiert auf Lohn- und Gehaltsdaten von über 215 Unternehmen mit Sitz oder Hauptsitz in Österreich, die 2019 am Mercer Total Remuneration Survey (TRS) teilgenommen haben.


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